Kiesabbau

Kieslaster aufs Neue im Fokus

Der Kiestagebau bei Suderode soll wieder in Betrieb gehen und dabei noch erweitert werden. Die Stadt Osterwieck hat dem Vorhaben die Zustimmung versagt.

Von Mario Heinicke
Die Zufahrt zum Kiestagebau östlich von  Suderode. Bald sollen hier wieder Lkw rollen.
Die Zufahrt zum Kiestagebau östlich von Suderode. Bald sollen hier wieder Lkw rollen. Fotos (2): Mario Heinicke

Suderode - Gut eineinhalb Jahre war Ruhe westlich von Suderode. Die Anwohner hatten schon gehofft, der Kiesabbau wäre eingestellt worden. Doch nun soll er wieder aufgenommen werden. Der Betreiber hat beim Landkreis die Kiesförderung für weitere fünf Jahre beantragt. Und die Kreisverwaltung hat dazu auch von der Stadt Osterwieck eine Stellungnahme eingefordert. Heute ist Einsendeschluss. Die Stadtverwaltung hat ihr Schreiben vorige Woche nach Halberstadt gesendet.

Kiesabbau westlich von Osterwieck ist seit über 25 Jahren ein Dauerthema. Dabei stand jedoch meist das Abbauvorhaben im Ilsetal zwischen Bühne und Stötterlingen im Fokus, gegen das es massiven Widerstand gibt. Der Kiesabbau bei Suderode hat andere Wurzeln, die schon in den DDR-Zeiten und außerdem im Territorium der Nachbargemeinde Bühne liegen. Hier gab es eine kleine Kiesgrube, die nach der Wende mehrere Eigentümerwechsel und schließlich die Ausdehnung ins südlich gelegene Suderöder Territorium hatte. Die Kiesschicht im Boden ist hier durchschnittlich 15 Meter mächtig.

Probleme bereitete in der Vergangenheit den Anwohnern vor allem ein Thema, der Lkw-Verkehr. Rund 20 Jahre rollten die Laster auf bei Nässe matschigen Feldwegen nach Bühne und dann durchs Dorf in die Ferne. Seit etwa zehn Jahren ist die Ein- und Ausfahrt verlegt auf die entgegengesetzte Seite, die seit vorigem Jahr breit ausgebaute Kreisstraße zwischen Suderode und Lüttgenrode. Und wenn sich alle Lkw-Fahrer an die einstige Abmachung gehalten und ihre Trucks über Lüttgenrode gesteuert hätten, so gäbe es jetzt wohl kaum Widerstand.

Doch stattdessen rumpelten zig leere Laster über die holprige Dorfstraße von Wülperode und ließen dort schon zu früher Stunde die Gläser im Stubenschrank klimpern.

Der Abtransport, das ist seit längerem per Verkehrsschild an der Kieswerk-Ausfahrt geregelt, muss zwingend über Lüttgenrode erfolgen. Für die Zufahrt aber ist keine zwingende Verkehrslenkung möglich geworden.

Deshalb stellt die Stadtverwaltung in Rücksprache mit den betroffenen Ortschaften jetzt dieses Problem bei der Versagung oben an – „die erwartbaren Lärmimmissionen“ vor allem durch den Transportverkehr, weil die Verkehrsregelungen zur Schonung der historischen Ortskerne von Wülperode und Suderode fehlen. Zumal auch zwischen den Orten die dortigen Straßen äußerst schmal, schlecht und teils schwer einsehbar sind sowie darüber hinaus immer mehr Radler hier unterwegs sind.

Verbindlichkeit gefordert

Daher schlägt die Stadtverwaltung der Kreisverwaltung vor, unter Androhung von Strafen bis zur Schließung des Tagebaus in die Genehmigung einen Passus einzuarbeiten, dass sich der Kieswerkbetreiber vor Aufnahme seiner Tätigkeit die schriftliche Erklärung von den Transportunternehmen einholt, dass die Lkw die Orte Wülperode und Göddeckenrode meiden. Darüber hinaus sollen an der Landesstraße Isingerode-Wiedelah an den Abzweigen Wülperode und Göddeckenrode jeweils Durchfahrtverbotsschilder für Lkw ab 7,5 Tonnen aufgestellt werden.

Neben dem Verkehr gibt es noch weitere Versagungsgründe. Der Betrieb des Tagebaus ist werktags maximal von 6 bis 22 Uhr vorgesehen. Der Betreiber hat die Option zur „Anpassung oder Verlagerung der Arbeitszeit“ bei veränderten Marktsituationen beantragt. Diese Öffnungsklausel lehnt die Kommune ab.

Ferner soll der Betrieb stärker in die Pflicht genommen werden, dass es keine Lärmbelästigung oberhalb der gesetzlichen Grenzwerte gibt. Bei andauernder Trockenheit wird die Wasserbenetzung der Fahrwege gefordert. Nachteilige Auswirkungen für die Landwirtschaft werden durch die Wasserentnahmemengen von 120 Kubikmeter am Tag gesehen. Das Wasser kommt vom Brunnen bei Rimbeck.

Das Kieswerk plant unterdessen eine Erweiterung der Abbaustätte in Richtung Osten um zunächst 2,5 Hektar. Eine Optionsfläche um ein Vielfaches aber reicht bis nahe an den neuen Betonspurenweg von der Kreisstraße nach Bühne heran.

Knapp sieben Hektar des Kieswerks, in dem Teil, wo vor über 30 Jahren die Ursprünge lagen, ist in der Rekultivierung als Fläche für den Naturschutz. Im einem ersten Schlammbecken ist bereits ein Feuchtbiotop hergestellt, das der Natur überlassen wird. In einem zweiten Teich soll das noch erfolgen. Außerdem ist eine Ersatzmaßnahme am Kleinen Fallstein vorgesehen.