Halberstadt l Um die Zukunft des Klubhaus-Grundstücks ging es während eines Bürgergesprächs, zu dem die Stadt Halberstadt ins Rathaus eingeladen hatte. Die seit über 20 Jahren verwaiste Ruine des in den 1970er Jahren erbauten Hauses soll abgerissen und das Areal neu bebaut werden. Dafür will die Kommune den gültigen Bebauungsplan ändern. Ein Schritt, der die Beteiligung der Bürger verlangt. Die Halberstädter hatten somit Gelegenheit, Bedenken und Wünsche direkt einzubringen. Das Angebot nahmen allerdings nur wenige Bürger an. Lediglich etwa ein Drittel der ohnehin wegen Corona auf nur 70 Sitzplätze reduzierten Kapazität waren besetzt.

Der Plan des Investors, dessen Namen die Stadtverwaltung nach wie vor geheim hält, ist dabei unter den Bürgern teils sehr umstritten. In der Kritik steht außerdem, dass die Kommune immer noch den Mantel des Schweigens über den Investor ausbreitet. Das spiegelte sich auch in den Meinungsäußerungen wider. „Wir sollen hier unsere Meinung zu einem Projekt sagen und wissen gar nicht, wer dahinter steht“, zeigte sich eine Frau verärgert.

Jörg Essigke wies daraufhin, dass das vorliegende Konzept angesichts des Klimawandels und der Auswirkungen der Corona-Krise nicht zeitgemäß sei. „Das Konsumverhalten der Menschen hat sich verändert und ich gehe davon aus, dass sich die Zahl der Discountmärkte reduzieren wird. Außerdem passt das geplante Gebäude dort nicht hin.“ Er schlug vor, das Areal nach dem Abriss des Klubhauses als grüne Zone für mehr Lebensqualität zu entwickeln. „Ein so die Stadt prägendes Objekt ohne Architekturausschreibung ausführen zu lassen, macht außerdem fassungslos. Wieder ein Mosaikstein mehr im Bild der Politikverdrossenheit unserer Bürger“, so Jörg Essigke.

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Wütend über Discounter-Ansiedlung

Wütend ist Katrin Bienek, dass die Stadt die Ansiedlung eines großen Discountmarktes im Neubau befürwortet. Sie betreibt in direkter Nachbarschaft einen Edeka-Markt und sieht einen Teil ihrer 82 Arbeitsplätze durch die Konkurrenz gefährdet. „Ich frage mich, warum die Stadt Discounter fördert, die nur wieder Leerstand produzieren. Anscheinend ist die Geldnot der Stadt noch nicht groß genug, wenn sie auf meine Gewerbesteuern verzichten kann. Im Gegensatz zu den Discountern zahlen wir hier direkt Steuern.“ In anderen Städten würde das bedeutend besser laufen. Warum legt man auf der Fläche keinen Parkplatz für das benachbarte Theater an, den gebe es bis heute nicht, so die Marktinhaberin.

Andere Teilnehmer des Bürgergesprächs äußerten Bedenken, dass sich angesichts der Lage des Grundstücks an einer vielbefahrenen Kreuzung und des dort herrschenden Verkehrslärms für die geplanten Wohnungen überhaupt Mieter finden. Hartmut Schieler wies darauf hin, wenn im neuen Gebäude Wohnungen für betreutes Wohnen entstehen sollen, dann müsse die vielbefahrene Friedenstraße eine 30-km/h-Zone werden, sonst funktioniere das nicht.