Halberstadt l Ein Schandfleck soll Platz machen für etwas Neues. Und es wird Zeit, dass die Ruine des einstigen Klubhauses Halberstadt aus dem Bild der Kreisstadt verschwindet. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verfällt das einst stolze Haus der Kultur. Jetzt kommt Bewegung in die Zukunft des Standortes direkt an der Ortsdurchfahrt der B 81, zeigt sich Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) zuversichtlich.

„Zu sehr ins Detail kann ich noch nicht gehen. Aber wir haben einen einheimischen Investor, der sich vorstellen kann, an der Stelle etwas zu machen. Einen Namen kann ich noch nicht nennen“, bestätigt Andreas Henke. Es hätten bereits Sondierungsgespräche stattgefunden, in denen man über eine mögliche Nutzung des Standortes und über finanzielle Dinge gesprochen habe.

Derzeit kursiert in der Stadt ein Gerücht, dass nach dem Abriss des Klubhauses auf dem Grundstück ein weiterer Supermarkt entstehen soll.

Veranstaltungssaal soll entstehen

„Ich bin für Gerüchte nicht zuständig“, entgegnet Andreas Henke. Vor einigen Jahren gab es schon einmal ein derartiges Anliegen, anstelle des Klubhauses einen Markt hinzusetzen. Das verhinderte die Stadt damals mit der Begründung, dass man keinen weiteren Markt benötige, auf diesem Filet-Grundstück schon gar nicht. Ausdrücklich ausschließen, dass in einem möglichen Neubau womöglich Handel Einzug hält, will der Oberbürgermeister nicht. Im Frühjahr soll ein neues Einzelhandelskonzept für Halberstadt vorliegen. Es sei viel in den vergangenen Jahren in Bewegung gekommen, dem müsse man sich anpassen, so Andreas Henke. Vielleicht gebe es eine vielfältige Nutzung für ein neues Gebäude mit Handel, Gewerbe und Wohnungen. „Auf jeden Fall soll im Gebäude ein großer Veranstaltungs-Saal für die Kreisstadt entstehen, den es seit Schließung des Klubhauses nicht mehr gibt.“

Sorgen bereiten allen Beteiligten vor allem die Abrisskosten für das desolate Haus. „Abriss und Asbest-Entsorgung verschlingen eine enorme Summe. Die Kosten dafür belaufen sich nach ersten vorsichtigen Schätzungen auf etwa 300.000 bis 500.000 Euro“, so der Oberbürgermeister. Daher habe sich die Stadt Halberstadt entschlossen, beim Land Sachsen-Anhalt einen Fördermittelantrag für den Abriss des Klubhauses zu stellen. An anderer Stelle habe das in Halberstadt schon sehr gut funk­tioniert. Andreas Henke erinnert an den Abriss von mehreren hundert Plattenbau-Wohnungen in der Kreisstadt. Zuletzt in der ­Kühlinger Straße, wo anschließend die Lindenhofterrassen der HaWoGe entstanden sind.

Kaufsumme wird nicht genannt

Verhandlungen mit der Bank, der das Klubhaus gehört, hätten ebenfalls stattgefunden. Über die mögliche Kaufsumme schweigt Andreas Henke. „Die Bank ist dem Investor allerdings ein Stück entgegengekommen“, verrät er. Wenn der Investor bei der Stange bleibt, ist der Oberbürgermeister optimistisch, dass in absehbarer Zeit am Klubhaus-Standort etwas passiert.

Anfang der 1990er Jahre hatte der Landkreis Halberstadt das Klubhaus an einen Investor verkauft. Damit begann der Niedergang des Hauses. Die Vereinigte Volksbank Halberstadt, die den Besitzern einst den Kredit zum Kauf des Hauses gewährte, gab die Immobilie bereits vor Jahren an die BAG Bankaktiengesellschaft weiter. Eine Art Badbank innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken, die sich um Problemkreditgeschäfte kümmert. Die Eigentümer haben dann 2002 beim Amtsgericht Magdeburg einen Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren ist am 21.?Oktober 2009 mangels Masse eingestellt worden.