Halberstadt l Aktuell steht die Ameos-Gruppe vor allem mit Negativ-Schlagzeilen zu Lohnverhandlungen und Streiks im Fokus der Öffentlichkeit. Doch zumindest für den Halberstädter Klinik-Standort gibt es auch Positives zu vermelden: Das Unternehmen rüstet in Sachen Notfallversorgung auf.

So ist für 4,4 Millionen Euro ein Anbau an die Notaufnahme geplant. „Die Realisierung erfolgt in den nächsten 24 Monaten“, berichtet Krankenhausdirektor Frank Kühl. „Gerade sind die Architekten mit den letzten Planungen beschäftigt.“ Errichtet werden soll der Gebäudetrakt neben der schon bestehenden Notaufnahme. Ein Durchgang wird beide verbinden.

Schockraum ist fertig

Bereits fertiggestellt ist die Umgestaltung eines Schockraums in der Notaufnahme. Dafür wurden, laut Frank Kühl, rund 40.000 Euro investiert. Dieses Zimmer ist die Schnittstelle zwischen Rettungswagen oder -hubschrauber und Krankenhaus.

Acht und mehr Personen – Ärzte, Schwestern, Rettungskräfte – kümmern sich hier auf wenigen Quadratmetern um Patienten in höchster Lebensgefahr, wie Oberarzt Andreas Meyer-Wernecke erläutert. Darum sei es wichtig, dass jedes Gerät, jede Spritze und jeder Tupfer immer an der gleichen Stelle zu finden sei. Farbige Markierungen sowie große Buchstaben auf dem Boden und den Schränken zeigen an, wo was hingehört.

Teamwork

Das Team müsse zusammenarbeiten wie Zahnräder in einem Uhrwerk, viel Zeit für lange Erklärungen und Absprachen bleibe nicht. „Fünf Minuten ohne Durchblutung ist die maximale Zeit, ohne dass Hirnschäden entstehen“, erläutert der Arzt.

Mit einer Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und das Gehirn mit Sauerstoff versorgt werden. Dank einer neuen Anschaffung des Ameos-Klinikums müssen diese die Retter jetzt nicht mehr manuell ausführen. Das Life-Band, auch Auto-Pulse-Gerät, nimmt den Medizinern und Sanitätern diese Aufgabe ab. Sie können sich derweil um andere Aufgaben kümmern, erläutert Meyer-Wernecke. Nicht der einzige Vorteil: „Eine Herzdruckmassage ist anstrengend, menschliche Helfer erschöpfen, die Maschine nicht.“

Gerät schafft Entlastung für Sanitäter

Die zwei Schleifen werden wie ein Gürtel um den Brustkorb des Patienten gelegt. Sie passen sich automatisch dem Körper an – ob der Patient nun 40 oder 240 Kilogramm wiegt. Das Life-Band übe regelmäßigen, kontinuierlichen Druck auf den Brustkorb des Patienten aus. Betrieben wird es mit einem Akku, der 45 Minuten lang hält. Drei Akkus sind vorhanden.

„Ein weitere Vorteil ist, dass problemlos Untersuchungen am Patienten vorgenommen werden können, während er das Life-Band trägt. Das ist erheblich schwieriger, wenn ein Mensch die Reanimation vornimmt“, berichtet der Mediziner. Vom Eintreffen der Rettungskräfte bis zur Einlieferung ins Herzkatheterlabor können die Patienten mit dem Life-Band durchgängig mit der Herzdruckmassage versorgt werden.

Zwei bis drei Einsätze pro Woche

Zwei- bis dreimal in der Woche werde das Gerät in Halberstadt im Einsatz sein, schätzt der Mediziner. Meist werde wegen Kammerflimmern eine Reanimation notwendig. Untersuchungen haben gezeigt, berichtet Meyer-Wernecke, dass dank des Life-Bandes die Sterblichkeitsrate infolge von Herzinfarkten und deren Folgeerscheinungen sinke.

Die ist laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Deutschland grundsätzlich in den letzten Jahren gesunken – auch dank Neuerungen in der Medizin. Seit 1990 starben in Deutschland noch 85.625 Menschen an einem Herzinfarkt, 2015 waren es laut DGK 49.210. Meyer-Wernecke und seine Kollegen sind sich sicher, dass dank des Auto-Pulse-Geräts noch mehr Menschen gerettet werden können. Mit einem vergleichbaren Apparat, dass auf der Intensiv-Station des Klinikums seit 2016 genutzt wird, habe man schon sehr gute Erfahrungen gemacht, informiert Prof. Dr. Klaus Begall, der Ärztliche Direktor.

Polizei bringt Life-Band zum Einsatzort

Von dem neuen 14.000-Euro-Gerät profitiert nicht nur das Ameos-Klinikum, sondern auch Einsatzkräfte in Rettungswagen. „Die Angehörigen oder diejenigen, die den Patienten finden, beschreiben schon beim Notruf, welche Situation vorliegt“, so Meyer-Wernecke. Werde dabei deutlich, dass das Life-Band benötigt wird, wird dieses von einer Streife der Polizei aus dem Klinikum abgeholt und zum Einsatzort gebracht. Aktuell laufen Schulungen, bei denen die Rettungskräfte den Umgang mit dem Band lernen.

Die Mitarbeiter des Rettungsdienstes wiederum informieren die Ärzte und Schwestern des Krankenhauses bereits von unterwegs über den Zustand des Patienten und erfolgte Behandlungen. Dies geschieht mittlerweile digital und ist so im Klinikum auf großen Leinwänden abrufbar.

Isolierung

Wie mit dem Anbau der neuen Notaufnahme entspricht das Ameos-Klinikum auch mit der engeren Verzahnung zwischen Notaufnahme, Rettungsdienst und hausinternen Ärzten neuen gesetzlichen Bestimmungen, erläutert Begall.

Wie er weiter informiert, gibt es zudem einen neuen Raum in der schon bestehenden Notaufnahme. In diesem können Patienten, bei denen ein Verdacht auf schwere Infektionskrankheiten – zum Beispiel der Corona-Infektionen – besteht, isoliert von den anderen untergebracht und erstversorgt werden. Für die Patienten im Wartebereich bestehe somit keine Gefahr, sich anzustecken.

Zudem, so ergänzt Krankenhausdirektor Frank Kühl, wurden sechs neue Tragen – breiter als die normalen – im Gesamtwert von 30.000 Euro angeschafft sowie eine weitere für den Hubschrauber-Transport. Diese habe 10.000 Euro gekostet.