Halberstadt l Noch ist gut zu tun. Die Mitarbeiter von Michael Herrmann sind zurzeit auf einigen Baustellen zu finden, in Wolfsburg und Braunschweig, aber auch im Harzkreis und in Halberstadt. Thomas Kullmann und Josefin Bohnhagen richten zurzeit eine leerstehende Wohnung für die Halberstädter Wohnungsgesellschaft her – neuer Fußboden, frische Farbe überall. „Wenn eine Wohnung leer ist, ist es natürlich einfacher für uns“, sagt Firmenchef Michael Herrmann. Mindestabstände einzuhalten, ist leichter, auch die Arbeitsabläufe gehen schneller vonstatten.

Die Teams, die über Land müssen, haben es da nicht leicht. „Wie will man im Auto den Mindestabstand einhalten?“, fragt Herrmann. Aber er hat rechtzeitig ausreichend Desinfesktionsmittel besorgt, die Mitarbeiter belehrt, und bei Kundenkontakt werden Mundmasken getragen. Wobei es bei denen langsam eng wird, wie der Halberstädter Unternehmer zugibt. „Wir brauchen die Masken ja nicht nur jetzt in der Corona-Krise, sondern auch aus Arbeitsschutzgründen, wenn geschliffen wird zum Beispiel.“ Weil alles, was auf den Markt kommt, verständlicher Weise ins Gesundheitswesen geht, freue es ihn besonders, dass die Mitarbeiter von Sebastian Disse zurzeit auswaschbare Mundmasken nähen, die Herrmann seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellen könne, wie er berichtet.

Doch die aktuelle Lage treibt den Firmenchef noch aus anderen Gründen um. Viele Privatkunden verschieben Aufträge, auch die Termine für Angebotserstellungen. Viele wollten sich erst später melden, aber wann, dass kann eben niemand sagen. Doch ohne Aufträge keine Arbeit und ohne Arbeit keine Einnahmen.

Deshalb unterstützt Michael Herrmann eine Aktion des Bundesverbandes Farbe, Gestaltung und Bautenschutz und hat sich mit einem Brief an die Politiker im Harzkreis gewandt. „Es ist gut, dass der Staat mit Kurzarbeiterregelungen und Finanzspritzen hilft, aber noch besser wäre es, wenn die öffentliche Hand das Geld investieren würde“, sagt Herrmann. So hätten Firmen Arbeit, die Kommunen Steuereinnahmen und endlich sanierte Schulen, Sportstätten oder Gehwege.

Doch dazu müssten die Kreistage und Kommunalparlamente Aufträge beschließen, und andererseits Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Sonst kämen die Aufträge für viele Unternehmen gerade im Bauhandwerk zu spät. „Es wäre gut, wenn die Akteure einfach mal pragmatische Lösungen finden, auch beschränkte Ausschreibungen nutzten oder auf Sondernutzungsgenehmigungen zum Beispiel für Gerüstbau verzichten würden. Solche Bürokratie erschwert einfach jede ehrliche Arbeit“, sagt Michael Herrmann. Und es wäre auch hilfreich, wenn die öffentlichen Auftraggeber der Empfehlung des Bundeswirtschaftsministeriums folgten und erbrachte Leistungen zeitnah bezahlten. „Sonst gibt es bald kaum noch Firmen im Baugewerbe“, so Herrmann.

Wie viele Handwerksfirmen die Krise überleben, ist unklar. Die Ungewissheit, wie lange das Kontaktverbot gilt, zerre an den Nerven, sagt Wulfhard Böker. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft unterstütze das Ansinnen der Maler und Lackierer-Innung. „Das ist komplett richtig und wird von uns auch unterstützt“, so Böker. Gerade die Forderung nach Bürokratieabbau sei mehr als sinnvoll, er bezweifle aber, dass die Politik sich da bewegen werde. Er nennt ein Beispiel: Ein Tischler aus dem Harzkreis ist mit Arbeiten in einer Schule in Wolmirstedt beauftragt. Darf die aber nicht ausführen, weil die Schule wegen der Corona-Epidemie geschlossen ist. Wobei die Arbeit schneller vonstatten gehen würde als im laufenden Unterrichtsbetrieb. Solche Haltung von Schulträgern sei nicht nachvollziehbar, so Böker.

Wulfhard Böker sagt aber auch, dass die Baubetriebe zurzeit in einem vergleichsweise günstigen Bereich tätig seien, noch schlimmer träfe es die Dienstleister, die direkten Kundenkontakt brauchen wie zum Beispiel die Friseure. „Hier ist der Umsatzeinbruch total. Von daher ist es gut, dass es staatliche Hilfen gibt.“