Langenstein/Halberstadt l Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für Langenstein. Die Gute: Die Abrissbrache Pastorenberg, auf der sich tausende Tonnen Abfall türmen, wird beräumt. Die Schlechte: Dort gibt es anschließend entgegen den ursprünglichen Planungen keine Wohnbebauung. Eine bittere Pille, die der Ortschaftsrat Langenstein für die seit Jahrzehnten geforderte Abfallentsorgung nun schlucken muss.

Die Kosten für die anstehende Beräumung sind in den zurückliegenden Jahren explodiert. Von anfangs 220.000 Euro auf stolze 730.000 Euro, die die Stadt Halberstadt beim Land Sachsen-Anhalt für die Beräumung des Pastorenbergs über ein Fördermittelprogramm beantragt hat. Nach amtlicher Schätzung müssen etwa 5000 Kubikmeter Betonbruch, 500 Kubikmeter Bauschutt, etwa 30 Kubikmeter Altholz und 200 Tonnen Asche entsorgt werden. Seit fast 30 Jahren ist das Grundstück, das an ein in den 1990er Jahren errichtetes Wohngebiet grenzt, verwaist. Die tonnenschweren Beton­trümmer sind Reste einer ehemaligen Putenfarm. Nach Besitzer­wechsel und einer Insolvenz erwarb die Kreisstadt 2015 das Areal.

Zurück zur Natur

Der nun eingeschlagene Förderweg hat allerdings einen Haken. Das Land fördert zwar 70 Prozent der Gesamtkosten (510.000 Euro), aber der Pastorenberg darf für zehn Jahre nicht bebaut werden. Er wird der Natur überlassen.

Für die Errichtung eines neuen Eigenheimbaugebietes wäre eine Tiefenberäumung der Fläche erforderlich gewesen. Die wäre um einiges teurer gekommen. Die Krux: Diesen Weg hätte das Land nur mit maximal 200.000 Euro gefördert. Angesichts der enormen Kosten einigten sich schließlich die Stadtverwaltung und der Ortschaftsrat auf die Fördervariante mit dem größten Zuschuss.

OB: Antrag auf Zuschuss wurde abgegeben

In den zurückliegenden Monaten hatte sich der Ton zwischen Stadtverwaltung Halberstadt und dem Ortschaftsrat Langenstein verschärft. Hintergrund dafür war die Aussage der Stadtverwaltung, dass die Kommune einen für die Beräumung erforderlichen Fördermittelantrag beim Landesverwaltungsamt eingereicht habe, obwohl das nachweislich nicht geschehen war. Während der jüngsten Tagung des Ortschaftsrates Langenstein informierte Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) persönlich über den derzeitigen Sachstand.

„Der Fördermittelantrag ist eingereicht. Ich habe im Landesverwaltungsamt nachgefragt, ob noch Fragen offen sind. Daraufhin sagte die zuständige Mitarbeiterin, dass ab Oktober mit dem Geld zu rechnen sei“, berichtete Andreas Henke. Ortsbürgermeister Holger Werkmeister (FDP) attestierte: „Der Antrag ist zwar schleppend, aber nun in guter Qualität abgegeben worden.“ Ebenso habe sich die Stadt nach Aussage von Andreas Henke um eine Fristverlängerung zur Beräumung des Areals bei der Landkreisverwaltung Harz gekümmert. Eigentlich hätte die Kreisstadt bis zum 31. Dezember 2020 handeln müssen, nachdem es bereits zwei Fristverlängerungen gab. „Der Landkreis hat jetzt den 31. Dezember 2021 als Datum festgelegt, an dem der Abfall entsorgt sein muss“, bestätigte der Oberbürgermeister. Nach seinen Worten sei vorgesehen, dass die Arbeiten im Frühjahr 2021 beginnen sollen.

Bauwillige stehen Schlange

Ein zentrales Anliegen des Ortschaftsrates Langenstein, die Erschließung eines neuen Eigenheimgebietes, wird damit nicht erfüllt. Ortsbürgermeister Holger Werkmeister mahnte in jüngster Vergangenheit immer wieder an, dass Interessenten in Langenstein Schlange stehen würden und man vor mehr als zehn Jahren das letzte freie Baugrundstück verkauft habe.

Bewegung kommt allerdings in ein benachbartes Grundstück auf dem Pastorenberg, das ebenfalls einst zur Putenfarm gehörte und sich in Privatbesitz befindet. Nach dem Abriss der alten Ställe könnten dort bereits ab Ende 2021 etwa 13 Grundstücke für den Eigenheimbau vermarktet werden, hieß es während der Ortschaftsratstagung.