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Streit um Leerzug eines PlattenbausMieter in Halberstadt blockieren Abriss von Wohnhaus

Ein Vermieter dreht Halberstädter Familie, die als einzige noch in einen für den Abbruch freigegebenen Wohnblock ausharrt, Wärme- und Warmwasserversorgung ab.

Von Jörg Endries 07.02.2024, 10:07
Ein WGH-Wohnblock in der Halberstädter Juri-Gagarin-Straße ist direkt vor der Nase der Familie Boenigk, die als letzte Mieter das Gebäude dahinter bewohnen (links oben), breits abgerissen worden.
Ein WGH-Wohnblock in der Halberstädter Juri-Gagarin-Straße ist direkt vor der Nase der Familie Boenigk, die als letzte Mieter das Gebäude dahinter bewohnen (links oben), breits abgerissen worden. Foto: Jörg Endries

Halberstadt. - Das Wohnhaus Juri-Gagarin Straße 17 hat seine besten Jahre lange hinter sich. Der Eigentümer, die Wohnungsbau Genossenschaft Halberstadt (WGH), hat den Plattenbau aus den 1970er Jahren, der für den Abriss freigegeben ist, sukzessiv leergezogen. Dennoch kann der Abbruch nicht wie geplant beginnen. Eine der insgesamt 40 Wohnungen ist immer noch bewohnt. Dirk Boenigk wohnt mit seiner Familie im obersten Stockwerk des Hauses und hat sich dort regelrecht verschanzt. Die Eingangstür ist verschlossen und wird nur für Bekannte geöffnet, im Treppenhaus überwacht eine Kamera den Eingang.

Dirk Boenigk wollte verhindern, dass sein Vermieter, die WGH, Tatsachen schafft und die Versorgung mit Wasser, Wärme und Strom unterbricht. Darum wacht er seit über einem Jahr mit Argusaugen über den Zugang zum Wohnhaus. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass die Wohnungsbau Genossenschaft den Auftrag zum Abstellen der Wärme- und Warmwasserversorgung erteilen und ausführen ließ.

„Ich bin stinksauer. wie die WGH mit uns hier umgeht. Zwei Heizlüfter sorgen jetzt dafür, dass es in unserer Wohnung nicht zu kalt wird. Ich hoffe, dass wir so schnell nicht wieder strengen Frost bekommen. Gott sei Dank haben wir noch Strom, sonst würde es düster aussehen“, sagt der Halberstädter. Gegenüber hat bereits der Abriss des anderen Wohnblocks begonnen. Es ist laut und staubig. Die Familie lässt sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen.

Seit über einem Jahr wehren sich Boenigks gegen den Auszug. Dirk Boenigk begründete damals seine Haltung mit fehlenden Alternativen, die für ihn auch bezahl- und zumutbar sind. In den zurückliegenden Monaten hat sich jedoch etwas getan, berichtet er.

„Wir haben eine neue Wohnung gefunden, sogar nicht weit weg vom jetzigen Wohnstandort“, so der Halberstädter. Auch ein Plattenbau, der sich gerade in der Sanierung befindet. Er sagt, dass die Familie in etwa zwei Monaten umziehen könne. Um diese Zeit habe er die WGH gebeten. Dort würde man sich allerdings stur stellen. „Sie boten uns zwar eine andere Wohnung für die Zwischenzeit an. Wir wollen aber nicht in so kurzer Zeit zweimal umziehen“, begründet Dirk Boenigk seine Absage. Im vergangenen Jahr habe die WGH der Familie zwei weitere Wohnungen in der Wilhelm-Trautewein-Straße angeboten. Trotz des immer näher rückenden Abrisses und der ausgesprochenen Kündigung habe sich die Familie dagegen ausgesprochen. „Das Wohnumfeld hat uns nicht gefallen.“

Dirk Boenigk hofft nun auf eine Gerichtsentscheidung. Er habe die WGH verklagt, dass sie die Wärme- und Warmwasserversorgung für seine Wohnung wieder anstellen muss. „Ich hoffe auf eine schnelle Entscheidung, es ist Winter.“

Der Vorstand der Wohnungsbau Genossenschaft Halberstadt will sich zum Streit nicht äußern. Es handele sich um eine gerichtliche Auseinandersetzung, zu der man sich derzeit nicht äußern wolle, hieß es auf Volksstimme-Nachfrage.

Das Halberstädter Tageblatt berichtete Anfang Mai 2023 über den Fall an der Juri-Gagarin-Straße.
Das Halberstädter Tageblatt berichtete Anfang Mai 2023 über den Fall an der Juri-Gagarin-Straße.
Screenshot: Volksstimme vom 4. Mai 2023, Seite 13