Halberstadt l Michael Stödter kann ein trauriges Lied davon singen. Immer wieder muss der Halberstädter Müll von den Gräbern seiner Angehörigen räumen. „Die Friedhofsverwaltung hat jetzt die Abfallkörbe versetzt, das hilft ein bisschen“, sagt er. Aber eben nur ein bisschen. Manchmal ist es kräftiger Wind, der Plastiktüten und ähnliches aus den offenen Drahtbehältern weht. Meist aber sind Füchse daran schuld. „Ich habe hier schon Plastikpackungen für Hackfleisch gefunden“, sagt Stödter. Immer mal wieder fragt er sich, warum er sich bei der Grabgestaltung Mühe gibt, wenn andere sich so pietätlos auf dem Friedhof verhalten. Ihn trifft diese Achtlosigkeit sehr.

„Die Füchse setzen sich hier an den gedeckten Tisch“, bestätigt Hannelore Lorenz. Seit Jahren nehme ein mehr als unerfreuliches Phänomen zu, berichtet die Friedhofsleiterin. „Viele Besucher bringen offenkundig ihren Hausmüll mit und entsorgen ihn hier.“

Ein Verhalten, dass nicht nur bei Hannelore Lorenz Kopfschütteln auslöst. Es sorgt für mehr Arbeit für die Mitarbeiter und für Entsetzen bei Hinterbliebenen. „Wir haben neue Körbe bestellt, damit die Füchse die Tüten mit Kartoffelschalen oder Obstreste nicht mehr so leicht aus den Behältern ziehen können“, berichtet Lorenz.

Besserung durch neue Abfallkörbe?

Die neuen Abfallkörbe sollen Lochblech-Wände haben, da ist das Herausziehen schwerer als bei den weitmaschigen Drahtgeflechtwürfeln, die jetzt überall auf dem Friedhof stehen. „Aber oben offen müssen sie schon sein, damit die Angehörigen Kränze und Co. weiterhin gut in die Behälter bekommen“, sagt Lorenz. Von oben haben Füchse und Waschbären also auch dann noch „Zutritt“ an die gedeckten Tische. „Wirklich helfen würde es, wenn niemand mehr seinen Müll hier entsorgen würde“, so Lorenz. Zehn Tonnen nicht verrottbarer Abfall kommen jedes Jahr auf dem Friedhof zusammen, leider sei der Anteil an Hausmüll vergleichsweise groß. Mengenmäßig extra erfasst werde er nicht.

Jeden Morgen gehe sie über das Gelände und sehe nach, fast immer muss sie Müll aufsammeln, der quer über die Fläche verstreut ist. Auch sie berichtet von Fleischverpackungen, die in den Abfallbehältnissen landen. Aufgeschnittene Saftkartons, Milchpacks, in Plastiktüten gesammelte Küchenabfälle gehören ebenso zu dem fast täglich zu findenden Hausmüll wie Weinflaschen oder Rasiercremetuben. Selbst Windeln sind darunter. Und nicht immer die für Babys.

Selten wird ein Hausmüll­entsorger erwischt, überwachen lasse sich das weitläufige Gelände kaum. Und jedem Besucher hinterhergehen könne das Mitarbeiterteam ja auch nicht, so die Friedhofsleiterin.

Fuchspopulation auf Friedhof wächst

Die Fuchspopulation habe deutlich zugenommen, so ihr Eindruck, und jetzt, wo die Füchse ihre Welpen versorgen müssen, nutzen die Tiere die „Angebote“ der Menschen natürlich besonders gern. Sie sind auch tagsüber auf dem Gelände zu sehen, suchen trotz des Risikos nach Futter. Ein beliebtes Ziel für die Füchse sind auch die Grabkerzen, berichtet Lorenz. Oft liegen die Plastik­umhüllungen der Kerzen völlig zersplittert auf den Wiesen. Zu Anfang hatte sie gedacht, die Rasenmäher hätten Kerzen erwischt, dann sah sie, wie ein Fuchs eine fast leere Grabkerze von einem Grab wegschleppte. „Ein Jäger hat mir bestätigt, dass die Füchse das Paraffin fressen. Sie zerbeißen die Hüllen und schlecken die regelrecht aus.“

Lorenz bestätigt, dass auf dem Areal nicht nur Waschbären und Füchse heimisch sind, auch Rehe sorgen durch ihren Appetit auf bestimmte Blumensorten für Ärger bei den Hinterbliebenen. Das Problem in den Griff zu bekommen, gestalte sich schwierig. Immer wieder werden Zäune beschädigt, die das Gelände umgeben, so gelangen immer wieder Tiere aus der Feldflur auf den Friedhof. „Wir versuchen verschiedene Vergrämungsmethoden“, berichtet Lorenz, „auch ein Jäger ist ab und zu hier im Einsatz, wenn es zu schlimm wird.“