Wernigerode/Braunlage l Eigentlich hätte die alljährliche Pflanzung junger Buchen im Nationalpark Harz bereits auf vollen Touren laufen sollen. „Die Saison wird diesmal aber erst später beginnen“, sagt Friedhart Knolle. Als Grund nennt der Sprecher die extrem lange Dürrezeit, die auch im Schutzgebiet ihre Spuren hinterlassen hat.

60.000 Containerpflanzen

Jetzt im Oktober kann nun endlich begonnen werden, die mit Wurzelballen angelieferten gut 60.000 Containerpflanzen in den Boden zu bringen. Dies ermöglicht es, bereits vor dem Laubabfall zur Tat zu schreiten. Knolle: „Die kleinen Buchen stammen aus Saatgut, das im Nationalparkrevier Scharfen-stein geerntet wurde. Sie wurden dann in einer Baumschule aufgezogen.“

Inklusive der 60.000 Eigengewächse sollen in diesem Herbst voraussichtlich etwa 550.000 dieser Baum-Zwerge gesetzt werden. Neben den eigenen Fachleuten werden dabei Schülerinnen und Schüler aus dem Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle der Nationalpark-Verwaltung eingesetzt.

Friedhart Knolle: „Die kleinen Buchen sollen sich zu Samenbäumen für zukünftige Waldgenerationen entwickeln.“ Das ist eine Voraussetzung, um diese heimische Art wieder in größerem Umfang zurückzubringen.

Netze für Saatgut ausgelegt

Im Revier Scharfenstein sind übrigens derzeit erneut Netze ausgelegt, um unter den alten Buchen im Sandtal Saatgut zu gewinnen. Die daraus gezogenen Pflanzen werden dann ab Herbst 2020 eingesetzt.

Das geschieht wie immer in der Naturentwicklungszone. In ihr befinden sich Areale, die sich in der Folge von schonenden Projekten zur Waldentwicklung unbeeinflusst zu Naturdynamikzonen weiterentwickeln können. Deren Anteil am Gesamtgebiet des Schutzgebietes beträgt nach Angaben des Sprechers 38,5 Prozent.

Er erläutert: „Die Naturdynamikzone enthält Flächen, die sich bereits in einem vom Menschen nicht oder wenig tangierten Zustand befinden.“ International werden solche wertvollen Refugien in der Regel als Kernzonen bezeichnet. Im Nationalpark Harz erstreckt sich diese auf 60,3 Prozent, wo keine Eingriffe mehr stattfinden. Dennoch werden in einem Randbereich zu benachbarten Forsten zum Schutz der dortigen Wirtschaftswälder die Borkenkäfer bekämpft. Knolle: „Das ist auch angesichts der aktuellen Klimaentwicklung örtlich sehr wichtig.“

Als Nutzungszonen sind kulturhistorisch bedeutsame Areale wie Bergwiesen- und -heiden sowie Schwermetallrasen beziehungsweise die touristischen Erholungsgebiete ausgewiesen. Hier werden langfristig auf weniger als einem Prozent des Nationalpark-Territoriums Pflegearbeiten wie die Mahd von Wiesen ausgeführt. 0,5 Prozent des Schutzgebietes besteht aus Wasserflächen.

Friedhart Knolle: „Die internationalen Naturschutzregeln legen fest, dass Entwicklungsnationalparke nach circa 30 Jahren auf mindestens 75 Prozent der Fläche die natürliche Entwicklung des Ökosystems gewährleisten sollen.“ Hier finden dann keine Pflegearbeiten und Nutzungen mehr statt. Ganz im Sinne der eigenen Leitlinie „Natur Natur sein lassen“. Dieses Ziel wird 2022 erreicht sein, so der Sprecher.