Langenstein/Magdeburg l Den Start ins neue Jahr 2020 hatte sich Lutz Knigge aus Langenstein wahrlich anders vorgestellt. Gleich am 2. Januar – und damit unmittelbar nach dem Freischalten der bundesweit einheitlichen 24-Stunden-Notruf-Nummer für den allgemein- und fachärztlichen Bereitschaftsdienst – benötigte der 68-Jährige eine augenmedizinische Notfallbehandlung. „Dabei musste ich schon beim Versuch, den Bereitschafts-Augenarzt für den Harzbereich in Erfahrung zu bringen, resigniert aufgeben“, berichtet der Langensteiner. Er habe mehrfach in der Warteschleife der Notruf-Nummer 116 117 gehangen, aber nie das Ziel erreicht und schließlich entnervt aufgegeben. „Ich habe am 2. Januar eine wahre Odyssee erlebt“, so Knigge am Lesertelefon der Volksstimme.

Für den 68-Jährigen begann das Drama schon am Morgen. Augenschmerzen, wahrscheinlich ausgelöst von einer Entzündung. „Leider hatte meine bekannte Praxis Urlaub. Auf dem dortigen Anrufbeantworter erhielt ich den Hinweis auf die Service-Rufnummer 116 117.“ Nach „mehrmaligen Versuchen zu unterschiedlichen Tageszeiten und endlosen Warteschleifen dort versuchte ich, mein Problem über die Rettungsleitstelle zu lösen. Leider ebenfalls ohne Erfolg. Auch das Ärztehaus in Halberstadt und das Ameos-Klinikum konnten mir keine Auskunft geben“, schildert Lutz Knigge den Marathonlauf mit dem einzigen Ziel, Namen, Adresse sowie Sprechzeit und Rufnummer des Bereitschafts-Augenarztes in Erfahrung zu bringen.

Noch vor wenigen Wochen hätte für dieses Ansinnen der Blick in die Zeitung gereicht. In der Volksstimme wurden täglich die diensthabenden Ärzte publiziert – samt Rufnummer und Sprechzeit. Zuletzt fand sich dort die Service-Rufnummer der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) – und nun eben nur noch der Hinweis auf besagte Zentralnummer 116 117.

Keine Infos in Telefon-Warteschleife

Auch die Volksstimme versuchte dort am Freitag, 3. Januar, testweise ihr Glück. Ebenfalls ohne Erfolg. Es gab zwar nette Musik, aber keinerlei orientierende Hinweise auf die Restwartezeit oder beispielsweise die aktuelle Nummer in der telefonischen Warteschlange. Wie lange also scheinbar erfolglos warten, bis man irgendwann aufgibt?

Auch in der Leitstelle Fehlanzeige: „Wir haben die Daten der Augenärzte nicht mehr, das läuft alles zentral über die 116 117 – und dort ist die Hölle los“, so ein Leitstellen-Mitarbeiter. Lediglich für Zahnärzte und Tiermediziner seien die Sprechzeiten in der Harzer Leitstelle noch bekannt, weil deren Bereitschaftsdienste auf Kreisebene organisiert würden.

Soll heißen: Die Schilderung von Lutz Knigge ist plausibel. Der 68-Jährige erinnerte sich in seiner Not schließlich an eine Notfallbehandlung, die er vor Jahren in Österreich erlebt hatte. In den dortigen Kliniken – schnell und reibungslos. „Da erinnerte ich mich an die Unikliniken in Halle und Magdeburg“, so Knigge. „Weil ich nicht weiter wusste, wollte ich mich in die Augenklinik der Uniklinik Magdeburg einweisen. Dort erhielt ich den Hinweis auf die Notärzte im Medico-Zentrum Magdeburg, die von 18 bis 23 Uhr Sprechzeiten hatten. Also fuhr ich nach Magdeburg und hatte nach einem abendlichen Ausflug Erfolg.“

Rückkehr aus Magdeburg gegen 21.30 Uhr

Letztlich, resümiert Lutz Knigge, sei der Versuch, an einem Wochentag den Bereitschafts-Augenarzt ausfindig zu machen, in ein tagfüllendes „Abenteuer“ gemündet. Start gegen 8 Uhr, Zieleinlauf mit der Rückkehr von der Augenärztin aus Magdeburg gegen 21.30 Uhr.

KVSA-Sprecherin Janine Krausnick berichtet von aktuell sehr vielen Anrufern unter der 116 117. Je nach Anruflage könne es auch schon mal zehn Minuten dauern, eine halbe Stunde später könnten die Mitarbeiter wieder direkt erreichbar sein. Neu sei die 24-stündige Erreichbarkeit. „Wir werden die Entwicklung des Anrufaufkommens beobachten und bei Bedarf nachsteuern.“ Allerdings würden sich Wartezeiten nicht generell ausschließen lassen.

Herr Knigge, so ihr Rat, sollte künftig gleich die 116 117 anrufen, dort etwas warten und sich dann gleich an den diensthabenden Augenarzt vermitteln lassen können. „Wenn ich denn überhaupt soweit gekommen wäre“, entgegnet Knigge kopfschüttelnd.