Halberstadt/Quedlinburg l Am Montag, 11. Januar, sollen im Harzer Corona-Impfzentrum in Quedlinburg die ersten individuellen Immunisierungen starten. Das haben der logistische Chefplaner Immo Kramer und Manuel Slawig, Sprecher der Kreisverwaltung, am Freitag, 8. Januar, angekündigt. Hintergrund für die bisherige Zurückhaltung bei individuellen Impfungen im Harzkreis sei schlichtweg der Fakt, dass seitens des Landes noch nicht genügend Impfstoff geliefert werde, so Kramer. Das sei ein Problem, bestätigt auch Landrat Thomas Balcerowski: „Das Serum ist im Moment noch knapp und wir wollen unbedingt vermeiden, dass hochbetagte Senioren nach Quedlinburg kommen und es dann irgendwo klemmt oder nicht reicht“, so der CDU-Politiker.

Wie eng – sowohl mengen- als auch zeitmäßig – rund um die Covid-19-Impfungen aktuell alles ist, wurde am Freitag deutlich: Am Vormittag wartete Immo Kramer nach eigenen Worten auf die Lieferung von rund 600 tiefgekühlten Ampullen. „Diese sind uns für 15 Uhr angekündigt. Und erst wenn die Ampullen hier bei uns im Tiefkühler liegen, können und werden wir erste Impftermine zur individuellen Vergabe freischalten“, so Kramer gegen 11 Uhr.

Fünfeinhalb Stunden später – gegen 16.30 Uhr – sah die Situation laut Kramer dann so aus: Gegen 15 Uhr war die ersehnte Impfstofflieferung eingetroffen, gegen 15.45 Uhr wurde die Terminvergabe für die am Montag geplanten 50 Immunisierungen scharf geschaltet – „nach gut zehn Minuten waren alle Termine weg“, so der Amtsleiter der Kreisverwaltung. Was nur einen Schluss zulässt: Der Zuspruch für den raren Impfstoff ist enorm und die Terminvergabe gleicht einem Windhundrennen.

Lieferung reicht für 3000 Covid-19-Impfungen

Aus jenen 600 gelieferten Ampullen ließen sich nach der vorgeschriebenen Verdünnung um den Faktor fünf insgesamt 3000 Covid-19-Impfungen gewinnen. Aber nicht alle Dosen würden sofort verabreicht. „Von dieser Gesamtmenge bleiben grundsätzlich 50 Prozent tiefgefroren als Reserve in unserem Depot, um die zweite Impfdosis nach 21 Tagen abzusichern“, so Kramer. Hier wolle man nach den Vorgaben des Landes Sachsen-Anhalt auf Nummer sicher gehen. Laut Serumhersteller greift erst nach zwei Immunisierungen der volle Schutz.

Derweil gibt es unter den Harzern auch immer mehr Fragen rund um die logistischen Abläufe bis hin zur Vergabe der Impftermine, die zwingende Voraussetzung sind, um überhaupt bedacht zu werden. Die Termine, so Kramer und Slawig, würden ausschließlich über die Rufnummer 116 117 sowie ein Internetportal vergeben.

Dort allerdings klemmt es nach Angaben zahlreicher Nutzer. Die Telefon-Hotline, über die auch die Vermittlung von Facharztterminen erfolgt, sei überlastet, heißt es immer wieder. Via Internet scheint es besser zu funktionieren. Allerdings stoßen hier viele Senioren – bislang werden ausschließlich über 80-Jährige sowie medizinisches und pflegendes Personal geimpft – schnell an ihre Grenzen. Wichtig: Um die Impfberechtigung zu belegen, ist ein neustelliger Code nötig, nur dann funktioniert die Terminvergabe. Jene Codes vergeben laut Kramer entweder die Hausärzte oder die Impfwilligen generieren sie mittels Fragenkatalog im Internet selbst.

Nur zwei von 50 Terminen am Telefon vergeben

„Es ist kompliziert und ich höre nur Kritik und Klagen“, berichtet Landrat Balcerowski. Das bestätigt Kramer: Zwei der 50 Montag-Termine seien via Telefon-Hotline vergeben worden, die übrigen via Internet.

Die 50 Senioren, die am Montag an die Reihe kommen, werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Sie sollten für die Kontrolle der Nachweise sowie Beratung, Impfung und Nachbeobachtung etwa eine halbe Stunde Zeit einplanen, so Behördensprecher Slawig.

Mobile Teams in Pflegeheimen unterwegs

Nach Kramers Angaben sollen am Mittwoch, 13. Januar, mindestens 25 weitere individuelle Impfungen in Quedlinburg folgen. Das Gros des aktuell vorhandenen Impfstoffs werde weiter mit mobilen Teams in Pflegeheimen sowie Kliniken verabreicht – daher die Differenz zwischen der Gesamtmenge und der individuell bereitgestellten. „Eigentlich wollten wir im Impfzentrum erst starten, wenn mehr Serum verfügbar ist, aber das Land hat Druck gemacht, dass es auch dort losgeht“, so Kramer.

Er und auch Landrat Balcerowski wissen, dass viele Senioren liebe heute als morgen an der Reihe wären. Gleichwohl ist die Botschaft der beiden klar: Wir können nicht zaubern, also bitte noch etwas Geduld.