Handy-App

PassGo-App aus dem Harz soll Corona-Impfnachweis mitliefern

Im Landkreis Harz ist die PassGo-App bereits Türöffner in Gaststätten und Friseursalons nach negativem Corona-Test. Nun soll ihr Angebot erweitert werden.

Von Sabine Scholz
Mit der Erweiterung der ePassGo-App sind mehr Öffnungsstrategien vorstellbar, um aus der Dauerschleife geschlossener Läden und Restaurants im Harz herauszukommen. Das Quadrat mit den Informationen öffnet sozusagen Türen.
Mit der Erweiterung der ePassGo-App sind mehr Öffnungsstrategien vorstellbar, um aus der Dauerschleife geschlossener Läden und Restaurants im Harz herauszukommen. Das Quadrat mit den Informationen öffnet sozusagen Türen. Foto: Sandra Reulecke

Halberstadt

Der Begriff PassGo-App hat sich im Landkreis Harz etabliert. An vielen Testzentren geht es schneller voran, hat man diese App auf dem Smartphone. Für den Nutzer absolut einfach zu handhaben und kostenlos. Nun soll die inzwischen ePassGo heißende Anwendung noch mehr Informationen übermitteln können.

„Wir sind dabei, die App so zu erweitern, dass auch die Impfnachweise und die Aussage, dass man von einer Covid-19-Erkrankung genesen ist, digital übermittelt werden kann. Mit entsprechenden Zeitfenstern“, sagt Andreas Richter. Der 54-Jährige weiß, dass ein positiver PCR-Test auf das neue Coronavirus vom November schon jetzt nicht mehr die Anforderungen an den Begriff „genesen“ erfüllt. Weil dieser Fakt laut Bundesverordnung nur für ein halbes Jahr gilt.

Tischgenaue Erfassung hilft Gesundheitsämtern

Andreas Richter ist seit vergangenem Herbst dabei, eine digitale Antwort auf drängende Fragen im Corona-Alltag zu finden. Der Halberstädter ist schon seit November unterwegs und wirbt für das Konzept der App aus dem Harz. „Uns war von Anfang an klar, dass es mit reiner Kontakterfassung in Gaststätten und Co. nicht getan ist.“ Das sei zu Beginn die große Anforderung gewesen, um die Zettelwirtschaft bei Gastronomen, Händlern und Kultureinrichtungen zu ersetzen. Nur, Gesundheitsämter entlaste es eben nicht gerade, wenn ein Infizierter ein Café besucht, in dem sich 200 Menschen aufhalten. „Dann ist nur erfasst, dass der als Corona-positiv Getestete oder Erkrankte mit so vielen Menschen in einem Raum war.“

Deshalb hat das Entwicklerteam der ePassGo-App Wert darauf gelegt, tischgenau zu erfassen. „Dann muss das Gesundheitsamt im Fall der Fälle vier Leute kontaktieren und nicht 199.“ Dass der Wirt auch seine Speisekarte ins System eingeben kann und der Gast somit keine Papier- oder Plastikvariante der Karte mehr anfassen muss, sondern in seinem Smartphone lesen kann, ist ein weiteres durchdachtes Detail der Anwendung.

102 Wirte und Händler nehmen bei PassGo teil

Inzwischen nutzten das mehr und mehr Wirte und Händler, wie die steigende Zahl der seit Februar einmal in der Woche angebotenen Webinare für die Nutzer der Einlasspunkt-App belegen. „Spitze waren vor kurzem 102 Teilnehmer“, berichtet Andreas Richter.

Zum Konzept der App gehörte von Anfang an auch, Testergebnisse erfassen zu können und somit zum digitalen Türöffner zu werden. Deshalb wurde gleich zu Beginn ein Test- und Einlasssystem entwickelt und nicht nur die Kontaktdatenerfassung.

„Nie wieder schließen“ braucht Unterstützer

„Wir müssen mit dem Virus leben, deshalb braucht es Strategien, die ein normales Leben ermöglichen - trotz höherer Inzidenzwerte.“ Unter dem Slogan „Nie wieder schließen“, könnte es ein Ampelsystem geben. Gestaffelt nach bestimmten Inzidenzen könnte grün, gelb und rot ausgewiesen werden. „Grün hieße dann, wir müssen nichts tun. Gelb würde die Notwendigkeit der Kontaktnachverfolgung bedeuten und Rot: Zugang zu Friseur, Restaurant, Kino und Co. geht nur mit negativem Testergebnis und Kontaktnachverfolgung.“

Damit würde das Auf und Ab von Schließung und Öffnung umgangen und auch Händler, Dienstleister, Gastwirte müssten nur schauen, was gerade aktuell erforderlich ist. „Das würde allen das Leben erleichtern“, ist der Halberstädter überzeugt. Doch leider, so sagt Andreas Richter, werde die Idee von der Politik kaum aufgegriffen. Eine Erfahrung, die der umtriebige Unternehmer aber schon des Öfteren gemacht hat.

Erweiterung noch vor Pfingsten

Da aktuell vollständig geimpfte oder von einer nicht länger als ein halbes Jahr zurückliegenden Covid-Erkrankung genesene Menschen auch ohne tagaktuellen Corona-Test Zugang zu Friseur und möglichen anderen, bald wieder geöffneten Einrichtungen haben, soll bis kommende Woche die Erweiterung der App abgeschlossen sein. Dass der Termin vor den Pfingstfeiertagen liege, freue ihn besonders. Das kirchliche Fest stellt für den Familienvater die Nächstenliebe in den Mittelpunkt.

„Wie bei den Teststationen ist es uns wichtig, dass die Gesundheitsämter bei der Impf-Erweiterung ebenfalls wieder mit im Boot sind“, sagt der Unternehmer, der auch Fachkraft für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ist. Diese Audits, also eine Art Zulassung, gibt es in allen rund 150 Teststationen in Deutschland, die bislang mit der ePassGo-App arbeiten.

Die Zulassung durch die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte soll mit helfen, Fälschungen zu verhindern. Denn wie immer, wenn man schnell Geld verdienen kann, sind Betrüger unterwegs. Sie verkaufen für 300 Euro einen echten gelben Impfausweis, in denen Stempel und zwei Klebchen eine vollständige Covid-19-Impfung suggerieren. Dass mit solchen Maschen Menschen gefährdet werden, interessiere Kriminelle nicht. Denn wer vorgibt, negativ getestet zu sein oder gar geimpft, und dann so das Coronavirus weitertrage, helfe mit, dass neue und gefährlichere Mutationen entstehen können.

Audit für die eingebenden Ärzte

Deshalb sollen die Gesundheitsämter per Audit eine Sicherungsebene einziehen. Nur Ärzte mit solch einer Zertifizierung können die Daten, dass eine Impfung erfolgt ist, in das System eingeben. Die App erzeugt dann auf dem Handy des Patienten einen QR-Code, ein Quadrat mit schwarzen und weißen Flächen, in denen die jeweiligen Informationen verschlüsselt sind. Natürlich habe man auch Sicherungsebenen, um eine Weitergabe des „Ich bin geimpft“-Codes zu verhindern. Zumindest am Einlass, wenn der Code ausgelesen wird, fliege der Schwindel auf.

In Deutschland haben einige Städte und Kreise die Lizenzen für die App erworben, der Nutzer kann sie kostenlos in seinem Appstore herunterladen.

Auch ohne Handy Nachweis möglich

„Wir haben eine komplett digitale Lösung entwickelt, die kein PDF- oder anderes Format mehr braucht, wie es leider so manche Kommune noch immer einfordert“, sagt Richter, „das stimmt mich etwas traurig.“

Doch nicht nur Verwaltungen sind manchmal altmodisch, es gibt auch viele Menschen, die kein Handy oder Smartphone besitzen. Ein Fakt, den Richter von Beginn an mit im Blick hatte, wie er berichtet. Immerhin seien 10,3 Millionen Menschen in Deutschland nicht mobil digital unterwegs. „Mein 83-jähriger Schwiegervater ermahnte mich, daran zu denken, dass auch er gerne mit Oma wieder Kaffeetrinken gehen möchte, aber kein Handy besitzt“, berichtet Andreas Richter.

Deshalb ermöglicht das ePassGo-System, sich bei der Teststation den QR-Code ausdrucken zu lassen, den man dann als Nachweis mitnehmen kann. Analog dazu soll das auch mit dem QR-Code nach der Impfung möglich sein. Der betreffende Mensch ohne Smartphone müsse dann zwar an den Zettel denken, aber nicht immer seinen Impfausweis dabei haben.

Harzer Landrat befürwortet die Erweiterung

Ein siebenköpfiges Team steckt hinter dem Projekt, das Halberstädter Wurzeln hat, inzwischen aber in einer neuen Firma in Nordrhein-Westfalen beheimatet ist. Auch, weil Armin Laschet „einer der ganz wenigen Ministerpräsidenten“ sei, „denen klar war, dass man nicht mit einer aggressiv beworbenen Lösung bereits funktionierende Systeme plattmachen sollte. Zumal, wenn sie von heimischen Firmen entwickelt wurden. Es gibt 30 Kontaktnachverfolgungsapps in Deutschland“, sagt Richter. Da nur auf eine einzige zu setzen, die nicht mal das können, was andere Anbieter längst mit eingearbeitet hätten, halte er für fragwürdig.

Landrat Thomas Balcerowski (CDU) ist froh, dass es ein Angebot gibt, dass so praxisorientiert entwickelt werde. Dass die Impfung/Genesung mit dem erforderlichen Zeitfenster von maximal einem halben Jahr – wie es bislang gesicherter Stand der Wissenschaft sei – erfasst werde, mache die Anwendung doppelt sinnvoll. Denn sobald der Kreis fünf Tage in Folge unter die 100er-Inzidenz sinke, darf die Außengastronomie ohne Genehmigung öffnen, können Ferienwohnungen angemietet werden, darf die Seilbahn Thale wieder fahren. „Wir wollen zudem beim Wirtschaftsministerium beantragen, touristische Einrichtungen im Außenbereich öffnen zu dürfen.“ Er denke zum Beispiel an die Hängebrücke an der Rappbodetalsperre oder Pullman-City. Chancen sehe er zudem für Saunen und Hallenbäder – mit strengen Hygiene- und Abstandsregeln sowie negativem Schnelltest. „Hier hat sich die App zehntausendfach bewährt.“

Sicher werde das gewünschte Audit für die Ärzte eine zusätzliche Herausforderung für das Gesundheitsamt. Aber davor schrecke man nicht zurück, so Balcerowski.