Halberstadt l Dieser Platz hat es ihm angetan. Hans-Jürgen Scholz hat eine Bürgerinitiative gegründet, die einen Gedenkstein für die Namensgeberin aufstellen will, regelmäßig ist er mit seinen Mitstreitern zum Frühjahrsputz aktiv am Käthe-Kollwitz-Platz. Ebenso regelmäßig fragt er in Ausschuss- und Stadtratssitzungen nach, ob nicht mehr Bänke – und vor allem Papierkörbe – aufgestellt werden könnten rund um das Rasengrün vor dem markanten Gebäude des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums.

Im Sommer ist er oft am Platz anzutreffen, selten zum Plausch mit anderen Anwohnern, oft mit Hacke und Harke. Er will helfen, die Beete in Ordnung zu halten. Das hat ihm jetzt eine Anzeige beschert. Eine Ordnungswidrigkeitsanzeige von der Stadt.

Engagement abstimmen

„Das kann ich nicht nachvollziehen“, empört sich der Rentner. „2017 bekomme ich sogar eine Sternfräse von der Abteilung Stadtgrün gestellt, um die Wege im Nordteil des Platzes zu pflegen, und jetzt das.“ Die Abteilung Stadtgrün wirft Scholz vor, auf dem 2018 neugestalteten Staudenbeet rund 300 Stiefmütterchen gepflanzt zu haben. Er habe die Arbeiten veranlasst und damit gegen Paragraf 3 der Grünflächenverordnung der Stadt verstoßen, „wonach es nicht gestattet ist, in den Grün- und Schmuckflächen die Anpflanzungen zu betreten oder zu beschädigen“, heißt es in dem amtlichen Schreiben. Für Scholz sind die Stauden „Schnittlauch“, ersetzten nicht das abgeschaffte Pflanzenrondell in der Rasenmitte. Die blühenden Stiefmütterchen verschönerten in seinen Augen das Areal deutlich mehr. Ihn ärgert, dass man ihn nicht einfach angerufen habe, man kenne ihn ja als Stadtrat. „Da investiert man Geld, Zeit und Arbeit und dann so etwas“.

„Natürlich freuen wir uns, wenn sich Bürger für ihre Stadt engagieren“, sagt Timo Günther, „aber das sollte in Abstimmung mit uns erfolgen.“ Bei dem Stadtjustiziar war Scholz zur Anhörung geladen, die zu dem Ordnungswidrigkeitenverfahren gehört. Scholz befriedigt diese Auskunft nicht, er findet das Vorgehen der Stadtverwaltung nach wie vor überheblich.

Problem

„Das Problem ist, dass die Anpflanzung der Stauden abgestimmt ist mit dem Landesamt für Denkmalschutz. Da kann nicht einfach etwas zur Seite geschoben oder weggenommen werden, um eigene Pflanzen zu setzen“, erklärt Günther. Da es wohl im Vorfeld ein paar Unstimmigkeiten gab, habe man nun auf diesen Fakt ganz offiziell hingewiesen. „Als Verwaltung müssen wir schlicht auch unser Handeln dokumentieren, unabhängig vom Ansehen der Person“, so Günther. Das ist jetzt abschließend geschehen. Scholz, der auf eine Stellungnahme verzichtete und nur die Pflichtangaben machte, bekam noch einen Brief. Der bestätigt den Verstoß, aber es wird auf eine kostenpflichtige Verwarnung verzichtet. Die Stiefmütterchen werden beim nächsten Pflegegang Mitte Juni entfernt.