Zwei Maler machen mit Ausstellung auf Verlust des Ausstellungs- und Kommunikationszentrums aufmerksam

Potenzial der Galerie am Kunsthof wird nicht genutzt

Von Sabine Scholz

Halberstadt l "Wir sind die letzten der Mohikaner", sagt Holger Haase. Gemeinsam mit Uta Liebrich und Jérôme Mikulla nutzt er noch Räume im kaum beheizbaren Vorderhaus der Voigtei 48 als Atelier. Für drei Tage haben die beiden Männer Arbeiten der vergangenen zwei Jahre an die Wände in der Galerie am Kunsthof gehängt. Großformatige Bilder sind es vor allem, Akte, Abstraktes. In einem Nebenraum hängt ein Bild, das den Mediziner Kehr bei einer Operation zeigt. Das Bild hat Holger Haase nach einem Foto gemalt, das über viele Jahrzehnte in der Praxis von Dr. Sauerbrey in Zilly hing. Zeitgeschichte in Kunst gegossen.

Über das rege Interesse am Eröffnungsabend freuen sich die beiden Halberstädter Künstler, bestätigt es sie doch in ihrem Anliegen, die Galerie wieder in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Die Stadt habe kein Interesse an dieser einst sehr lebendigen Kernzelle moderner Kunst und Kultur in Halberstadt. "Kurz bevor hier die Lichter ausgingen, hatte sich die Galerie auch als Veranstaltungsort für Kleinkünstler wie Kabarettisten und Musiker etabliert", erinnert Mikulla. "Wir hatten Topleute hier, Künstler mit internationalem Ansehen. Aber es sollte nicht sein. So etwas werde nicht gebraucht, hieß es."

"Jammerschade, dass so ein Potenzial verkümmert", ergänzt Holger Haase. Er weiß um die Finanznot der Stadt, kennt die Argumente. "Mit bildender Kunst allein kann man die Galerie nicht halten, das haben die gescheiterten Versuche des Vereins ja gezeigt. Aber wenn man es auch von Seiten der Stadt gar nicht will, ist es doppelt schade. Eine Kreisstadt und keine Galerie - schon ungewöhnlich." In anderen Städten der Region genieße moderne Kunst einen anderen Stellenwert berichtet Haase, der seit Jahrzehnten beruflich in Wernigerode zuhause ist.

Dennoch, die beiden Maler wollen nicht aufgeben. "Wenn die Resonanz so bleibt, werden wir im Frühjahr die Aktion wiederholen. Jetzt war alles recht spontan, auch wenn die Idee selbst uns schon längere Zeit umtreibt", sagt Jérôme Mikulla.