Halberstadt l Sonne flutet den großen Platz, der zwei bedeutende Kirchen verbindet. Zu Füßen des gotischen Doms steht ein silbrig glänzendes Fahrzeug. Die gerundete, glänzende Aluminiumkarosse zeigt: hier steht ein Airstream. Doch der us-amerikanische Wohnmobilklassiker bietet keiner Familie Platz. Die aufgestellte Klappe gibt den Blick frei auf eine Profiküche.

Vor dem polierten Hingucker stehen zwei Stehtische auf Kunstrasen und ein festlich gedeckter Tisch mit riesigem Kerzenleuchter und vier Stühlen. „Damit Sie sehen, was wir anbieten wollen“, sagt Jens Ganso und winkt René Mittag heran, der sich ein bisschen abseits hält. Die beiden Halberstädter Gastronomen wollen den Domplatz in einen Dinnerplatz verwandeln. „Für einen Abend“, sagt Ganso. Am 24. August soll ab 18 Uhr das Flair des weitläufigen Areals mit gotischem Dom, romanischer Liebfrauenkirche, barocken Kurien und moderner Architektur einem Open-Air-Restaurant einen ganz besonderen Reiz verleihen.

Idee gärte schon länger

Für Jens Ganso ist es ein bisschen wie ein Heimspiel. „Ich bin als Kind hier aufgewachsen, wir haben alles erkundet“, berichtet er. Der Domplatz 8 war sein Zuhause, bis die Bibliothek in dem Gebäude untergebracht wurde und Gansos umziehen mussten. Ob Kindheitserinnerungen einen Anteil daran haben, dass die Idee der Spaghetti-Oper auf dem Domplatz entstand, kann Ganso nicht sagen. Beliebig gewählt ist der Platz hingegen nicht. Sowohl Jens Ganso als auch René Mittag schwärmen von dem Umfeld, das allerdings meist wenig belebt ist.

Die Idee, hier etwas Besonderes zu veranstalten, gärte schon länger, berichtet René Mittag. Und beim traditionellen Austernessen zum Silvesterfrühstück der beiden Gastronomen wurde aus der Idee ein konkreter Plan. „Ich hatte ja ohnehin vor, mir einen Airstream zuzulegen“, sagt Ganso, „und René wollte mal was auf dem Domplatz machen. Da lag es nahe, dass wir hier gemeinsam aktiv werden.“

Italienisch

Nun also laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ein Termin musste gefunden, die erforderlichen Genehmigungen eingeholt, Karten gedruckt werden. Zum geplanten Drei-Gänge-Menü will René Mittag noch nicht allzuviel verraten. Nur soviel sagt er, dass es wie in seinem Restaurant Da Capo natürlich ein mediterran geprägtes Essen sein wird. Und weil der Name Programm ist, wird er wohl nicht nur ita­lienische Kräuter einsetzen, sondern auch etwas mit Pasta zaubern zum Braten, der ihm vorschwebt.

Platz nehmen werden die Gäste der Spaghetti-Oper auf echtem Rasen, rund 200 Quadratmeter Rollrasen werden den Boden bedecken. „Dann können die Gäste auch mit nackten Füßen ins Gras, das ist ja auch so ein spezieller Sommergenuss“, sagt René Mittag. Den Rollrasen wollen die beiden nach dem Dinner spenden. Die Klärung, wo die Rollrasenfläche dann liegen wird, laufen derzeit, sagt Ute Lüddecke vom Kulturamt der Stadt. Sie ist wie Christiane Strohschneider von der Halberstadt-Information und Nancy Schönknecht vom Stadtmarketing zum Pressetermin gekommen.

Tourismuschefin Strohschneider bietet spontan an, ein Kartenkontigent über das Info-Büro zu verkaufen. „Und im nächsten Jahr reden wir rechtzeitiger“, sagt sie. „Dann können wir gemeinsam dieses neue kulinarische Angebot vermarkten.“ Sie freut sich darüber, dass zwei Leistungsanbieter hier etwas Neues auf die Beine stellen. „Das ist es doch, was wir uns als Touristiker wünschen, dass die Akteure vor Ort Ideen entwickeln und Angebote schaffen“, sagt Strohschneider. Deshalb unterstützt sie auch die Werbung für die Spaghetti-Oper.

Positive Resonanz

Das künstlerische Programm stehe noch nicht ganz fest, berichtet Jens Ganso. „Wir haben verschiedene Optionen, doch jetzt in der Urlaubszeit ist es etwas schwieriger, alles zu koordinieren.“ Es wird Gesang geben und Klaviermusik, da sind sich Ganso und Mittag einig, und die Musik bekommt eine eigene Pagode, also einen etwas formschöneren Pavillon als Wetterschutz. „Drei Pagoden werden wir auf jeden Fall aufbauen“, sagt Ganso, „in eine soll auch eine Bar. Damit die Gäste nicht nur ein frisch im Airstream zubereitetes Menü genießen, sondern den Sommerabend auch bei netten Gesprächen ausklingen lassen können.“

Sollte es das Wetter wider Erwarten nicht ganz so sommerlich werden, sitzen die Gäste im Trockenen, verspricht der umtriebige Unternehmer. „Dann stellen wir mehr Pavillons auf, die sich auch an den Seiten schließen lassen. Das entspricht dann zwar nicht ganz unserem Ansinnen, aber stattfinden wird das Dinner auf jeden Fall.“

Positive Reaktionen

Erste Reservierungen gibt es bereits. „Die Reaktionen bislang sind durchweg positiv.“ Ein Fakt, den Christiane Strohschneider nicht überrascht. „Wenn wir unsere Stadtspaziergänge mit kulinarischen Angeboten verbinden, ist das Interesse gleich deutlich größer, dabei mal mitzumachen.“ Ein stilvolles Abendessen auf dem Domplatz, auch wenn es nicht gerade billig ist, ist schon ein ganz besonderes Angebot. Das, wenn es ankommt, nächstes Jahr wiederholt werden soll.