Osterwieck l „Man erkennt ja einige Kinder nicht wieder“, staunte Kristin Birla-Denecke, die Rektorin der Grundschule Sonnenklee, am Freitagabend während der ersten von zwei Aufführungen des Zirkusprogramms vor Eltern, Geschwistern und Großeltern. Damit meinte sie weniger die Verkleidungen der rund 160 Grundschüler, als vielmehr deren Leistungen. Nach nur zwei Übungsvormittagen und einer Generalprobe waren sie bereit für die beiden Vorstellungen. Als Artisten, Dompteure, Magier, Clowns und mehr.

Zirkusdirektor Andreas Bleßmann hatte dem Publikum zu Beginn der kurzweiligen Stunden nicht zuviel versprochen. „Welches Kind träumt nicht davon, einmal im Leben ein Star in der Manege zu sein. Wir erfüllen diesen Traum. Sie werden staunen, was ihre Kinder in nur zwei Tagen geschafft haben.“

Eigene Wünsche berücksichtigt

Dabei konnte sich jedes Kind nach seinen eigenen Wünschen und Talenten einbringen. Im UV-Licht wurden bunte Tücher geschwungen. Die Clown-Gruppe brachte das Publikum mehrfach zum Lachen. Mut bewies der kleine Luis, der sich in eine enge Kiste einsperren ließ, in die seine Mitschüler lange Metallschwerter steckten. Er kam unversehrt aus der Kiste.

Bilder

Kein Drahtseilakt war die Übung auf dem Stahlseil. Wenngleich das Publikum sah, dass das Balancieren trotz Hilfestellung der Trainer keinesfalls leicht war.

Fakirshow nicht zum Nachmachen

Mit Futter fängt man beziehungsweise dressiert man auch Hühner. Auch das lernten die Kinder in nur zwei Tagen – ohne Berührungsängste. Andreas Bleßmann berichtete am Rande, dass das bei Großstadtkindern mitunter schon etwas anders ist, weil sie oft keine lebendigen Hühner kennen.

„Bitte zu Hause nicht nachmachen!“, kündigte der Zirkusdirektor die Feuer- und Fakirshow an. Mutige Jungen stellten und legten sich auf ein Nagelbrett, das keine Attrappe war. Ein Trainer ließ die Nagelspitzen vorher von Zuschauern ertasten. Auf Glasscherben stellten und legten sich Kinder. Und Höhepunkt waren sicher die Feuerspucker und das „Spiel“ mit dem Feuer.

Zauberstücke zeigten Kinder, eine Reifenshow. Turnkunst demonstrierten elf Mädchen und Jungen am knapp zwei Meter hohen Trapez, obwohl sie zumindest im Sportunterricht noch nie am Reck geturnt hatten.

Die größte Gruppe mit rund 30 Kindern kam zum Schluss in die Manege. Die kleinen Akrobaten zeigten Pyramiden, Handstand, Brücken und ein Mädchen sogar einen Spagat.

Donnernder Applaus belohnten die kleinen Künstler. „Waren eure Kinder nicht toll!“, rief der Zirkusdirektor in die Manege.

Eine tolle Erfahrung

„Eine tolle Erfahrung“, wertete Schulrektorin Kristin Birla-Denecke dieses allererste Engagement eines Projektzirkusses in Osterwieck. „Wir werden uns anmelden für ein weiteres Projekt in vier Jahren, dann für die nächste Schülergeneration.“ Sie hegt die Hoffnung, dass diese Zirkustage lange nachwirken, für jeden Einzelnen und für das Zusammenleben in der Schule. Denn die einzelnen Gruppen waren allesamt gemischt mit Kindern von Klassenstufe eins bis vier.

Die Rektorin dankte nochmal den Sponsoren dieser Veranstaltung und den Eltern, die auch beim Auf- und Abbau des großen Zeltes halfen. „Beim Aufbau waren deutlich mehr als die erwarteten 24 Eltern dabei. Und das am Maifeiertag.“

Am Sonnabend ist der Projektzirkus Probst zehn Kilometer weitergezogen nach Hessen. Dort beginnt am heutigen Montag das Zirkusprojekt für die Kinder der Grundschule Aue-Fallstein. Mit sogar drei Vorstellungen, am morgigen Dienstag ab 17 Uhr sowie am Mittwoch ab 10 und 17 Uhr. Dort werden erneut Kinderträume wahr.