Halberstadt l Ein Presslufthammer erfüllt die Räume der Kindertagesstätte „Rappelkiste“ mit ohrenbetäubenden Lärm. Mädchen, Jungen und Erzieherinnen räumten bereits vor Monaten das sanierungsbedürftige Gebäude Hinter der großen Ringstraße. Das Cecilien­stift Halberstadt lässt das 1957 als Kindergarten der ehemaligen Deutschen Reichsbahn errichtete Haus fit für die Zukunft machen. Ein Schritt, der dringend erforderlich gewesen sei, betont Holger Thiele, Verwaltungs­direktor des Cecilienstifts Halberstadt. 1994 habe man das Haus übernommen.

Beim Entfernen des alten Putzes tauchte ein Problem auf, mit dem niemand gerechnet hat. Beim Bau des Gebäudes ist ein Mörtel mit einem sehr hohen Sandanteil verbaut worden, der bröselig ist. Sicher der damaligen Zeit geschuldet, in der gutes Baumaterial knapp war, vermutet der Bauleiter. Die Baukosten dürften dadurch nicht weiter in die Höhe getrieben werden, hoffen alle Beteiligten. Man habe gut mit einem finan­ziellen Puffer geplant, so Holger Thiele.

Viele Probleme

„Wir entschieden uns gegen eine Sanierung in kleinen Schritten. Am über 60 Jahre alten Gebäude gab es zu viele Probleme“, informiert Holger Thiele. Aufsteigende Feuchtigkeit habe der Bausubstanz seit vielen Jahren zugesetzt, der Putz bröselte an allen Ecken und Enden. Die Investition ist für die integra­tive Betreuungseinrichtung, die von 45 Kindern besucht wird, eine Zukunfts-Sicherung. Letztmalig ist 1999 eine Modernisierung erfolgt, jedoch keine unter dem Aspekt der Energieeinsparung. Und darauf ist der Schwerpunkt des Bauvorhabens gelegt worden, so der Verwaltungsdirektor. Man habe einen Fachplaner mit an Bord geholt, um die energe­tischen Richtlinien zu erreichen. Allein für die energetische Sanierung gab es vom Land Sachsen-Anhalt und der Europäischen Union eine Förderung in Höhe von 369.700 Euro und einen weiteren Zuschuss über knapp 53.000 Euro. Angesichts der enormen Kosten von insgesamt 1,072 Millionen Euro willkommenes Geld.

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„Neben unserem Eigenanteil von etwa 400.000 Euro erhielten wir ein auf zehn Jahre angelegtes zinsloses Förderdarlehen in Höhe von 181.000 Euro“, so Holger Thiele. Außerdem unterstützt die Aktion Mensch das Projekt mit einem Zuschuss, weil das Erdgeschoss der integrativen Kinderbetreuungs­einrichtung barrierefrei gestaltet wird. Dazu gehört die Verbreiterung der Türöffnungen auf einen Meter. Bis zu 20 behinderte Mädchen und Jungen werden betreut.

Dämmung und Sanitär

Zur Sanierung des Gebäudes gehört eine Wärmedämmung. Außerdem erhält das Haus neue Türen, Fenster und Sanitäranlagen, eine komplett neue Heizung und einen 80 Quadratmeter großen Anbau, der künftig auf der Gartenseite als Haupteingang genutzt wird und zusätzlichen Platz für die Garderobe bringt. Darüber hinaus werden Dach, Fußboden und die Decke des in die Jahre gekommenen Gebäudes gedämmt und ein moderner Blitzschutz sowie neue Beleuchtungen innen wie außen montiert. Die Planungen umfassen des Weiteren eine ganze Reihe notwendiger Umbauarbeiten an den Innenwänden und die Installation eines Wasser-Tretbeckens, denn die „Rappelkiste“ ist seit einigen Jahren anerkannte Kneipp-Kita. Bislang gab es so ein Becken nur im Außenbereich.

Holger Thiele rechnet im Frühjahr 2020 mit der Fertigstellung.