Rückkehrertag am 27. Dezember in Halberstadts Kulturbahnhof

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr findet am 27. Dezember der zweite Rückkehrertag des Landkreises Harz statt. Unter dem Motto „Zuhause im Harz“ hoffen die Veranstalter von 10 bis 13 Uhr im Halberstädter Bahnhof auf zahlreiche Besucher.

Der Tag wendet sich nicht nur an Menschen, die nach einer Zeit der Abwesenheit heimkehren wollen, sondern ebenso an Pendler und andere ‚Umorientierer‘.

Aufgrund des großen Besucher­andrangs im vergangenen Jahr sowie dem Wunsch nach mehr Platz, besseren Parkmöglichkeiten, einer Garderobe und Barrierefreiheit findet der Tag diesmal nicht im Wernigeröder Rathaus, sondern im Halberstädter Kulturbahnhof statt.

Um alles zu zeigen, was der Landkreis zu bieten hat, werden neben zahlreichen Unternehmen aus dem gesamten Harz auch verschiedene Kommunen vor Ort sein. Schließlich gehe es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um viele andere Aspekte, die zu einer guten Lebensqualität gehören.

Das Konzept des Rückkehrertages ist seit Jahren bundesweit erfolgreich, im Harz ist es nun die zweite Auflage dieses Angebots.

Dass der Rückkehrertag überall in Deutschland am 27. Dezember stattfindet, ist ganz bewusst gewählt, da viele Menschen über Weihnachten nach Hause kommen – und häufig feststellen, wie schön es doch in der alten Heimat ist. Ziel, der als Messe angelegten Veranstaltung ist es, den Landkreis Harz als attraktiven Arbeits- und Lebensraum zu präsentieren, Informationen zu liefern – und so zum Nachdenken anzuregen.

Auch wenn die Entscheidung, wieder in die Heimat zurückzukehren, meistens eher ein langfristiger Prozess ist, kann mittels des Rückkehrertages vielleicht zumindest der Grundstein für derartige Überlegungen gelegt werden, heißt es von Seiten der Organisatoren.

Halberstadt l Manchmal vermisst sie ihn schon, den Ruf des Muezzins. Immerhin hat sie der Ruf zum Gebet viele Jahre tagtäglich begleitet. „Und die Menschen, die vermisse ich ganz dolle. Ich habe tolle Leute dort kennengelernt“, schwärmt Barbara Splitthoff. Bereut sie ihre Entscheidung, vom Persischen Golf nach Halberstadt zurückgekehrt zu sein? „Auf gar keinen Fall“, sagt sie. Zwar sei die Wärme in Katar und Dubai schon angenehmer als der nasskalte deutsche Spätherbst, aber das Leben in einer kleinen Stadt bietet viele Vorteile. „Einer ist, dass ich jetzt gut Familie und Beruf unter einen Hut bekomme. Und mit den Kindern einfach mal schnell draußen im Grünen zu sein, ist unbezahlbar“, sagt die Halberstädterin, die nicht nur in Katar und Dubai lebte, sondern längere Zeit auch in Berlin daheim war.

Chancen genutzt

Die kleine Stadt, in der sie 1976 das Licht der Welt erblickte, ist trotz der vielen guten Erfahrungen am Persischen Golf ihr Zuhause geblieben. „Immer, wenn ich im Urlaub nach Halberstadt kam und die Türme gesehen habe, wusste ich, ich bin daheim“, sagt sie. Dieses besondere Gefühl ist immer geblieben.

Abi, Lehre, Studium

Nach dem Abitur, das sie 1995 ablegte, verschlug es sie in den Schwarzwald, sie lernte in einem Freiburger Verlag nicht nur, was man als Verlagskauffrau wissen muss. „Ich war die erste Ostdeutsche, denen die Mitarbeiter dort begegneten und ich war eine junge Frau inmitten einer Männerdomäne“, erinnert sich Barbara Splitthoff. Sie habe viel gelernt und ihr wurde Verantwortung übertragen, aber irgendwann wuchs der Wunsch, besser zu verstehen, wie das ganze System funktioniert. Sie ist ein Mensch, der gerne unabhängig ist. Um Abhängigkeiten zu vermeiden, ist es besser zu wissen, innerhalb welcher Strukturen man sich bewegt, sagt die Mutter zweier kleiner Kinder. Also entschloss sie sich, ein Jurastudium aufzunehmen, dazu kamen Unternehmensmanagement und Ostwissenschaften an der Uni in Regensburg.

Noch als Studentin begann sie für eine Firma zu arbeiten, baute die Rechtsabteilung dort mit auf. „Ich war als Werksstudentin auch bei Siemens tätig, schließlich musste ich mein Leben ja finanzieren“, sagt sie. Ihre Familie unterstützte sie, der Vater hatte sich nach der Wende selbständig gemacht und kämpfte ums Überleben der Firma.

Im Osten hatte kaum jemand eine ausreichend große Kapitaldecke, zahlten Auftraggeber nicht, bedeutete das für viele Firmen das Aus. Auch ihren Vater traf es hart. „Er musste Insolvenz anmelden“, sagt sie leise. Zwei Jahre später erlag er einem Herzinfarkt. „Zur Trauerfeier kamen 600 Leute“, fügt sie an, in sachlichem Tonfall. Ein bisschen klingt sie dennoch durch, die Bitterkeit. Barbara Splitthoff wechselt das Thema.

Etwas bewegen

Irgendwann musste sie entscheiden – Referendarzeit in Deutschland oder weitere Aufgaben in Dubai. Ihr Vater habe damals gesagt, dass sie so eine Chance nicht so schnell wieder bekäme. Also ging sie nach Dubai. Sie hat viele Innenansichten gewonnen, weiß, dass viele junge Frauen studieren und sich in der Geschäftswelt mehr und mehr Platz erobern. „Die Frauen sind an vielen Stellen sehr viel selbstbewusster als hier“, sagt sie. Sie selbst war in verantwortlichen Positionen tätig, leitete Mitarbeiterteams. Einmal, erzählt sie, habe ein indischer Geschäftspartner nicht mit ihr, sondern nur mit dem Ingenieur an ihrer Seite gesprochen. Als er dann auch noch unaktuelle Zahlen vorlegte, beendete sie das Treffen sofort – sie hatte eine aktuelle Marktanalyse erstellt. Kontakte zu pflegen, zahlt sich aus.

Netzwerke aufbauen

Kante zu zeigen, das hat sie gelernt, zielstrebig zu sein, ebenso. Irgendwann wechselte sie vom Angestelltenverhältnis in die berufliche Selbständigkeit, war für die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalts im arabischen Raum tätig. Den Kontakt zu den Menschen, die ihren Weg an anderen Orten der Welt begleitet haben, hält sie nach wie vor aufrecht. Netzwerke aufzubauen ist etwas, das sie nicht nur wichtig findet, sondern konsequent tut.

„Ich will etwas bewegen, die Unternehmen hier vor Ort unterstützen“, sagt Splitthoff. Weshalb sie in einer Phase der persönlichen Umorientierung dem Ruf ins Projekt Fachkraft im Fokus folgte. „Wir haben Strukturen, in denen jeder sehr selbstständig agieren kann. Ich habe das Gefühl, hier etwas bewegen, Ideen umsetzen zu können. Das ist ein gutes Gefühl.“