Halberstadt l Spitze Zungen sprechen schon vom „kleinen BER“ – in Halberstadt zieht sich die Sanierung der Diesterweg-Grundschule immer wieder in die Länge. Anders als beim Berliner Flughafen sind es „nur“ zwei Jahre, um die sich die geplante Wiedereröffnung der Schule verschiebt. Ein Trost für die betroffenen Schüler und Lehrer ist es nicht. Auch die Krippen- und Kindergartenkinder der Kita „Bummi“ warten sehnlichst auf einen Umzug in die neuen Räume.

Doch das soll nun frühestens im Sommer 2021 möglich sein. Wie die Stadtverwaltung am Donnerstagabend, 5. November, informierte, kann der noch im Juni avisierte Fertigstellungstermin Februar 2021 für die Diesterwegschule nicht gehalten werden. „Der Bauverzug ist seit Jahresbeginn bekannt und immer mehr angewachsen“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Der Grund dafür seien fehlende Bieter, Lieferschwierigkeiten und „allein sieben Aufhebungen bei 40 Ausschreibungen“. Aktuell müssten zwei sehr wichtige Gewerke erneut ausgeschrieben werden – Metallbauarbeiten für die Eingangsbereiche und für die Schließanlage. Auch für diese Arbeiten gab es bislang keine Angebote von Firmen.

Ein Fakt, den Michael Herrmann nur zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Der Halberstädter Christdemokrat ist Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses und mit seinem 60 Mitarbeiter beschäftigenden Malerunternehmen selbst in der Baubranche tätig. Sicher, es gebe inzwischen Branchen, in denen kaum noch Firmen verfügbar sind, und die, die noch existierten, suchten sich ihre Aufträge aus. Von daher überrasche es ihn nicht, dass es auf manche Ausschreibung keine Angebote gebe. Das sei nichts Neues und er frage sich, weshalb das Büro Kirchner + Przyborowski zwei Jahre brauche, um alle Leistungen auszuschreiben. „Dass man die Metallvordächer und die Schließanlage braucht, dass wusste man doch schon vor einem Jahr.“

CDU kritisiert Verzögerung und Teuerung

Er wolle nicht als Besserwisser dastehen, aber die CDU-Fraktion habe von Anfang an Kosten- und Zeitplanung für unrealistisch gehalten, so Herrman. Das Gebäude ist flächenmäßig riesig. Und nun komme scheibchenweise eine Verzögerung und eine Kostensteigerung nach der anderen ans Licht.

Das ursprünglich mit 5,5 Millionen Euro veranschlagte Bauprojekt wird nicht nur zwei Jahre später fertig als geplant, es wird auch rund zwei Millionen Euro teurer. Dazu hatte es Ende September eine Sondersitzung des Stadtrates gegeben. Immerhin muss die Stadt die zusätzlichen Kosten tragen, das Land hatte nur 3,1 Millionen Euro an Fördergeld zugesagt. Noch nicht benannt sind die Kosten für Gestaltung der Außenanlagen und die Möblierung der Schule, die von Anfang an nicht Bestandteil des Fördergeldantrags waren.

An reinen Baukosten erwarte die Stadt zunächst keine weiteren Erhöhungen, sagte Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) auf Nachfrage. Allerdings wisse man noch nicht, wie die Ergebnisse der noch offen Ausschreibungen ausfallen. Neben fehlenden Angeboten sei die Terminverschiebung auch dem Fakt geschuldet, dass erst jetzt mit den Arbeiten zur Gestaltung der Außenanlagen begonnen werden kann, so die Stadtverwaltung. Bei einem Schulbetrieb mit nicht fertiggestellten Außenanlagen könne ein gewisses Risiko für Schüler und Lehrer nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollen, Umzug und Eröffnung erst erfolgen, wenn das Gebäude uneingeschränkt nutzbar ist und ein ungefährdetes Betreten gewährleistet werden könne. Was wohl erst mit Schuljahresbeginn 2021/2022 der Fall sein dürfte.

Verwaltung hat Sicherheitsbedenken

„Hinter der Bauverzögerung stehen Gründe, die wir leider nicht beeinflussen können. Ich bedauere das sehr. Eine Option wäre gewesen, die Schule trotz nicht fertiggestellter Sporthalle und Außenanlage ans Netz zu bringen. Gerade Letzteres halte ich unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit für die Jüngsten für unverantwortlich. Deshalb die Entscheidung, eine Nutzung erst nach kompletter Fertigstellung freizugeben“, sagte Oberbürgermeister Andreas Henke.

Das sieht auch Michael Herrmann so. Er habe der Bauverwaltung zugeraten, zwar den Druck aufrecht zu erhalten, aber die Arbeiten ordentlich zu Ende zu bringen.

Er sei, so Herrmann, nachdem in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters die Terminverschiebung festgelegt worden sei, von Fachbereichsleiter Jens Klaus informiert und nach seiner Meinung gefragt worden. Das sei diesmal besser gelaufen als in den Vorjahren. Die Stadt hat laut Pressemitteilung auch Schulleitung, Elternvertreter und Förderverein vom Terminverzug in Kenntnis gesetzt.