Halberstadt l Sanierungsvorhaben in der Altstadt Halberstadts müssen nicht zwangsläufig mit der Rettung historischer Bausubstanz verbunden sein. Zumal, wenn es diese dort seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. Die Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) stellt sich seit 2010 einer anspruchsvollen Aufgabe und entwickelt zwischen Georgenstraße, Am Kulk und der Ochsenkopfstraße ein komplettes Wohnquartier neu. Der „Moritzplan“ ist ein Mix aus Sanierung vorhandener Gebäude aus den 1980er Jahren und attraktiven Neubauten. Ziel sei, den Standort zukunftsfähig zu gestalten, betont WGH-Vorstand Karl-Heinz Schönfeld.

Das Konzept lässt sich die Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt am Standort Altstadt einiges kosten. Nach Abschluss der Arbeiten, ­aller Wahrscheinlichkeit nach Ende 2020, wird das ­Unternehmen insgesamt etwa 14,6 Millionen Euro investiert haben.

Altbauten fit gemacht

„Angesichts des demografischen Wandels wollen wir die Innenstadt stärken. Dazu haben wir uns verpflichtet“, unterstreicht Karl-Heinz Schönfeld. Das Unternehmen folge damit dem Grundtenor des Stadtentwicklungskonzeptes. Das schreibt fest, dass Halberstadt nicht mehr an den Rändern wächst.

Aufgrund einer stetig schrumpfenden Einwohnerzahl gebe es zu viele Wohnungen in der Kreisstadt. Daher entlaste die WGH bei jedem Sanierungs- beziehungsweise Neubauprojekt den Wohnungsmarkt. Dies sei auch bei der Wohnanlage „Moritzplan“ der Fall.

Vor dem Start des Projektes habe es am Standort insgesamt 184 Wohnungen gegeben. Nach Abschluss werden es nur noch 94 sein. Was nicht bedeutet, dass auf dem Areal im Herzen der Altstadt Abrisslücken klaffen. Ganz im Gegenteil. Die WGH schließt sogar vorhandene. Mit Zauberei habe das nichts zu tun, sondern mit einem intelligenten Um- und Neubaukonzept, so der WGH-Vorstand.

Startschuss fiel 2010

Der Startschuss dafür ist bereits 2010 mit der grundhaften Sanierung vorhandener Wohnhäuser in der Georgenstraße gefallen. Die Gebäude aus den 1980er Jahren bekamen neue Wohnungs-Grundrisse, sechs Aufzüge wurden installiert, dadurch verringerte sich ohne Abriss der Wohnungsbestand. Hinter den neuen Fassaden entstanden nicht nur attraktivere Wohnungen. Die Häuser wurden energetisch modernisiert. Bedeutet, sie erhielten eine Dämmung, Solaranlagen, die Wärme und Strom produzieren, und damit die Energiekosten für die Bewohner senken.

Ganz ohne Abriss ging es jedoch nicht weiter. Das Eckhaus Georgenstraße 1, ebenfalls ein Plattenbau aus DDR-Tagen, musste weichen. Ebenso ein ­ruinöses Fachwerkhaus am Kulk 7, das seit über einem Jahrzehnt verwaist war und keine Zukunft hatte.

„Wir nahmen uns des Problems an. Die Stadt Halberstadt, der das Haus gehörte, sah keine Perspek­tive für die Immobilie und verkaufte es der WGH“, erinnert sich Karl-Heinz Schönfeld. Die ­nach dem Abriss entstandene Lücke schloss man mit dem Neubau Am Kulk 6/7.

Neubau rundet Wohnquartier ab

Derzeit arbeitet die WGH am nächsten Vorhaben, mit dem das Wohnquartier „Moritzplan“ abgerundet wird. Begonnen hat das ebenfalls mit der Entscheidung, zwei vorhandene über 30 Jahre alte Plattenbauten abzureißen. Bis vor etwa vier ­Jahren standen in der Kulk­straße 29/30 sowie in der benachbarten Ochsenkopfstraße zwei Gebäude mit insgesamt 73 Wohnungen. Wiederbebaut wird das Areal in der ­Kulkstraße mit einem Neubau. „Die Pläne sind fertig, die ­Baugenehmigung liegt vor, derzeit befinden wir uns in der Endphase der Ausschreibung“, informiert Karl-Heinz Schönfeld.

Die Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen in der Kulkstraße 29/30 sind 80 bis 100 Quadratmeter groß. Außerdem entstehen vier Penthouse-Wohnungen mit je etwa 100 Quadratmetern. Alle besitzen Balkone, Aufzüge erschließen die Etagen, das gesamte Gebäude wird mit erneuerbaren Energien versorgt. „Wohnungen sollen langfristig bezahlbar bleiben, dazu gehört für uns, Häuser zu errichten, die wenig Energie verbrauchen, beziehungsweise vorhandene mit Technik zur Nutzung erneuerbarer Energien auszustatten“, unterstreicht der Vorstand.

Mit der Fertigstellung des Neubaus Kulkstraße 29/30 wird 2020 gerechnet. Die ­Abriss­fläche an der ­benachbarten Ochsenkopfstraße bleibt hingegen unbebaut. Sie soll für die Nutzung als Anwohner-Parkplatz umgestaltet werden.