Halberstadt l Eine steile Karriere steht einem seit Jahrzehnten verwaisten Gebäude mitten in der Altstadt Halberstadts bevor – die Beförderung von der Ruine zum attraktiven Wohngebäude. Die Judenstraße 19 verwandelt sich in den kommenden Wochen in eine Baustelle. Der Halberstädter Unternehmer Frank Behrens hat sich des interessanten aber ­heruntergekommenen ­Hauses angenommen. Auf zwei Etagen entsteht ein Parkhaus, gekrönt von drei großzügig bemessenen Wohnungen samt imposanten Blick auf das historische Umfeld.

Zu den Schmuckstücken zählt der Backsteinbau in der unter Denkmalschutz stehenden Altstadt derzeit nicht. Das soll sich radikal ändern. Frank Behrens hat eine Vision von der Zukunft des Gebäudes, die es bisher nur auf Papier gibt, aber bis Mitte kommenden Jahres umgesetzt sein soll. Der Baukran steht bereits vor Ort. Wenn sich der Winter verzogen hat, will der Halberstädter grünes Licht für die aufwendigen Sanierung des ehemaligen Industriebaus, der nördlich an den Abtshof und südlich an die Judenstraße grenzt, geben. „Die Finanzierung steht. Jetzt kann es losgehen“. Mitte 2019 soll das Haus bezugsfertig sein“, sagt Frank Behrens. 1,2 Mil­lionen Euro investiert er in das Projekt.

Parkhaus und drei große Wohnungen

Die Bausubstanz des Gebäudes befinde sich trotz des langen Leerstands in einem recht ordentlichen Zustand, attestiert der Bauunternehmer. Der hallenartige massiv gebauten Keller und das Erdgeschoss sollen als Parkhaus ausgebaut werden. Platz für 25 Pkw-Stellplätze entsteht. Allerdings sind die öffentlich nicht zugänglich, schränkt Frank Behrens ein. Sie stehen den Bewohnern der Neubauten am benachbarten Abtshof und den künftigen Mietern der Judenstraße 19 zur Verfügung.

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Zwei großzügige Fünf-Raum-Wohnungen – 140 und 130 Quadratmeter groß – entstehen in der ersten Etage über dem Parkhaus. Beide haben außerdem eine jeweils 75 Quadratmeter umfassende Sonnenterrasse. „Platz dafür bekommt das Haus, weil die Fassade und die Decke aufgebrochen werden“, erklärt Frank Behrens. Damit erhalte man nicht nur Platz, die Wohnungen sind Licht durchflutet. Die letzte Etage birgt eine 130 Quadratmeter Vier-Raum-Wohnung plus großer Terrasse und Wintergarten. „Es ist ein Penthouse“, sagt der Halberstädter. Ein Fahrstuhl erschließt alle Geschosse barriere­frei.

Die Fassade zur Judenstraße behält die Backsteinoptik, sie wird instandgesetzt und herausgeputzt. Schmuckstück ist ein gläsernes Treppenhaus. „So behält das Gebäude den Charme eines Industriebaus. Die Nordfassade zum Abtshof wird hingegen geputzt“, informiert Frank Behrens.

Keine Hinweise zur Geschichte gefunden

Zur Geschichte des interessanten Baus gebe es nicht viel zu sagen, bedauert der Unternehmer. Selbst im Stadtarchiv sei nichts über Baujahr und einstiger Verwendung zu finden gewesen. Zu DDR-Zeiten habe ein Taxi-Unternehmen das Haus genutzt, und der Maschinenbau Teile eingelagert. Außerdem gibt es Hinweise, dass lange davor eine Gerberei ­beziehungsweise Brauerei ansässig gewesen sein sollen. „Belegbar ist das jedoch nicht.“

Für Frank Behrens geht mit diesem Projekt ein Traum in Erfüllung – die Vollendung des Abtshofes. Bis vor einigen Jahren noch eine hässliche Abrissbrache im Herzen der Altstadt, hat Behrens die über ­Jahrzehnte klaffende Wunde mit neuen Stadt- und Mehrfamilienhäusern gefüllt und damit das Areal zu neuem Leben erweckt.