Verbraucherzentrale empfiehlt, die Einladung einer Firma aus Meppen besser zu ignorieren

Schöner Ausflug entpuppt sich als Kaffeefahrt

Von Ingmar Mehlhose

"Sie sind ein Gewinner!" - Diese vermeintlich frohe Kunde hat in der ersten Märzwoche flächendeckend Bewohner des Harzkreises erreicht. Für die Verbraucherzentrale ist die Verheißung von Bargeld und diversen Geschenken aber nur eine geschickt gestaltete Einladung zu einer Kaffeefahrt.

Halberstadt l Die Firma Winter-Buchungsservice mit einer Postfachadresse im niedersächsischen Meppen möchte Harzern zu ihrem Glück verhelfen.

In der ersten Märzwoche finden deshalb viele von ihnen einen Brief in ihrem Postkasten. "Sie sind ein Gewinner!", steht dort zu lesen. Um 3000 Euro reicher sollen die Empfänger sein. Deshalb gibt es auch eine "persönliche Einladung zu einem schönen Tagesausflug". Bis zu drei Begleiter dürfen dazu mitgebracht werden. Bei der Übergabe des Hauptgewinnes winken außerdem "kostenlose und exklusive Leistungen der Sponsoren".

Nach dem ebenfalls gratis dargebotenen Frühstück "am extra festlich gedeckten Tisch" wartet eine Werksmesse mit Sektempfang nebst Führung und Showeinlagen. Alle Gäste erhalten "ein Überraschungsgeschenk im Wert von 149 Euro". Paare bekommen obendrein einen Video/DVD-Player überreicht. Doch damit nicht genug. Die Spender schütten weitere Prämien aus. Akku-Staubsauger, fünfteilige Messersets aus Titanium, elektrische Fondue Fritteusen und vieles andere mehr. Ein leckeres Mittagessen gibt es auch. Sämtliche Gaben kosten selbstverständlich keinen einzigen Cent. Die Auserwählten müssten jetzt nur noch die Antwortkarte zurückschicken.

"Es fehlt nur noch die Kontonummer."

Heidi Günther, Verbraucherberatung

Das sollten sie lieber bleiben lassen, ist Heidi Günther überzeugt. Die Beraterin in der Halberstädter Filiale der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat innerhalb von zwei Tagen gut 40 Anfragen aus dem gesamten Harzkreis zu der "Landeshauptstadt Magdeburg" getauften Aktion erhalten. "Zufällig" haben alle Ratsuchenden 3000 Euro in Bar eingeheimst. Und das, obwohl dieser Geldpreis laut Gewinnbenachrichtigung nur dreimal ausgelobt worden ist.

Solche Anschreiben sind nach den Erfahrungen der Verbraucherschützerin alltäglich. Dieses allerdings weist eine Besonderheit auf. Auf den Briefkopf sind handschriftliche Angaben des jeweiligen Empfängers kopiert. Heidi Günther: "Hier wird der Eindruck erweckt, ich bin das persönlich." Und: "Das unterscheidet sich von normalen Postwurfsendungen. Es suggeriert, endlich einmal etwas gewonnen zu haben."

Besagte Angaben stammen von der Teilnahme an einem Preisausschreiben. Die Beraterin: "Sonst haben sich die Leute so mit dem Datenschutz und da geben sie alles auf einer Postkarte an. Es fehlt nur noch die Kontonummer."

Auffällig an der Einladung ist aber noch mehr. So wird vom Veranstalter nur verraten, dass die Tour am Dienstag, dem 19. März, um 6.30 Uhr in Stiege starten soll. Weitere Stationen sind Hasselfelde, Hüttenrode, Blankenburg, Langenstein, Derenburg, Schachdorf Ströbeck, Halberstadt, Harsleben und Wegeleben. Wohin die Reise letztlich führt, ist nicht vermerkt. Heidi Günther: "Die Teilnehmer sitzen dann irgendwo in der Magdeburger Börde in einem Gasthaus." Sie haben sich ahnungslos auf eine Kaffeefahrt begeben. Die Halberstädterin: "Vier Stunden werden sie dort aufgehalten. Sie gehen nicht weg, weil sie nicht wissen, wann der Bus zurückfährt." Den unfreiwilligen Gästen werden meist überflüssige und viel zu teure Produkte zum Kauf angepriesen. Heidi Günther: "Die Renner sind zurzeit irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel und Reisen ohne Ende." Letztere gleich für die nächsten zwei, drei Jahre - ohne Angabe des Hotels.

Wer sich dennoch auf solch eine Tour einlässt, der sollte "nichts erwerben und nichts unterschreiben". Falls doch, muss der Kaufvertrag zwingend eine Widerrufsbelehrung mit zustellbarer Adresse enthalten. Vorsicht ist zudem bei den Vermittlern vor Ort geboten. Die Beraterin: "Da haben manche Leute schon mal 300 Euro bezahlt." Und nicht wiedergesehen. Die Verkäufer führen einen Terminal mit sich. Wenn die "Kunden" dort ihre Pin-Nummer eingeben, ist das Geld weg, da es sich um eine direkte Überweisung handelt.

Dass der "schöne Tagesausflug" alles andere als eine Vergnügungsreise wird, hat sich derweil nicht nur bis Halberstadt herumgesprochen. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine "Schwarze Liste der Abzocker". Darauf stehen derzeit 173 Firmen, die unseriöse Gewinnspiele anbieten. Seit Januar 2013 befindet sich auch die Firma Winter-Buchungsservice aus Meppen darunter. Mit dem selben Postfach wie im Harz und ohne richtige Adresse beziehungsweise Telefonnummer. Nur die Aktion heißt anders: "Mecklenburger Seenplatte".