Halberstadt (sc) l „Ihr habt einen guten Lehrer“, sagt Guillaume Ohleyer in akzentfreiem Deutsch. Nach über einer Stunde, die er mit Neuntklässlern des Martineums in seiner Muttersprache parliert hatte – Französisch. Alexander Seyffert grinst, er hat die Gespräche aufmerksam verfolgt – außerhalb des Stuhlkreises. Seine Schüler haben sich wacker geschlagen, und ihr Lehrer ist froh, sich um diese besondere Französischstunde bemüht zu haben.

Das Lob des jungen Franzosen können die Jugendlichen gut annehmen. Auch wenn sie nach wie vor Scheu haben, ihre Sprachkenntnisse anzuwenden. Doch genau diese Scheu versucht Ohleyer ihnen zu nehmen – so wie hunderten anderen Schülern in Deutschland.

Abschlussrunde auf deutsch

„Redet, traut euch. Man lernt eine Sprache nur, wenn man sie nutzt“, sagt Guillaume, der mit dem Francemobile auf den Hof des Martineums gefahren ist. Der 22-jährige Lektor des Instituts Francais Leipzig ermuntert dazu, die eigenen Schwächen nicht zu wichtig zu nehmen. „Wenn ihr mit Muttersprachlern redet, werden die eure Grammatikfehler bemerken, na und? Dann korrigieren sie euch und helfen euch so, künftig besser zu sein“, sagt er in der Abschlussrunde, die er in der für ihn fremden Sprache meistert. Denn jetzt nutzen die Martineer ihre Chance und löchern ihren Gast mit vielen Fragen auf deutsch.

Der junge Lektor, der auf spielerische Art und Weise Jugendliche für die französische Sprache und Kultur begeistern will, ist an diesem Tag nicht allein in Halberstadt zu Gast. Ihn begleitet Louise Lelievre, die für das DELF-Programm (Diplôme d’Etudes en langue française) wirbt, ein Zertifizierungsprogramm für die französische Sprache in unterschiedlichen Stufen. Man könne diese Prüfung auch online als Selbsttest nutzen, so Lelievre.

Das Francemobil tourt seit 2002 durch Deutschland, ins Leben gerufen wurde die Aktion von der Französischen Botschaft und der Robert-Bosch-Stiftung, organisiert wird es jetzt vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem Institut Francais Deutschland. Zwölf Renaults Kangoo sind mit dem Francemobil-Logo versehen in der Bundesrepu­blik unterwegs, besuchen Kindergärten und Schulen, um ein zeitgemäßes Frankreichbild zu vermitteln.