Halberstadt l Bauarbeiter werkeln auf dem Gelände, in den Räumen riecht es nach frischer Farbe und im Sekretariat stapeln sich die letzten Kartons. „Es war knapp, aber zum ersten Schultag war alles für die neuen Schüler vorbereitet“, sagt Eva-Maria Ganso sichtlich erleichtert.

Seit dem Start des Schuljahrs ist sie nicht mehr die einzige Schulleiterin in der Goethe-Grundschule in Halberstadt. Nur wenige Schritte über den Flur, quasi vis-à-vis von ihrem Büro, hat Annett Biewendt einen Raum bezogen. Sie ist ebenfalls Schulleiterin, allerdings für die Diesterweg-Grundschule. Solange diese saniert wird, sind die 125 Kinder und ihre sechs Lehrer zu Gast in der Goethe-Schule.

Platz ausreichend vorhanden

Sorgte das bei der Bekanntgabe noch für Proteste bei der Elternschaft beider Schulen, habe sich die Situation nun beruhigt, berichten beide Schulleiterinnen. Nicht zuletzt seien die gerade erst sanierten Klassenräume im Kellergeschoss der Grund dafür, sagt Annett Biewendt. Sie sei mit dem „Notquartier“ vollauf zufrieden. Beengt sei es nicht. „Theoretisch war die Schule, als sie erbaut wurde, für 600 Schüler ausgelegt“, erläutert Eva-Maria Ganso.

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Eng wird es lediglich beim Essen. Mittags wird in drei Schichten gespeist. Kinder, die auf den Bus angewiesen sind, kommen zuerst dran. Diejenigen, die allein nach Hause gehen dürfen, und jene, die den Hort besuchen, folgen. „Das ist jetzt erst einmal ein Test. Wir müssen abwarten, ob das in der Praxis so funktioniert“, so Annett Biewendt.

Vorteile für beide Seiten

Obwohl der Schulbetrieb grundsätzlich getrennt voneinander organisiert wird, profitieren beide Grundschulen von der räumlichen Nähe. Geplant sind gemeinsame Aktionen, Projekte und Feste. „Die Sache hat auch Vorteile“, so Eva-Maria Ganso.

Sie ist für 275 Schüler und 18 Lehrer verantwortlich. Diese Rechnung gehe voll auf, planmäßig seien keine Unterrichtsausfälle zu erwarten. Ihre Kollegin Annett Biewendt hat derzeit ein Minus von fünf Wochenstunden zu kompensieren. „Aber das ist machbar“, sagt sie zuversichtlich.

Angesichts der Hitze ist derzeit der Unterricht in der Doppel-Schule nach der fünften Stunde beendet. „Aber die Kinder werden regulär bis 12.30 Uhr betreut“, berichtet Eva-Maria Ganso.

Weniger Stunden wegen Lehrermangels

Darauf, eher Schluss zu haben, dürfen sich auch die rund 420 Schüler der Europaschule Am Gröpertor einrichten. Allerdings sind Ausfallstunden dort nicht nur auf die Hitze zurückzuführen. „Es fehlen Lehrer“, berichtet Schulleiter Björn Alsleben. 30 Personen gehören zum Kollegium, das reiche nicht aus. „Aber wir versuchen, zum Wohl unserer Schüler Lösungen zu finden.“ Fächer müssen so keine gestrichen werden, aber sie könnten zum Teil nur verkürzt unterrichtet werden. Statt zwei Wochenstunden gibt es dann nur eine. Unter anderem sind Hauswirtschaft, Französisch, Wahlkurse und Förderstunden betroffen.

Zwei Lehrer fehlen

Ähnliches wird aus dem Martineum berichtet, mit 750 Schülern das größte Gymnasium im Kreis. Schulleiter Stefan Pasderski rechnet derzeit damit, dass etwa 45 Wochenstunden fehlen, insbesondere Deutsch und Ethik. Das entspricht zwei Lehrerstellen. „Es sind ganz einfach nicht genug Lehrer da“, erläutert der Halberstädter.

Er habe die Hoffnung, dass sich die Situation bald ändert. „Das Land ist sehr bemüht, uns zu helfen.“ Doch auf eine kurzfristige Ausschreibung habe sich bisher niemand gemeldet. Entsprechend wird der Unterricht für einen Teil der Schüler verkürzt. „Die unteren Klassenstufen sind nicht davon betroffen.“ Auch bei den Abiturklassen werde angesichts der nahenden Prüfungen nicht gespart.

Schulen schweigen

Ob es im zweiten Gymnasium Halberstadts, dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium, ähnlich aussieht, war nicht in Erfahrung zu bringen. Im Hinblick auf die strenge Datenschutzverordnung wolle man sich nicht gegenüber der Presse äußern, hieß es seitens der Schulleitung. Auch in der Grundschule Badersleben waren keine Details in Erfahrung zu bringen.

Kein Religionsunterricht

Hitzefrei gab es gestern an der Anne-Frank-Grundschule auch, aber ansonsten wenig Probleme. Vorübergehend muss Schulleiter Tobias Marx krankheitsbedingt auf 1,5 Lehrerstellen verzichten. „Das kriegen wir abgefangen.“

In der Miriam-Lundner-Grundschule „sind alle an Bord“, sagt Leiter Sebastian Lütgert, „so einen guten Schulanfang habe ich noch nie erlebt“. Einziger Wermutstropfen: Weil Religionslehrer fehlen, kann trotz Nachfrage dieses Fach nicht angeboten werden, die Schüler müssen auf Ethik ausweichen.

Genaue Analyse

Ebenfalls nicht klagen kann Volker Heinold, Leiter der Ströbecker Grundschule. Sein Lehrerkollegium sei komplett, das gelte auch für Harsleben/Wegeleben, heißt es. Beide Schulen beordern sogar Pädagogen an andere Grundschulen ab, bei denen es personell enger zugeht. Einen geregelten Start ins neue Schuljahr meldet auch die Spiegel-Sekundarschule. Nur ein Lehrer fehle.

Ein ähnliches Bild in den Grund- und weiterführenden Schulen im Raum Osterwieck. Dank tropischer Temperaturen war – außer in Hessen – früher Schulschluss. Lediglich in Dardesheim fehlen zwei Lehrer. Das Landesschulamt kann derweil noch keine verbindlichen Fakten nennen. Jetzt müssten die exakten Schüler- und Lehrerzahlen an den Schulen erfasst werden, um konkrete Defizite zu erkennen und gegenzusteuern, informiert die Pressesprecherin Silke Stadör.