Halberstadt l Es ist Mittwoch, 6.50 Uhr, die ersten Kinder sind auf dem Weg in ihre Schule. Regine Goldberg, Polizeiobermeister Bernd Borrmann und Ordnungsamtschef Ralf Fleischhauer stehen an der Wolfsburger Straße, beobachten das Treiben. Die Politesse unterbricht das Gespräch, als ein Zusteller der Biberpost direkt am Fußweg anhält, um Briefe in die Schule zu bringen. „Sie stehen hier im Halteverbot“, sagt die Ordnungsamtsmitarbeiterin. Das „Ich bin doch gleich wieder weg“, hört sie eigentlich immer, wenn sie Eltern oder, wie in diesem Fall, Dienstleister auf falsches Verhalten vor einer Schule hinweist. Der Zusteller steigt aber sofort wieder ein, parkt sein Auto ein Stück weiter, kommt den kurzen Weg zu Fuß. „Auch die Eltern sind meist einsichtig“, sagt Regine Goldberg. Manchmal allerdings gehen Kommentare auch unter die Gürtellinie.

Das Parken um die Ecke kostet etwas mehr Zeit, ist aber sicherer, für alle, die am Morgen in die Goethe-Schule strömen. Ein Schulbus bringt die Kinder aus Groß Quenstedt, ein Lehrer nimmt die Mädchen und Jungen in Empfang. Derweil rangiert ein Auto etwas unglücklich hin und her, um gegenüber der Schule zu parken. Zwei andere Autofahrer warten geduldig, bis das gelungen ist. „Wenn alle Paragraf 1 beachten, klappt es“, kommentiert Ralf Fleischhauer – und meint Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Parkplätze fehlen

Kaum hat er diesen Satz ausgesprochen, schimpft ein Vater los: „Die Stadt müsste hier endlich mal was tun oder soll erst ein Kind angefahren werden?“ Auf die fragenden Blicke des Ordnungstrios weist er auf die Stellplätze gegenüber, von denen gebe es viel zu wenige. Den Hinweis, dass vor dem Aldi 150 Meter weiter und am etwa gleich weit entfernten Sargstedter Weg weitere Parkplätze vorhanden sind, will er nicht gelten lassen. Die Kinder könnten nicht gefahrlos auf dem Fußweg zur Schule laufen, sagt der Vater. Die zahlreichen Kinder, die allein oder mit einem Elternteil an ihrer Seite genau das tun, scheint er auszublenden.

Es sei versprochen worden, eine Fläche neben der Schule zu schottern, um weitere Parkmöglichkeiten zu schaffen, so der Vater. Die Flächen ringsum sind im Besitz unterschiedlicher Immobilienunternehmen, den Bedarf sehen die zuständigen Behörden zurzeit nicht. Was den Vater erzürnt.

Mittlerweile hält ein zweiter Bus an der Schule, zahlreiche Kinder radeln auf den Schulhof, viele Autos halten in Schulnähe. Auch zwischen den Stellplätzen und einem mit einem Drängelgitter gesicherten Fuß-Rad-Weg.

Kein Halteverbot

„Die Lücke schließen wir noch“, sagt Fleischhauer, denn zurzeit gilt für diesen Platz kein Halteverbot. Dazu müsse ein Schild umgesetzt werden. „Das passiert auch demnächst“, sagt Fleischhauer, der bei den Aktionen im Rahmen der Schulwegsicherung dabei ist, neben der Präsenz vor den Schulen im Stadtgebiet gehört auch ein Kontrollgang in den Ferien dazu, um die Änderung rechtzeitig umzusetzen.

Pünktlich zum Schulbeginn ist eine Fußgängerampel am Sargstedter Weg aufgebaut worden. Die soll den Kindern aus der Siedlung, die während der Sanierung der Diesterweg-Grundschule im Haus der Goethe-Schule Unterricht haben, ein sicheres Überqueren der Kreisstraße ermöglichen. Mit installiert ist ein Zählwerk. „Wir wollen erfassen, wie oft die Ampel genutzt wird, um zu sehen ob es sinnvoll ist, aus der Behelfsampel eine festinstallierte zu machen“, erklärt Fleischhauer. Derweil erinnerRegine Goldberg eine Mutter daran, dass auf dieser Seite der Straße Halteverbot ist.

Kurz vor Schulbeginn ebbt der Verkehr ab, kaum ein Auto nutzt die Straße, auf der nur Tempo 30 gefahren werden darf. Dass die Mehrzahl der Eltern ihre Kinder an den Parkplätzen ein Stück weiter weg aussteigen lässt, freut nicht nur den Polizisten im Kontrolltrio. „Offenkundig haben Schulleiter und Lehrer hier positiv auf die Eltern gewirkt“, lobt Fleischhauer. Wissend, das Kontrollen trotzdem notwendig bleiben.