Halberstadt l Thomas Döring verdient mit Zweirad-Old­timern seine Brötchen. Vor 15 Jahren kam er auf die speziell für ihn auf den Leib zugeschneiderte Marktlücke, nutzte sie und machte daraus ein Geschäftsmodell, das sich für ihn bis heute rechnet. „Heute sogar noch mehr als am Anfang“, sagt der 59-Jährige. Thomas Döring repariert Mopeds und Motorräder aus DDR-Produk­tion oder baut sie für Kunden sogar auf Wunsch wieder neu auf – vorrangig die kultige Schwalbe, S 50/51 und MZ-Modelle, aber auch die Vorgängertypen.

Service mit Alleinstellungsmerkmal

In Halberstadt kenne er keine andere Werkstatt, die diesen Service anbiete. Daher bestehe bei ihm kein Mangel an Aufträgen. Thomas Dörings Auftragsbuch ist voll. Die Kunden kämen nicht nur aus der Kreisstadt, sondern auch aus dem Umland. Am Anfang habe er noch alles repariert, was zwei Räder hat. Auf Billigmopeds aus dem Baumarkt habe er sich nur einmal eingelassen und schnell wieder die Finger davon gelassen. „Das war zu aufwendig, die Arbeit trug die Kosten nicht. Also habe ich mich spezialisiert. Das war der richtige Schritt.“ Werbung sei gar nicht notwendig. „Mein Angebot spricht sich von Mund zu Mund herum.“ Kunden kämen sogar aus Niedersachsen.

Betagte Mobile mit großer Beliebtheit

„Die Fahrzeuge aus DDR-Zeiten erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit“, berichtet der gelernte Kfz-Mechaniker. „Gerade bei jungen Fahranfängern sind sie sehr beliebt“, sagt der Halberstädter. Die meisten modernen Roller, die es zu kaufen gebe, dürften als 50-Kubikzentimeter-Modelle maximal Tempo 45 fahren, das sei für viele Jugendliche zu langsam. Die charismatische Schwalbe und die Simson-Fahrzeuge dürfen bis 60 km/h schnell fahren. Außerdem gestalte sich der Unterhalt recht genügsam. Meist würden die Mopeds von Fahranfänger zu Fahranfänger weiterverkauft.

Reparatur für den Profi kein Problem

„Auch wenn die Mopeds 30, 40 oder mehr Jahre alt sind – sie lassen sich unkompliziert reparieren“, betont ­Thomas Döring. Die Motoren seien oft unkaputtbar, Laufleistungen, die meist niemand mehr nachvollziehen könne, rückten da in den Hintergrund. Und die Ersatzteilfrage stelle sich nicht. Obwohl die Produktion der Mopeds spätestens nach 1991 eingestellt und die Betriebe abgewickelt worden seien, gebe es Unternehmen, die sich auf die Ersatzteilproduktion spezialisiert hätten. Aus diesen Gründen sei die Nachfrage nach intakten Mopeds aus DDR-Produktion am Markt sehr groß.

Preise zuletzt förmlich explodiert

„Das treibt natürlich die Preise in die Höhe. 2000 bis 2500 Euro muss man heute für eine gute und fahrbereite S 50/51 auf den Tisch legen“, berichtet der Fachmann. Die Mopeds würden jedes Sparbuch bei der Rendite schlagen. „Vor zehn Jahren haben sie einem die Fahrzeuge noch für 100 Euro praktisch hinterher geschmissen.“ Für diesen Preis bekommt man mittlerweile noch nicht mal mehr Schrottfahrzeuge.

Blender sorgen für Ernüchterung

Dieser Fakt rufe allerdings auch immer öfter schwarze Schafe auf die Bühne. Schrottreife Fahrzeuge würden äußerlich aufgehübscht, Motoren sandgestrahlt, die Chromspeichen zum Blinken gebracht, sodass sie den Kaufinteressenten einen guten Zustand vorgaukeln – sogenannte Blender, die nicht halten, was sie versprechen. Ist die Maschine gekauft, folge meist das Entsetzen. Der Motor springt plötzlich nicht mehr an. Der Traum vom schönen Oldtimer wird zum Albtraum. Das Geld sei weg, Garantieansprüche gebe es nicht. „Diese Fälle landen dann meist bei mir in der Werkstatt. Ich bekomme die Mopeds wieder zum Laufen, keine Frage. Aber das kostet natürlich ­wieder Geld“, sagt Thomas Döring.

Vor dem Kauf Fachmann kontaktieren

Solch ein Fall steht in diesen Tagen in der kleinen Werkstatt von ­Thomas Döring: „Ein Opa wollte seinem Enkel eine Freude bereiten. Er kaufte im guten Glauben ein Simson-Moped aus den 1980er Jahren, das auf den ersten Blick top-gepflegt aussah. Doch das Moped ist ein Blender. Die gesamte F­ahrzeugelektronik muss erneuert werden. Eine kostspielige Reparatur“, so der ­Mechaniker. Er empfiehlt daher: „Vor dem Kauf eines so alten Fahrzeugs immer einen Fachmann vorher drauf gucken zu lassen. Das schützt vor teuren Enttäuschungen.“

Sein Handwerk erlernte Döring in einem Betrieb, der einst zum DDR-Fahrzeugkombinat gehörte – in einer Simson-Werkstatt in der heutigen Bismarckstraße in Halberstadt. „Die Ausbildung damals war sehr vielseitig. Abstecher in die Lkw-Werkstatt für W 50 oder die Trabant-Werkstatt gehörten für die Lehrlinge genauso dazu.“ Er habe sich dann für die Zweiradrichtung spezialisiert. „Das war eine gute Entscheidung“, resümiert er.