Halberstadt l Spätestens mit der letzten Stadtratssitzung in Halberstadt sind Zweifel an der Umsetzungsfähigkeit der Zukunftspläne für den Breiten Weg aufgekommen. Stadträte sprechen vom Scheitern angesichts des millionenschweren Haushalts­defizits. Der Stadt würde schlichtweg das Geld für die Umgestaltung des ­Breiten Weges fehlen. Hat sich die Kreisstadt mit dem ­ehrgeizigen Projekt zur Aufwertung der Fußgängerzone verhoben?

2017 Startschuss für Vorhaben

Seit Jahrzehnten ist der Breite Weg im Herzen Halberstadts ein Sorgenkind. Der Fußgängermeile fehlt es an Aufmerksamkeit. Das hat viel mit ihrem Image zu tun. Im Grunde genommen hat sie keins, trotz bester Innenstadtlage. Im Dezember 2017 bekannte sich der Stadtrat per Grundsatzbeschluss dazu, das zu ändern – mit neuen Ideen, die den Breiten Weg wieder ins Bewusstsein der Bürger und der Gäste rückt. Nicht am Sankt-Nimmerleins-Tag, sondern beginnend ab 2020, also bereits ab dem kommenden Jahr.

„Grundsätzlich hat sich ­daran trotz der großen Haushaltsprobleme nichts verändert“, informiert auf Nachfrage Rathaussprecherin Ute Huch. Der Planungsprozess sei entgegen anderer Behauptungen nicht beendet worden.

Vor einem Jahr gab Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) den offiziellen Startschuss für die Aufwertung des Breiten Weges. Dafür engagierte die Kommune Profis – die CIMA Beratungs- und Management GmbH. Die Fachleute, die auf Stadtentwicklung, Marketing, Wirtschaftsförderung, Immobilien und Tourismus spezialisiert sind, sollen ein inte­griertes Entwicklungskonzept erstellen. Ziel ist, den 700 Meter langen Breiten Weg vom Fischmarkt bis zum Breiten Tor fit für die Zukunft zu machen. „Daran wird nach wie vor gearbeitet“, so Ute Huch. Man befinde sind also noch mitten im Prozess, auch wenn dieser im Moment eher unsichtbar abläuft.

„Wir haben einen Vertrag mit der Firma, aus dem wir nicht einfach aussteigen können. Der wird erfüllt.“ Das dafür eingeplante Geld sei ­sicher. Die 70 000 Euro Honorar­kosten stammen unter anderem von einem städtischen Treuhandkonto, das wiederum von Ausgleichsbeiträgen aus dem Sanierungsgebiet Altstadt gespeist wird.

Konzept bis zum Herbst

Das Entwicklungskonzept soll im Herbst 2019 auf dem Tisch liegen und im Oktober vom Stadtrat Halberstadt beschlossen werden. An diesem Zeitplan habe sich nichts verändert.

Ein zentraler Punkt des Entwicklungsprozesses war und ist die Einbeziehung der Bürger. Sie sollten ein gewichtiges Wort mitsprechen. Generations­übergreifend machten davon Kinder, Jugendliche und Erwachsene regen Gebrauch. Im November 2018 kamen dafür etwa 120 Frauen, Männer und Jugendliche zu einem ganztägigen Workshop „Gläserne Werkstatt“ ins Rathaus. War alles für die Katz?

„Auf keinen Fall. Wer dabei war, erinnert sich: Zunächst haben wir uns viel Zeit genommen, um alle Akteure nach ihren Erwartungen, Wünschen und Vorschlägen zu fragen. Aus allen gewonnenen Erkenntnissen und Rahmen­bedingungen entstanden konkrete Vorschläge, die wiederum öffentlich im Rathaus ausgewertet und diskutiert wurden“, sagt Sigrun Ruprecht von der Stadtplanung. Nun folge der nächste und schwierige Schritt, die Partnersuche für konkrete Projekte zur Umgestaltung und die Ausarbeitung einer Endfassung, die dem Stadtrat zur Diskussion und Entscheidung vorgelegt wird.

Die leeren Kassen der Stadt Halberstadt bleiben für das Projekt „Breiter Weg“ trotzdem nicht folgenlos. Bislang fehlt das Geld für die Umsetzung des Entwicklungskonzeptes. Nach vorsichtigen Schätzungen waren dafür 1,2 Millionen Euro vorgesehen. 700.000 Euro will die Kreisstadt über Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau/Aufwertung beantragen und 350.000 Euro an Eigenmitteln beisteuern. Wobei diese Summe angesichts des fast einen ­Kilometer langen Breiten Weges wohl nur ein Wunsch ist. Fakt sei, dass der vorgesehene Baustart 2021/2022 nicht einzuhalten ist und verschoben werden muss, betont Rathaussprecherin Ute Huch.