Badersleben/Hornhausen l Alle Anstrengungen und das Bangen haben sich gelohnt, die Knochenmarkspende für die neunjährige Anina war erfolgreich. „Die Folgen des Gendefekts sind verschwunden“, sagt Mutter Xenia Michael. Nun hat für die Familie eine nächste und wichtige Phase begonnen. Seit drei Wochen darf Anina wieder die Schule besuchen.

Besonders vermisst habe Anina den direkten Kontakt mit ihren Mitschülern und Freunden, sagt die Mutter, die ihre Tochter täglich von Hornhausen nach Badersleben fährt. Ein Schulwechsel sei für sie, gerade in dieser schwierigen Situation, nie eine Option gewesen. Das Kollegium der Grundschule „Albert Klaus“ habe sich auch während Aninas Krankheit immer gekümmert, der Kontakt sei nie abgerissen.

Unterricht zu Hause

Seit es Anina wieder besser geht, ist sie zweimal die Woche von den Lehrerinnen Do­reen Jeche und Astrid Hoppe zu Hause in Hornhausen unterrichtet worden. „Das war eine coole Aktion“, berichtet Astrid Hoppe, und erinnert an die Katze, die sie so manchen Nachmittag auf ihrem Schoß hatte.

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Astrid Hoppe ist auch die Klassenleiterin der dritten Klasse, die Anina nun besuchen darf. Glücklich sitzt die Neunjährige im Klassenzimmer. Drei Stunden täglich haben ihr die Ärzte zugestanden: Deutsch, Mathematik und Sachkunde. „In der Nacht vor meinem ersten Schultag habe ich kaum geschlafen, so aufgeregt und auch ein wenig ängstlich war ich“, erklärt Anina. Weil sie einen Mundschutz tragen muss, kann man nur an den Augen sehen, dass sie lächelt.

Händewaschen und Mundschutz

Dieser Mundschutz sei für sie kein Problem, sind sich Aninas Mitschüler einig und erklären, dass dieser vor Viren und Bakterien schütze, alles Erreger, die Anina schaden könnten. Das ist auch der Grund, wa­rum Anina sich oft die Hände wäscht. Als feststand, dass Anina wieder zur Schule darf und in die dritte Klasse kommt, hat Astrid Hoppe den Mädchen und Jungen Aninas Krankheit und die Gefahren erklärt. „Auch die Eltern habe ich da­rauf vorbereitet.“

Am ersten Schultag hat sich Joy, die sich mit Leonie als Patin um Anina kümmert, neben das Mädchen gesetzt.„Dank dieser guten Arbeit von Frau Hoppe, hat Anina schnell ihre anfängliche Scheu abgelegt und freut sich nun jeden Tag auf die Schule und die Mitschüler“, sagt Mutter Michael erleichtert. Immer an Aninas Seite ist Integrationshelferin Jessica Nitschke, die das Mädchen beim Lernen unterstützt. Denn für Anina gibt es einen nur für sie erstellten Plan. „Immerhin hat sie anderthalb Jahre Unterricht verpasst“, betont Astrid Hoppe. „Wir werden sehen, wie viel vom Versäumten sie aufholen kann.“

Seit ihrer Geburt hatte Anina an einer sehr seltenen Eisenverwertungsstörung gelitten. Alle vier Wochen musste sie daher mit Fremdblut behandelt werden. Am Ende drohe Organversagen, hatten die Ärzte damals prophezeit, weil die Wirkung dieser Therapie mit der Zeit nachlasse. Die einzige Lösung wurde in einer Stammzellenspende gesehen, die, ähnlich wie bei einer Leukämie, den Körper konditioniert. Nachdem ein genetischer Zwilling gefunden war, wurde zunächst mit einer Chemotherapie das Immunsystem des Kindes auf „Null“ gefahren. Immer wieder waren Krankenhausaufenthalte die Folge, mehrmals hatte sich das Mädchen Infektionen zugezogen.

Finanzielle Belastung

Dass eine solche Belastung an einer Familie nicht spurlos verübergeht, versteht sich fast von selbst. „Uns hat die Sorge um Anina enger zusammengeschweißt“, sagt Xenia Michael, die immer an der Seite ihrer Tochter war und dafür sogar ihren Beruf als Ergotherapeutin ruhen ließ. Über die enorme finanzielle Belastung für die gesamte Familie möchte sie nicht sprechen. Nur soviel: „Von der Krankenkasse hätten wir uns mehr Hilfe erhofft.“

Alle zwei Wochen zum „Aderlass“

„Mit den regelmäßigen Arztbesuchen werden wir auch in Zukunft leben müssen“, sagt Xenia Michael. Weil Aninas Körper zuviel Eisen produziert, muss sie nun alle zwei Wochen nach Magdeburg zum „Aderlass“. Dank des Transplantats regeneriere sich das Blut dann von allein. Eine genaue Prognose, wann Anina als geheilt gilt, gebe es noch nicht. Neulich war von noch mindestens zwölf Jahren die Rede. „Mit dem Wissen, dass es unserer Tochter langfristig gut geht, nehmen wir auch das an“, betont Xenia Michael und dankt allen, die sie in der schweren Zeit unterstützt haben. Ein besonderer Dank gehe an das gesamte Team der Grundschule „Albert Klaus“ und den Förderverein.

Monatelang isoliert

Selbst in der monatelangen Zeit der Isolierung, als Anina nur hinter einer dicken Glasscheibe winken durfte, waren Freunde und Bekannte nah und haben immer wieder mal kleine Höhepunkte für die Familie organisiert. Auf der Facebookseite „Hilfe für Anina“ hat Freundin Katharina Morgenbroth regelmäßig über alle Fortschritte, aber auch die Rückschläge informiert und zu Spenden aufgerufen.

Am 1. Oktober feiert Anina ihren zehnten Geburtstag. Sie wünscht sich eine Puppe und würde bald gern ihren Spender kennenlernen, um ihm zu danken. Das sei prinzipiell zwei Jahre nach einer Transplantation möglich, erklärt Xenia Michael. „Allerdings muss auch der Spender damit einverstanden sein.“