Halberstadt l Türkisch aufgebrüht und schwarz wie die Nacht – so mag Angelika Arndt ihren Kaffee am liebsten. Und gerne mehr als eine Tasse am Morgen. „Über vieles redet es sich besser bei einer Tasse Kaffee“, ist die 53-Jährige überzeugt. Die Leiterin des Jugendfreizeitzentrums „Rolle“ in Halberstadt muss es wissen – reden und zuhören, das sind ihre Kernkompetenzen in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, die das Haus in der Kurzen Straße ansteuern.

Pädagogik-Studium in Güstrow

Dass sie heute überhaupt in der „Rolle“ arbeitet, ist wohl der Wende zu verdanken. Die gebürtige Wernigeröderin gewinnt dem Bruch in ihrem Lebenslauf durchaus Positives ab. „Ich habe in Güstrow Pädagogik studiert, bin 1989 fertig geworden“, erinnert sie sich. Doch mit der Kombi Deutsch und Staatsbürgerkunde war sie gezwungen, sich im wiedervereinigten Deutschland umzuorientieren. „Aus heutiger Sicht ist es nicht schlimm, dass es so gekommen ist“, sagt sie. 1994 begann sie zunächst beim Bildungszentrum des Einzelhandels, angehenden Verkäufern mit Förder- und Stützunterricht zu helfen. So entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Sozialarbeit.

Großer Schritt zur Sozialarbeit

2001 wechselte sie zum Aus- und Weiterbildungszentrum Halberstadt (AWZ), das seit 2005 Träger des Jugendfreizeitzentrums ist. Die Übernahme der „Rolle“ war das erste große Projekt in dieser Richtung für das AWZ. „Ich erinnere mich noch, wie die Geschäftsführer mich fragten, ob ich mir vorstellen kann, in die Kinder- und Jugendarbeit einzusteigen“, berichtet sie. „Erstmal habe ich ziemlich doof aus der Wäsche geschaut. Vom Dreisatz-Üben mit Azubis ist es ein großer Schritt zur Sozialarbeit.“ Doch da sie sich bereits aus eigener Initiative zur Sozialpädagogin qualifiziert hatte, wagte sie den Schritt. „Todesmutig habe ich den Geschäftsführern gesagt, dass ich mich gerüstet fühle“, blickt sie zurück. „Und es macht mir immer noch Spaß. Die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen und das tolle Team sind mir Motivation.“

Besucher, die die „Rolle“ ansteuern sind zwischen sieben und 27 Jahren alt. Dass sie sich in die Arbeit des Zentrums einbringen, ist eines der Hauptmerkmale des Zentrums. „Das ist ein Raum, wo sie sich ausprobieren können“, sagt Angelika Arndt. „Gerade feilen wir zusammen an unserem Sommerferienprojekt. Jeder kann mit entscheiden.“

Ehrenamtlich engagiert

Wenn sie durch Halberstadt gehe und von einer Gruppe Jugendlicher gegrüßt werde, dann sei das ein gutes Gefühl. In der „Rolle“ habe sie vieles von den Kindern gelernt – von Tricks mit dem Smartphone bis hin zu den Fußballvereinen vor Ort. Neben ihrem Job im Jugendfreizeitzentrum engagiert sich die Mutter eines 28-jährigen Sohnes als Vorsitzende des Kreis-Kinder- und Jugendringes Harz. „Ich glaube, dass es Kinder heute schwieriger haben als noch vor 30, 40 Jahren. Der Leistungsdruck ist hoch, die vielen Möglichkeiten, die sich den Jugendlichen bieten, bedeuten auch, dass sie sich entscheiden müssen. Oft sind sie aber noch nicht so weit, solche Entscheidungen treffen zu können“, sagt sie.