Halberstadt l Halberstadts einzige Katzenpension, „Happy Cats“ („Glückliche Katzen“), musste schließen. „Ich würde gerne noch weiter machen, aber ich kann es einfach nicht mehr.“ Das Reden fällt dem Betreiber Peter Frahn hörbar schwer. Der 74-Jährige leidet an einer schweren Lungenkrankheit, die Symptome werden immer stärker. Da nun auch seine Lebensgefährtin Michaela Schulz, die ihn bislang unterstütze, gesundheitliche Probleme hat, sei ihm zum Jahreswechsel 2019/20 keine andere Wahl geblieben.

Mit dem Aus stehen nicht nur Katzenbesitzer, die in den Urlaub fahren oder ins Krankenhaus müssen, vor einem Problem. Die Schließung der Pension hat Folgen für das Halberstädter Katzenhaus, wie Waltraud Hammer berichtet. Sie ist die Vorsitzende des Halberstädter Tierschutzvereins, der die Unterkunft für Fundkatzen betreibt. Aktuell sind 34 Samtpfoten dort untergebracht. „Wir sind gut ausgelastet“, so Hammer.

Und das nicht nur zurzeit. Oftmals werden sogar mehr Tiere gebracht, als aufgenommen werden können. „Aber wir wollen niemanden wieder wegschicken, wer weiß, was dann mit den Tieren passiert.“

Frahn hinterlässt Lücke

Nicht nur deshalb seien die Tierschützer dankbar für die Unterstützung von Externen wie Peter Frahn. „Mehr als ein Jahrzehnt lang hatte der Tierschutzverein mit ihm und seiner Frau eine ehrenamtliche Pflegefamilie für Katzen in Not“, berichtet Waltraud Hammer. „Junge und alte Katzen, verletzte Katzen und Katzen, die das Vertrauen zu Menschen verloren hatten, wurden dort aufgenommen.“ Sie alle seien gut betreut und zuverlässig medizinisch versorgt worden. „Es gibt viele Katzengeschichten, die eng mit Peter Frahn und seiner Frau verbunden sind.“ Michaela Schulz sei eine regelrechte Katzenflüsterin. Finde sich kein Nachfolger, würde das eine kaum zu kompensierende Lücke hinterlassen, betont Hammer.

Neun Katzen sind noch in der Obhut von Peter Frahn, weil sie keine Besitzer haben. Bei der Versorgung der Tiere unterstützen ihn Mitglieder des Tierschutzvereins. „Früher habe ich ihnen geholfen, heute müssen sie mir helfen“, sagt der Halberstädter leise. Eine Dauerlösung könne das jedoch nicht sein – angesichts dessen, dass die Ehrenamtler auch im Katzenhaus gebraucht werden.

Deshalb soll für die Tiere schnell einen neues Zuhause gefunden werden. Allen voran für Betty. „Sie ist seit einem Jahr bei uns. Ihre Besitzerin ist gestorben“, berichtet er. Dem etwa achtjährigen Tier ist es anzumerken, dass ihm der Kontakt und Streicheleinheiten fehlen. „Wir suchen für Betty gute Menschen, die sie in ihr Herz schließen“, sagt Waltraud Hammer. Die Samtpfote ist geimpft, gechipt und kastriert worden. „Kinder ab zwölf Jahren sind für Betty kein Problem, sie hätten an ihr eine gute Freundin.“

Katzenpension öffnete 2001

Das sieht auch Peter Frahn so. Er bedaure sehr, sich nicht mehr selbst um Betty und ihre Artgenossen kümmern zu können, immerhin war das fast 20 Jahre lang sein Job. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur hat die Katzenpension 2001 eröffnet. Schon in seiner Kindheit habe der gebürtige Hedersleber, der lange in Wegeleben wohnte, Kontakt zu Samtpfoten gehabt. Im gefalle ihr Schnurren, das Um-die -Beine-Schleichen. „Katzen zeigen einem Menschen deutlich, wenn sie ihn mögen.“

Mit seiner heutigen Lebensgefährtin habe er um 1990 zunächst Kater Paul aufgenommen. Mit dem Umzug in ihr Haus an der Wernigeröder Straße kamen weitere Katzen dazu. „Dann hat sich der Rest irgendwie ergeben“, sagt Peter Frahn. Zunächst habe er drei Räume so umgebaut, dass Vierbeiner darin leben konnten, solange ihre Besitzer auf Reisen waren. Zum Schluss hatten bis zu 20 Tiere Platz. „In einzelnen Boxen.“ Immer im Wechsel konnten die Tiere zudem täglich ein gesichertes Freigehege erkunden. Keine Selbstverständlichkeit. In anderen Tierpensionen werden die betreuten Katzen alle zusammen in einem Raum gehalten – da viele Stubentiger eher Einzelgänger sind, sei das kein Idealzustand.

Füttern, Reinigen der Boxen, Büroarbeit, Kundengespräche, Beschäftigen der Tiere – das sei ein Vollzeitjob, den Frahn nicht mehr annähernd ausüben kann. „Wir haben versucht, eine andere Lösung zu finden, haben Leute auf Mini-Job-Basis angestellt.“ Aber die ein, zwei Stunden am Tag, die die Mitarbeiter kommen konnten, reichten nicht aus. Jemanden Vollzeit einzustellen, sei keine Option, weil er sonst Preise verlangen müsse, die kaum jemand bereit wäre zu zahlen.

Tierliebe allein reicht nicht aus

Peter Frahn würde sich freuen, einen Nachfolger zu finden, zumal er noch immer viele Anfragen von Kunden erhält. Viel Hoffnung hat er allerdings nicht. Denn Tierliebe allein reiche nicht aus, um in seine Fußstapfen treten zu können. „Es müsste schon jemand sein, der auch in der Nähe der Pension wohnt, um immer vor Ort zu sein“, erläutert er. Zudem seien die gesetzlichen Auflagen hoch. Vielleicht ein Grund dafür, dass es nur so wenige Tierpensionen in der Region gibt.

Infos zur Vermittlung von Betty und ihren Artgenossen gibt es im Katzenhaus Halberstadt unter Telefon (0 39 41) 5 95 43 90.