Halberstadt l Erst ging es ganz schnell, dann tat sich über Monate nichts. Dieser Eindruck zumindest drängte sich auf, ging man an den Räumen vorbei, in denen einst die Gaststätte „Zur Ratslaube“ Kunden empfing. Später dann stillten die Gäste hier in einem asiatischen Restaurant ihren Hunger.

Doch auch das schloss irgendwann, die Räume lagen über Monate verwaist. Was Christiane Strohschneider auf den Plan rief. Nachdem die Pläne für das Domforum – ein für Domschatzverwaltung und Halberstadt-Information gemeinsam angelegtes Informationszentrum am Osthang des Dombergs – gescheitert waren, suchte die Chefin der Halberstadt-Information nach anderen Möglichkeiten, um mehr Platz zu bekommen. Ihr stetes Nachfragen zeigte Erfolg, im vergangenen Jahr genehmigte der Stadtrat den Umbau der leer stehenden Räume. Auch, weil die Stadt so langfristig Kosten sparen kann. Gehört doch seit Januar dieses Jahres das Rathaus am Holzmarkt der Stadt, die Miete für das derzeit im Bau gegenüber des Rathauses untergebrachte Touristikbüro ließe sich sparen.

Zeitplan komplett neu

Im Mai startete der Umbau mit Abbrucharbeiten – die Inneneinrichtung der Gaststätte musste raus samt Sanitäranlagen und Küche. Dann tat sich erstmal nichts mehr. „Wir mussten eine Ausschreibung wiederholen, was uns gut sechs Wochen Zeit gekostet hat“, sagte Jörg Wolansky beim Vor-Ort-Termin in dieser Woche. Der Chef der Hochbauabteilung der Stadt weiß, dass über solche Zeitverzögerungen niemand glücklich ist, aber Ausschreibungsverfahren sind kompliziert und zeitaufwändig, ohne darf eine Kommune größere Aufträge aber nicht vergeben.

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Nicht nur die Mitarbeiter der Halberstadt-Touristik müssen sich in Geduld üben, ihr für Ende Oktober geplanter Umzug wird sich auf Dezember verschieben. Schwieriger ist es für die am Umbau beteiligten Firmen, die wegen der Verzögerung ihre Zeitpläne über den Haufen werfen mussten. „Es war nicht ganz einfach, aber nun ist wieder alles aufeinander abgestimmt“, so Wolansky.

Derzeit sind die Elektriker dabei, die erforderlichen Strom- und EDV-Kabel zu legen. Allein an Datenkabeln kommen rund 1000 Meter zusammen, die hinter Wänden, Deckenverkleidungen oder im Fußboden verschwinden müssen. Am Montag rücken die Trockenbauer an, setzen einige Wände, verschließen Decken- und Wandöffnungen. Nach diesen Arbeiten müssen die Maler ran, dann wird der Teppichboden verlegt – auf 162 Quadratmeter Fußboden.

Barrierefreiheit

Bevor der Bodenbelag liegt, wird noch eine Hörschleife in den Fußboden gelegt, der Menschen mit Cochlea-Implantat oder Hörgeräten das Hören in der Tourismusinformation erleichtern soll. „Wir wollen die Räume komplett barrierefrei gestalten“, erläuterte Jörg Wolansky. Dafür habe man im Vorfeld extra das Gespräch mit Detlef Eckert gesucht, der viel Erfahrung aus seiner Arbeit im Behindertenverband mitbringt. „Er gab viele Hinweise, machte uns auf die Induktionsschleife aufmerksam“, berichtete Wolansky.

Zur Barriere­freiheit gehört, dass der Tresen im Info-Büro für Rollstuhlfahrer unterfahrbar sein wird, sich beide Türflügel an den Zugängen zur Halberstadt-Touristik vom Tresen aus öffnen lassen, damit Rollstuhlfahrer gut in den ebenerdigen Raum gelangen. Auch die Regale, in denen Informationsmaterial ausgelegt wird, sollen für Rolli-Fahrer unterfahrbar gestaltet werden. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigung wird im Bodenbelag mit Kontrastfarben gearbeitet, um den Weg zu weisen.

Neben einem Büro für die Tourismuschefin der Stadt und eines für ihre Stellvertretung, entstehen drei Computerarbeitsplätze am großen Tresen, der gut ein Drittel des Raums abtrennt. Dahinter liegen die Arbeitsbereiche der Mitarbeiter, ein Besprechungsraum und die Mitarbeiter-Toiletten. „Besuchertoiletten bauen wir nicht ein“, sagte Wolansky, „nebenan gibt es ja die Toiletten im Rathaus, die behindertengerecht sind“. Die bisherigen Sanitärräume werden dringend benötigten Stauraum liefern und die Verteilerschränke aufnehmen.

Ein "i" zum Endspurt

Während der Umbauarbeiten, die rund 120.000 Euro kosten, gab es auch unerwartete Probleme. So laufen die Lüftungen der Gaststätten in einem Schacht, was während der ersten Bauphase für Probleme im benachbarten spanischen Restaurant sorgte. Inzwischen seien diese Probleme behoben, so Wolanksy. Die zurzeit sichtbaren Lüftungsrohre werden wieder hinter Deckenverkleidungen verschwinden.

Sind die Baugewerke fertig, kommen die Innenausbauer zum Zug, die für weitere rund 70.000 Euro nicht nur den großen Tresen bauen, sondern auch die Büros passgenau ausstatten. Die Aufträge dafür sind erteilt, ebenso wie für die Gestaltung der großen Glasfronten. Und ganz zum Schluss wird je ein großes rotes „i“ auf jeder Seite des Rathauses auf die Halberstadt-Touristik aufmerksam machen.