Halberstadt l Einen schlechten Wochenstart hat der Frühdienst der Evangelische Grundschule Halberstadt erlebt: Farbkleckse und Graffiti verunstalteten mehrere Stellen des Geländes. Unbekannte haben sich am Wochenende, zwischen dem 20. und dem 23. September, mit grüner, weißer und roter Sprühfarbe zu schaffen gemacht und ihre Spuren auf der Tartanbahn, an Geländern und Handläufen hinterlassen, der Schriftzug „Come on“ – was übersetzt so viel heißt wie „komm schon“ oder auch „Jetzt hör aber auf!“ – ziert die Feuerschutztreppe.

„Das ist sicher ein vergleichsweise kleiner Vorfall, aber schon krass für uns“, sagt Schulleiter Martin Schubert. „Unsere Kinder sind sehr, sehr behütet. Wir sind eine Pippi-Langstrumpf-Schule voller Tommys und Annikas“, verbildlicht Schubert augenzwinkernd.

Erst seit August ist er der Leiter von „Sankt Laurentius“, die derzeit von 96 Schülern besucht wird. Die Schule wurde 2002/2003 in Trägerschaft des Christlichen Schulvereins Halberstadt gegründet. Sie befindet sich am Rande Halberstadts, im Stadtviertel Wehrstedt, im Gebäude der ehemaligen Gebrüder-Grimm-Schule. Seit dem Schuljahr 2005/2006 ist „Sankt Laurentius“ eine staatlich anerkannte Ersatzschule. Wie Schubert betont, bringen sich Eltern, Mitarbeiter und Mitglieder des Trägervereins sehr in die Gestaltung von Gebäude und Gelände ein. Umso mehr ärgere ihn deshalb die Schmiererei. „So etwas ist schade“, sagt er. „Alles wurde mühevoll von uns in Kleinarbeit finanziert.“

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Die gute Nachricht ist, dass der Hausmeister der Schule in wenigen Stunden die Farbe wieder entfernen konnte. Dennoch sei die Sprüherei nicht als Streich einzustufen – es ist bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung sowie Hausfriedensbruchs eingeleitet worden, informiert Polizeisprecher Uwe Becker. Wie er berichtet, drohen den Tätern bis zu zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Die Beamten haben am Tatort mehrere Spraydosen gefunden. „Diese werden derzeit kriminaltechnisch untersucht“, so Becker. Zudem hoffe die Polizei auf Zeugenhinweise, zum Beispiel von jemandem, der das typische „Klackern“ der Spraydosen gehört habe. Denn ohne Zeugen sei es in solchen Fällen nicht einfach, die Täter zu ermitteln. „Die Aufklärungsquote ist relativ gering, im vergangenen Jahr lag sie bei rund zehn Prozent“, erläutert der Polizeisprecher. Demnach wurden bei sechs von insgesamt 61 gemeldeten Graffiti-Schmierereien im Revierbereich die Täter ermittelt.

17 Graffitti angezeigt

Seit Beginn dieses Jahres wurden 17 neue Sprühereien in Halberstadt angezeigt, teilt Uwe Becker mit. Eine dieser Taten wurde im Februar im Bereich des Gymnasiums Martineum verübt. Auch im Käthe-Kollwitz-Park – in unmittelbarer Nähe zum gleichnamigen Gymnasium – sowie an den Berufsbildenden Schulen „Geschwister Scholl“ in Böhnshausen wurden Graffitti-Fälle gemeldet.

Dass eine Grundschule betroffen ist, ist die Ausnahme, wie die Nachfrage an Diesterwegschule und Co. zeigt. Was zum Teil auch an der Lage der Gebäude liegen könnte, wie die Mitarbeiter mutmaßen. So befindet sich die „Miriam Lundner“-Grundschule direkt gegenüber des Polizeireviers, die „Anne Frank“ ist etwas abseits der Straße gelegen. Auch die „Dr. Emanuel Lasker“-Schule im Schachdorf Ströbeck sowie die Goethe-Grundschule hatten bisher keine Fälle von Vandalismus anzuzeigen, allerdings ist in beide mehrfach eingebrochen worden. „Seit wir eine Alarmanlage haben, ist es aber ruhiger geworden“, berichtet Schulleiterin Eva-Maria Ganso. Zumindest, was die Schule betrifft. Jedoch habe es erst kürzlich einen Vorfall im angrenzenden Jugendtreff „Nordring“ gegeben.

Dies bestätigt Angelika Arndt: „Vor etwa vier Monaten ist die Tür zur Butze eingetreten worden.“ Arndt ist Teamleiterin für den Bereich Kinder- und Jugendarbeit des Aus- und Weiterbildungszentrums (AWZ). Neben dem „Nord-ring“ gehört im Stadtgebiet die „Rolle“ dazu. Dort schlugen Einbrecher im Februar 2018 zu und richteten erheblichen Schaden an – nicht zum ersten Mal. „Bei uns in den Jugendeinrichtungen gibt es eigentlich nichts zu holen. Trotzdem kommt es immer mal wieder zu Einbrüchen“, so Arndt. Wenn die Täter nichts fänden, käme es zu Vandalismus.

Hinweise zu den Schmierereien an der Grundschule „Sankt Laurentius“ erbittet die Polizei unter Telefon (0 39 41) 67 42 93