Ballenstedt l Ein stundenlanger Einsatz mitten im Wald – irgendwo zwischen dem Ballenstedter Schirm, der Bundesstraße 185 und dem Selketal am Klausberg. Eine Hitzeschlacht, bei der bis zu 60 Mitglieder mehrerer Feuerwehren bei etwa 35 Grad Celsius Außentemperatur gegen glutheiße Nester in einem Holzstapel und im Wald gekämpft haben. Und eine wahre Materialschlacht, weil das Löschwasser mit einer Armada von Tanklöschfahrzeugen über knapp zehn Kilometer Distanz vom Ballenstedt bis zur Brandstelle transportiert werden musste. Das sind die Fakten rund um ein Feuer, das die Mitglieder mehrerer Wehren am Montag über Stunden in Atem gehalten hat. Das Besondere dabei: Es wurde sehr wahrscheinlich schon am Freitagabend oder in der Nacht zum Samstag mit einem Blitzeinschlag entfacht.

Revierförster Peter Peukert ist sich in dieser Hinsicht jedenfalls sicher: „Der Blitz ist in eine Fichte rein und anschließend bis ins regenfeuchte Erdreich.“ Dort habe sich das Feuer wohl über viele Stunden langsam und praktisch unbemerkt vorangefressen, bis es an einem Reisighaufen und aufgeschichtetem Holz trockene Nahrung fand und voll durchzündete.

Brand geht auf Wald über

Das so entstandene Feuer brannte offenbar über viele Stunden, vernichtete zuerst den Reisighaufen, dann rund 50 Festmeter (Kubikmeter) aufgeschichtetes Holz und später von einem weiteren Stapel nochmal 30 Festmeter. Und auch damit noch nicht genug: „Ausgehend von den beiden Holzstapeln ging der Brand als Bodenfeuer in den Wald hinein“, beschreibt Peukert das Szenario. „Dort fraßen sich die Flammen 200 bis 300 Meter in der Tiefe und schätzungsweise einen Hektar in der Fläche voran“, ergänzt der Ballenstedter Stadtwehrleiter Holger Kohl.

Das Problem nach der Alarmierung: Weil die Qualmentwicklung im entfernten Harzgerode entdeckt wurde, war die Ortsangabe vergleichsweise unpräzise. „Beim Notruf war als grobe Orientierung vom Meiseberg die Rede“, berichtet Einsatzleiter Kohl. Der aber ist von der eigentlichen Brandstelle – einem Waldweg am Klausberg, der als Sackgasse endet – kilometerweit entfernt. Folge für die Rettungskräfte: „Wir mussten erstmal eine Weile suchen, bis wir die Brandstelle gefunden hatten“, berichtet Kohl.

Was womöglich unnötig gewesen wäre, wenn sofort ein Hubschrauber zum Einsatz gekommen wäre. Schließlich ist in Magdeburg die Hubschrauberstaffel der Polizei stationiert. Und deren Helikopter waren in den vergangenen Tagen mehrfach im Rahmen von Brandeinsätzen auch im Harz im Einsatz. Dabei wurden Einsatzkräfte am Boden aus der Luft dirigiert oder – beim 100-Hektar-Brand auf einem Acker zwischen Ermsleben und Aschersleben – direkt aus der Luft mit gelöscht.

Erst Hilfe, dann Kostenfrage

Zwar will sich Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse zum konkreten Einsatz ohne Kenntnis von Details nicht äußern. Aber: „Wenn die Kräfte vor Ort etwas Spezielles benötigen, um schnell und effizient zu agieren, müssen sie das gegenüber der Leitstelle klar und deutlich artikulieren.“ Und die Kosten? „Ich habe hier ein klares Credo: Erst wird geholfen, danach unterhalten wir uns über die Kosten“, betont Lohse. Zudem, gibt er zu bedenken, müsse bei einem Brand schnell reagiert werden. „Je länger man wartet, desto aufwendiger und teurer wird ja die Brandbekämpfung.“

Im konkreten Fall hatten die Einsatzkräfte die Flammen erst nach Stunden unter Kontrolle. Letztlich waren die Wehren aus Ballenstedt-Opperode, Quedlinburg, Harzgerode, Gernrode, Rieder sowie Meisdorf und Badeborn im Einsatz. Unterstützt wurden sie vom Asmusstedter Agrarunternehmer Markus Jacobs, der einen Tankwagen mit 12.000 Litern Fassungsvermögen bereitstellte. Gelöscht wurde bis 21.20 Uhr.