Trinkwasser

Warum Dardesheim einen neuen Wasserspeicher bekommt

Schwerlastverkehr, Kraneinsatz – die Bauarbeiten hat jeder in der kleinen Stadt bemerkt. Am Rand von Dardesheim entsteht ein neuer Trinkwasserspeicher.

Von Horst Müller
Hier wird ein Teil der Trennwand eingefügt für  den neuen Trinkwasser-Hochbehälter in Dardesheim (Harzkreis).
Hier wird ein Teil der Trennwand eingefügt für den neuen Trinkwasser-Hochbehälter in Dardesheim (Harzkreis). Foto: Horst Müller

Dardesheim - Es geht voran mit den Arbeiten am Hochbehälter für die Trinkwasserversorgung des Ortes. Nach dem Abriss des alten, maroden Hochbehälters aus dem Jahr 1929, wurde die Sohle für den neuen Behälter gegründet und mithilfe eines großen Kranes die 24 Segmente für den neuen Hochbehälter gesetzt.

Dabei kam es auf den Millimeter an. Die Segmente mussten sowohl horizontal, als auch vertikal genau ausgerichtet werden. Der Kran stellte dazu die nummerierten Teile - jedes mit einem Gewicht von 3 bis 13 Tonnen – an ihren markierten Platz in der Baugrube.

Der neue Behälter wird rund, dazu kommt ein Maschinenhaus. Spezialisiert auf den Bau solcher Anlagen hat sich seit über 30 Jahren die Firma Drössler Umwelttechnik GmbH aus Siegen. Zu ihren Leistungen gehört die Errichtung des Spannbetonbehälters, indem sich zukünftig das Trinkwasser für Dardesheim befinden wird.

Speziell gesichert

Der Behälter wird mit neun speziell beschichteten Spanndrähten vorgespannt und anschließend mit bis zu 19 Tonnen verspannt. Das verhindert, dass der gefüllte Hochbehälter auseinanderfallen kann. Aus diesem Grund wird außerdem von außen Erdreich bis etwa zur Hälfte des Behälters aufgeschüttet.

Nachdem das Betonieren und das Vergießen der Armierungen der Segmente in der Sohle abgeschlossen sind, werden zwölf Deckenteile auf die Seiten und die Mittelwand aufgelegt. Dabei haben die einzelnen Deckelteile die Form von Tortenstücken. Durch die Mittelwand entstehen quasi zwei Behälter in einem, mit einem Fassungsvermögen von je 100 Kubikmetern.

Besondere Anforderungen an den Beton

Damit der Bau mit Betonelementen erfolgen kann, muss der Beton gemäß Trinkwasserverordnung bestimmte Anforderungen an die Hygiene und Hydrolysebeständigkeit (Vermeidung von Auslaugungen des Betons) erfüllen. Im Betonbau sind dafür sogenannte Expositionsklassen vergeben worden. Für Trinkwasserbehälter ist das die Expositionsklasse XTWB. Diese Klasse stellt eine ausreichende Dauerhaftigkeit sicher, die die Betonbauteile gegenüber chemischen und physikalischen Einwirkungen aus ihrer Umgebung haben müssen.

Trinkwasserbehälter dienen der Speicherung eines Lebensmittels. Aus diesem Grund herrschen besonders hohe Ansprüche an die Planung und Ausführung der Objekte. Es erfolgt keine weitere Versiegelung der Betonwände. Der Hochbehälter wird zudem nach einem strengen Hygienekonzept aufgebaut. Es darf zu keinen Verunreinigungen kommen.

Hauptauftragnehmer zur Herstellung des Behälters ist die Firma Umwelttechnik & Wasserbau GmbH. Zu ihren Leistungen gehören die Erdarbeiten, der Rohrleitungsbau, die technische Ausrüstung und letztendlich die Gesamtfertigstellung des Hochbehälters, informierte der Technische Leiter des Trink- und Abwasserzweckverband Vorharz (TAZV), Mario Hohmann.

80 Jahre Lebensdauer

Mit den Arbeiten an dem alten Hochbehälter wurde bereits 2019 begonnen. Eigentlich war nur eine Sanierung vorgesehen. Nach dem Abtragen der Erdabdeckung des alten Behälters war jedoch festgestellt worden, dass der Beton überraschenderweise bröckelte und stellenweise die Bewehrung zu sehen war. Die Bauarbeiten wurden gestoppt und eine neue Planung musste erarbeitet werden.

Laut Ausschreibung werden für den Neubau des Trinkwasserhochbehälters 900 000 Euro investiert. Dardesheim ist im Jahr 2011 an das Fernwassernetz aus dem Harz angeschlossen worden. Früher kam das Wasser aus den Quellen des Bleicheberges und seit 1980 zusätzlich aus Badersleben.

Der Hochbehälter hat die Funktion eines offenen Pufferspeichers, sein Wasser reicht für zwei Tage. Damit werde sichergestellt, dass eine mögliche Havarie der Fernwasserleitung für zwei Tagen überbrückt werden kann.

Der Zweckverband rechnet mit einer Lebensdauer des neuen Wasserspeichers von rund 80 Jahren. Die Fertigstellung des Neubaus ist für den 31. Juli geplant.

Segment für Segment wird auf dem Baugrund genau ausgerichtet. Man ahnt, wie groß der neue Trinkwasserspeicher wird.
Segment für Segment wird auf dem Baugrund genau ausgerichtet. Man ahnt, wie groß der neue Trinkwasserspeicher wird.
Foto: Horts Müller