Morgen um 13 Uhr startet der große Festumzug "700 Jahre Wegenstedt"

Wegenstedter reisen mit Kleinbahn und rollender Molkerei in die Vergangenheit

Von Anett Roisch

Der Countdown für den großen Festumzug "700 Jahre Wegenstedt", der morgen um 13 Uhr startet, läuft. Vertreter aus allen Vereinen des Ortes und engagierte Einwohner sind seit Wochen mit den Vorbereitungen zum Umzug, der aus 28 Bildern besteht, beschäftigt. Dieter Hörnig hat im Vorfeld schon einmal einen Blick in seine Garage gewährt und einige Details der Sehenswürdigkeiten des Umzuges gezeigt.

Wegenstedt. Ein Höhepunkt der besonderen Art ist morgen der große Festumzug anlässlich der 700-jährigen urkundlichen Ersterwähnung von Wegenstedt. "Jetzt spürt man die Begeisterung der Mitwirkenden bei der Gestaltung des Festumzuges", beschreibt Hartmut Sonnenschein und schaut, ob die Willkommensschilder, die über den Straßen zu lesen sind, dem Wind standhalten.

"Vertreter von über zehn Vereinen und interessierte Bürger sind an der Vorbereitung zur Darstellung der geschichtlichen Epochen aktiv", beschreibt Gerhard Reinecke, der Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins. Er ruft auf: "Jeder Wegenstedter darf und soll sein Haus, Hof, Straße und Garten für dieses Wochenende schmücken. Hier ist Ideenreichtum gefragt."

An Ideen mangelt es Dieter Hörnig nicht. Schon seit eineinhalb Wochen werkelt der Wegenstedter in seiner Garage und in seiner kleinen Werkstatt, um Sehenswertes für den Umzug zu bauen und nostalgische Dinge wiederherzurichten.

"Lokomotive Emma, die zum Förderverein der Kita gehört, wird aufgemöbelt. Sie spielt als Kleinbahn im Umzug eine wichtige Rolle. Unsere Kleinbahn fuhr 1908 bis 1966", erklärt Hörnig und zeigt auf alte Lampen der Deutschen Reichsbahn, die noch mit Kerzenlicht leuchten. "Die Lampen hat jemand aus dem Ort noch gehabt. Ich habe die kleinen Laternen wieder aufgemotzt", beschreibt der 58-Jährige.

Ein weiteres Thema ist der Bahnhof Wegenstedt. Reisende sollen im Umzug mit Koffern und Rucksäcken zum Bahnsteig unterwegs sein. Das dritte Thema, das der Vorruheständler vorbereitet, ist die Eröffnung der Molkerei 1912. "Dieser Molkereiwagen wird gezogen. Darauf sitzt eine Frau, wenn sie sich traut", feixt Hörnig.

Der gelernte Bankkaufmann, der jetzt im Vorruhestand ist, verrät: "Der Anhänger ist eigentlich der Wagen, auf dem sonst mein Schlagzeug beim Transportieren von einem Ort zum anderen steht. Ich spiele nämlich in der Wegenstedter Blaskapelle."

Aber nicht nur in der Kapelle schlägt er im Rhythmus, sondern auch im Wegenstedter Chor singt er mit. Das Handwerkliche habe er sich angeeignet und abgeguckt, sagt er bescheiden. "Die Utensilien, die auf dem Tisch der rollenden Molkerei liegen, sind noch die Originalgegenstände aus der Molkerei", betont der Hobbybastler und erklärt: "Diese und andere Gegenstände haben wir schon wochenlang von Wegenstedter Familien gesammelt." Deshalb sind die meisten Dinge auch mit Namen gekennzeichnet, damit hinterher jeder seine nostalgischen Erinnerungsstücke wieder bekommt.

Zu den Schildern, die es zu sehen gibt, zählt auch ein altes vergrößertes Foto von der Molkerei, das Chorleiter Richard Eggeling künstlerisch aufgearbeitet und koloriert hat.

"Der Festumzug besteht aus Bildern aus acht Epochen, mit denen wir in die Vergangenheit von Wegenstedt reisen", erklärt Sonnenschein und beschreibt: "Es beginnt mit der Zeit der Germanen und Wenden sowie mit der Erstbesiedlung von Wegenstedt, geht über den 30-jährigen Krieg, zeigt das preußische Militär, die Flugsicherung der Wehrmacht, das Leben zu DDR-Zeiten und den Fall der Mauer bis in die Gegenwart."

Heimatgeschichte wird im Bild vom Brand im Unterdorf, der durch Napoleons Truppen beim Ochsenbraten ausgelöst wurde, lebendig. "Zu den Gästen aus der Geschichte gehört Samuel Walther, der 1679 in Wegenstedt geboren wurde", sagt Sonnenschein und meint schmunzelnd: "Mehr wird noch nicht verraten."

Heute um 18 Uhr hält Pastorin Irene Heinecke in der Kirche einen Gottesdienst. "Der Gottesdienst ist für alle - auch für die Mannhäuser und Böddenseller", ergänzt die Pastorin. Um 19.30 Uhr beginnt die Festveranstaltung im Bürgerhaus und um 22 Uhr das Festival der Jugend im Festzelt

Morgen um 9 Uhr gibt es eine historische Präsentation der Feuerwehren. Nach dem Umzug, der um 13 Uhr startet, finden um 14 Uhr das Treffen und Singen der Chöre statt. Das Spiel ohne Grenzen wird um 15.30 Uhr angepfiffen. Ab 20 Uhr spielt die Band "Neid Klapp".

Der Sonntag beginnt um 9 Uhr auf dem Festplatz mit einem Frühstück in historischen Gewändern. "Die Verkleidung ist freiwillig und kein Zwang", betont Reinecke.