Schierke/Halberstadt l Wie der nächste Winter wohl wird? Glaubt man alten Weisheiten, könnte er härter werden als die der vergangenen Jahre. „Die Mäuse haben sich schon recht früh in feste Gebäude zurückgezogen – das könnte ein Hinweis auf einen strengen Winter sein“, so ein waschechter Harzer. Nun – es bleibt abzuwarten. Gleiches gilt auch für die Qualität des Winterdienstes auf einer der heikelsten Straßen im Harz, der Brockenstraße. Die Kreisverwaltung hat mit Blick auf die kommende Wintersaison jetzt den Räumdienst für diese und weitere Kreisstraßen vergeben.

Verwaltung schreibt nur beschränkt aus

Für die knapp zehn Kilometer lange Brockenstraße sei dann eine Firma aus Hasselfelde verantwortlich, heißt es aus dem Landratsamt. Die Firma, erklärt Vize-Landrätin Heike Schäffer, habe im Zuge der beschränkten Ausschreibung das günstigste Angebot abgegeben und daher den Zuschlag bekommen.

Dieser Anbieter löst einen Hausmeisterservice aus Tanne ab, der im vorigen Winter verantwortlich war. Damals hatte es Ende Januar massive Kritik am Räumzustand der Straße gegeben. Auch die Bergwacht formulierte mit Blick auf die Nutzbarkeit der Straße recht deutliche Worte. Nach einer Testfahrt, die Landrat Martin Skiebe (CDU) und seine Stellvertreterin Heike Schäffer daraufhin höchstpersönlich mit ihrem Dienstwagen absolvierten, fiel das Fazit klar aus: Zwar habe der Anbieter seinen Vertrag erfüllt, allerdings gebe es noch Optimierungsbedarf.

Massive Kritik im vergangenen Winter

So bemängelte Heike Schäffer Ende Januar unter anderem, dass die Zugänge zu Waldwegen nicht geräumt seien. Das sei aber wichtig, um bei Rettungseinsätzen unverzüglich schwere Technik wie Schlitten einsetzen zu können, so die Bergwacht. Und: Das habe der bisherige Dienstleister – das Unternehmen von Brockenwirt Daniel Steinhoff – stets getan.

Daniel Steinhoff hat 180.000 Euro investiert

Das Familienunternehmen, das viele Jahre für den Brockenstraßen-Winterdienst zuständig war, hatte 2016 eine kurzfristig wiederholte Ausschreibung und damit den Zuschlag verpasst. Und auch diesmal geht Daniel Steinhoff leer aus. Dabei habe er seinen Technikpark für rund 180.000 Euro entsprechend erweitert. „Wir haben einen Multicar und einen Unimog als Ersatz beschafft“, erklärt der 46-Jährige. Ohne den Auftrag Brockenstraße hätte zumindest der Unimog noch warten können. „Aber was soll‘s – das ist halt unternehmerisches Risiko, das nehm‘ ich sportlich“, sagt Steinhoff.

Er hatte sich nach den Debatten in der vorigen Saison offenbar Chancen ausgerechnet, auf der Brockenstraße nun wieder zum Zuge zu kommen und daher investiert. Zumal seine Firma sowohl im Ort Schierke diverse Räumaufträge hat – beispielsweise für die Stadtverwaltung Wernigerode – und auf der Brockenkuppe selbst.

Lücken zwischen den Einsatzorten

Dort räumt der Hotelier des Hotels das Umfeld des Hauses, vor dem Brockenhaus, im Bereich des Schmalspurbahnhofs und an der Wetterwarte. Was perspektivisch schon mal zu skurrilen Bildern führen könnte: Steinhoff pendelt zwischen den Einsatzstellen im Ort und auf dem Berg und hat auf der Brockenstraße das Schiebeschild oben. „Ich kann nur sagen: Wir haben die Preise seit vier Jahren nicht erhöht.“

Und es stellen sich noch mehr Fragen: So hatte die Kreisverwaltung nach den Problemen im vergangenen Winter angekündigt, eine mehrjährige Ausschreibung der Räumaufträge zu prüfen. Damit, so das Ansinnen, würden die Anbieter eine längere Planungssicherheit bekommen und könnten entsprechend investieren.

Landratsamt wollte nur regionale Anbieter

Dass das Landratsamt die Räumdienste auf Kreisstraßen jetzt doch nur für ein Jahr ausgeschrieben hat, hat aus Heike Schäffers Sicht gute Gründe: Zum einen sei es darum gegangen, Firmen aus der Region zu binden, um eine räumliche Nähe zu den Straßen zu garantieren. „Bei einer mehrjährigen Ausschreibung hätten wir das wohl im größeren Rahmen machen müssen. So aber wurden im Zuge einer beschränkten Ausschreibung acht potenzielle Firmen aus der Region direkt angesprochen und um Angebote gebeten.“ Zum anderen, so die Vize-Landrätin, wolle man sich nicht langfristig festlegen. „Wir prüfen immer wieder, ob wir bestimmte Leistungen auch in Eigenregie erbringen können. Da wäre eine langfristige Vergabe ungünstig.“

Die Brockenstraße sei im Ausschreibungsverfahren eines von insgesamt neun Losen gewesen. Dabei, so Schäffer, würden bestimmte Kreisstraßen und Regionen räumlich zusammengefasst. So beispielsweise der Raum Heudeber, Ströbeck und Wasserleben. Punktuell gebe es auch Kooperationen mit der Landesstraßenbaubehörde, die für die Landes- und Bundesstraßen zuständig sei.

400.000 Euro für Dienst veranschlagt

Die Abrechnung der Winterdienstleistungen im kreislichen Auftrag erfolge nicht mit Festbeträgen, wie es mitunter bei Supermarkt-Parkplätzen üblich ist. Dabei übernimmt der Dienstleister den Auftrag zum Festbetrag, die Gewinn- und Verlustmargen hängen maßgeblich vom Wetter ab. Bei den Kreisstraßen löse die Verwaltung je nach Wetterlage die Räumaufträge aus, die Anbieter rechneten je nach Technikeinsatz vereinbarte Stundensätze ab, so Heike Schäffer. Insgesamt seien pro Jahr rund 400.000 Euro für den Winterdienst auf den Kreisstraßen eingeplant.