Uthmöden l Fassungslos steht Petra Huth auf der Koppel im Naturschutzgebiet „Klüdener Pax Wanneweh“, etwa drei Kilometer entfernt von ihrem Wohnort Uthmöden. Auf ihrer Koppel bietet sich der Hobby-Schafzüchterin ein Bild des Schreckens. Von ihren 18 Tieren der Rasse Kamerun Barbados, die sie dort als Wildschafe hält, sind fünf tot. Einige sind regelrecht ausgeweidet, von anderen sind lediglich ein paar Gliedmaßen übrig geblieben. Drei der getöteten Tiere waren hoch tragend, auf der Koppel liegt ein ungeborenes Lamm.

Tränen schießen der Hobbyzücherin in die Augen. „Da drüben liegt ,Omi‘“, sagt Petra Huth. „Omi“ ist das erste Schaf, das die Uthmödenerin vor gut acht Jahren angeschafft hat. Mit diesem Tier begann für sie die Hobbyzucht.

Wer für das Drama verantwortlich ist, ist für Petra Huth klar. „Das waren Wölfe. Das sieht man ganz genau. Hier, ein Kehlbiss. Die müssen in einem regelrechten Blutrausch gewesen sein“, sagt die Uthmödenerin mit Blick auf das angerichtete Chaos. Wildkameras, die sie auf der Koppel angebracht hat, lieferten allerdings keine Bilder. „Das war wohl zu weit entfernt“, meint sie.

Bilder

Noch am Sonntag ruft sie einen Wolfsexperten. Der kommt auch am gleichen Tag, um sich die Schäden anzusehen, Fotos zu machen und alles zu dokumentieren. „Er hat uns geraten, einen weiteren Zaun zu bauen“, sagt die Hobbyzüchterin. Von drei Seiten her ist die Koppel mit Zäunen gesichert, die vierte Seite wird von einem mehr als zwei Meter breiten Wassergraben begrenzt. Die Wölfe müssen wohl von dort her gekommen sein, denn die Zäune sind unbeschädigt.

„Wer pflegt denn den Graben dann, wenn ich hier auch noch einen Zaun ziehe? Das wuchert doch alles zu. Bisher haben die Schafe alles kurz gehalten. Und ich kann hier doch keine Festung bauen“, sagt Petra Huth.

In ihre Trauer mischt sich Wut. „Ich verstehe, wenn man sagt, dass der Wolf geschützt werden muss. Aber irgendwann ist auch mal Schluss“, sagt sie energisch. Dabei gehe es ihr nicht nur um die Sicherheit ihrer Schafe oder ihrer Pferde, die sie von Frühjahr bis Herbst ebenso auf der Koppel hält. „Man muss ja Angst haben, wenn man hier draußen ist“, sagt sie. In den wärmeren Monaten übernachten sie und ihr Lebensgefährte gelegentlich in einem Wohnwagen an der Koppel. Dort haben sie sich eine lauschige Ecke eingerichtet. Auch auf dem Nachbargrundstück würden Familien mit Kindern campen oder feiern, sagt sie. Außerdem ist das Gebiet auch bei Radfahrern und Wanderern beliebt.

Wie es nun weiter geht, weiß Petra Huth noch nicht. Sie bekommt vom Wolfsexperten noch einen Bescheid. Die verbliebenen Tiere hat sie vorerst in einem Stall bei einem Bekannten unterbringen können. Wenn sich die Tiere von dem Erlebten etwas beruhigt haben, wird sie schauen, welche Schafe genau fehlen. Denn von manchen gerissenen Tieren sind nicht einmal die Ohrmarken zurück geblieben.

Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolf des Biosphärenreservates Mittelelbe ist der Wolfsexperte, der sich die angerichteten Schäden am Sonntag angesehen hat. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es Wölfe waren, ist groß. Ob es nun einer war oder mehrere, ist Spekulation“, sagt der Experte.

Er rät Tierhaltern, Vorkehrungen zum Schutz vor dem Wolf zu treffen. Entweder sollten die Tiere nach Möglichkeit abends eingestallt oder entsprechend Zäune aufgebaut werden. So ein Wassergraben wie bei Uthmöden stelle kein Problem für einen Wolf dar, so Andreas Berbig. Er erstellt nun ein Protokoll von dem Vorfall und leitet es an die zuständige Stelle weiter. In Sachsen-Anhalt gibt es eine Leitlinie zum Umgang mit dem Wolf. Sie sieht unter anderem eine finanzielle Unterstützung zum Schutz von Nutztieren vor sowie einen finanziellen Ausgleich für Nutztierschäden.

Die Sorgen und Befürchtungen der Uthmödenerin könne er verstehen. Natürlich sei der Wolf ein Raubtier. „Aus der Erfahrung der vergangenen 15 Jahre heraus, hat es bisher aber noch nie eine Situation gegeben, wo Menschen durch den Wolf gefährdet waren“, sagt Andreas Berbig.

Im Landkreis Börde kommt es immer wieder zu Wolfssichtungen und auch zu Rissen. Beispielsweise gab es bereits am Rande des Stadtwaldes Haldenslebens einen Schafsriss durch zwei Wölfe, auch rund um Wolmirstedt sind Risse bekannt geworden. Auch im Norden in der Altmark gibt es immer wieder Berichte von Rissen. Bekannt ist, dass es in der Colbitz-Letzlinger Heide ein Rudel Wölfe gibt. Von dort strömen sie in die Region aus. Im ganzen Land gibt es laut einem Monitoring-Bericht derzeit 49 Wölfe.