Haldensleben l Noch ist nichts entschieden. Erst im kommenden Jahr werde die Gebührensatzung für die nächsten drei Jahre festgelegt, betont Achim Grossmann, Chef des Haldensleber Abwasserverbandes „Untere Ohre“. „Wir müssen dann schauen, ob wir die Gebühren stabil halten können“, sagt er. Dass die Haldensleber dann mehr für ihre Abwasserentsorgung zahlen müssen, schließt er allerdings nicht aus.

Ein Grund: Klärschlamm. Die Masse, die übrig bleibt, wenn die Abwässer geklärt sind. Für den Abwasserverband ist die Entsorgung dieses Restproduktes zuletzt immer teurer geworden. Grossmann verdeutlicht das mit Zahlen: Noch vor zwei Jahren hätten sie etwa 20 Euro pro Tonne gezahlt, berichtet er, rund 85 000 Euro jährlich habe der Verband damals für die Entsorgung des anfallenden Klärschlamms ausgegeben. Heute seien es etwa 385 000 Euro jährlich, pro Tonne rund 85 Euro. Eine Steigerung um mehr als das Vierfache.

Neue Verordnungen für Klärschlamm

Ursächlich dafür sind veränderte Verordnungen für Klärschlamm und Düngemittel. So ist es heute sehr viel schwieriger als früher, anfallenden Klärschlamm als Dünger auf Äckern auszubringen. Damit sollen weniger Schadstoffe in die Umwelt gelangen können. Heute wird der Klärschlamm vielerorts in Kohleheizkraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen verfeuert.

Allerdings handelt es sich beim Klärschlamm nur eingeschränkt um ein Abfallprodukt. Der Schlamm enthält Phosphor, ein Stoff, der essenziell für das Pflanzenwachstum ist. Eben deswegen hat die Bundesregierung festgelegt, dass Klärwerke diesen Stoff zurückgewinnen sollen. Betroffen sind allerdings nur große Klärwerke, in deren Einzugsgebieten 50 000 Menschen und mehr leben. Die Werke des Haldensleber Abwasserverbands sind davon nicht betroffen. Laut Grossmann leben im gesamten Verbandsgebiet, das Haldensleben und einige Nachbargemeinden umfasst, nur rund 27 000 Menschen.

Von der Regelung profitieren

Tatsächlich könnte Haldensleben von dieser Regelung sogar profitieren. Denn vor etwas mehr als drei Jahren hat sich hier die Firma Seraplant gegründet. Das junge Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, aus der Asche von verbranntem Klärschlamm Phosphor zu gewinnen. Derzeit baut das Unternehmen am Südhafen einen Produktionsstandort, nach eigenen Angaben eine Investition von etwa 20 Millionen Euro. Ab Herbst 2020 sollen dort jährlich 60 000 Tonnen Phosphatdünger hergestellt werden, mindestens 22 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Für die angestrebte Produktionsmenge sind laut Seraplant-Geschäftsführer Torsten Brumme etwa 30 000 Tonnen Klärschlamm-Asche nötig, für die Asche wiederum braucht man etwa 90 000 Tonnen Klärschlamm. Eine Masse, die in der gesamten Region nicht erreicht wird. Zum Vergleich: Laut Grossmann fallen beim Haldensleber Abwasserverband rund 3500 Tonnen Klärschlamm im Jahr an, in ganz Sachsen-Anhalt etwa 60 000 Tonnen.

Keine Verbrennungsanlage

Die Verbrennung übernimmt Seraplant nicht. Dafür wäre eine sogenannte Monoverbrennungsanlage nötig. In Helmstedt ist eine solche Anlage derzeit in Planung, in Bitterfeld-Wolfen ist der Grundstein für eine der größten Anlagen dieser Art in Deutschland gelegt.

Für die Menge an Asche, die Seraplant benötigt, reicht die Anlage in Helmstedt laut Brumme nicht aus. „Wir brauchen zwei Anlagen“, sagt er. Auf welchen Verkehrswegen die Asche nach Haldensleben kommen soll, habe die Firma noch nicht abschließend entschieden.

Ein Riesenvorteil für die Firma wäre, vor Ort in Haldensleben eine Klärschlammverbrennungsanlage zu haben. Darüber würde sich auch Grossmann freuen. Der Klärschlamm aus Haldensleben müsste dann nicht mehr mit Transportkosten zur Entsorgung nach Magdeburg gefahren werden. Seraplant will so eine Anlage allerdings nicht bauen. „Das ist überhaupt nicht geplant“, sagt Brumme.