Haldensleben

Am Markt wird sich nichts drehen

Am Haldensleber Marktplatz soll vorerst alles so bleiben, wie es ist. Der Stadtrat lehnt den SPD-Antrag für einen Kreisverkehr ab.

Von Jens Kusian

Haldensleben l Als „kleines Hirngespinst“ bezeichnete CDU-Fraktionsvorsitzender Mario Schumacher den Antrag der SPD-Fraktion, zu prüfen, ob am Haldensleber Marktplatz ein Kreisverkehr entstehen könnte. „Dieser Antrag ist im Augenblick noch nicht diskussionswürdig“, machte Schumacher den Standpunkt seiner Fraktion deutlich.

Bernhard Hieber warb zuvor als Antragseinbringer noch einmal im Stadtrat für einen Kreisverkehr. Wegen des Umzugs des Landratsamts an die Bornsche Straße sei es in der Haldensleber Innenstadt zu einem erheblichen Verkehrsaufwuchs gekommen. „Und die Verkehrsregelung an dieser Stelle ist sehr schwierig. Es ist zwar kein Unfallschwerpunkt, dennoch sollte der Bereich optimiert werden“, erklärte Hieber.

Als Beispiel für die SPD-Vorstellung führte er den Kreisverkehr in Althaldensleben an der Neuhaldensleber und Hundisburger Straße an. So in etwa, meinte Hieber, sollte auch die Verkehrsführung im haldensleber Stadtzentrum gestaltet werden. „Auch dort wächst der Verkehr, doch es gibt keine Staus.“

Auch wenn es fühestens ab dem Jahr 2030 möglich ist, die Verkehrsführung am Marktplatz neu zu gestalten, ohne dass die für die Umgestaltung des Marktplatzes geflossenen Fördermittel zurückgezahlt werden müssen, „sollten wir jetzt schon darüber nachdenken“, appellierte Hieber.

Das Hauptproblem sei weniger der Verkehr, sondern vielmehr die Unsicherheit der Verkehrsteilnehmer, was die Vorfahrtsregelung am Marktplatz betrifft, so die Erfahrung von Stefan Scholz (Bürgerbewegung HDL). „Staus entstehen dort meist durch die parkenden Lieferfahrzeuge“, meinte er. Daher sei es vielleicht sinniger, dort ein generelles Halteverbot auszusprechen, schlug er vor.

Weil der Marktplatz eben kein Unfallschwerpunkt ist, sei er gegen einen Kreisverkehr, machte Wolfgang Rehfeld (AfD) deutlich. „Ein Kreisverkehr würde das Bild des Marktplatzes zerstören“, argumentierte er zudem.

„Wir haben uns schon damals bei der Neugestaltung des Marktplatzes Gedanken über die Verkehrsführung gemacht“, erklärte Bodo Zeymer (Grüne). Ein Kreisverkehr mache wenig Sinn. „Viel wichtiger ist doch, den Verkehr in der Innenstadt zu entzerren und anders zu regeln“, so sein Aspekt. Gerade dem Argument von Hieber, dass mit einem Kreisel der Innenstadtverkehr flüssiger laufen werde, konnte er nichts abgewinnen.

Auch die Linke-Fraktion hielt nichts vom SPD-Vorstoß. „Was wollen wir denn damit erreichen? Wenn es um einen flüssigeren Verkehr geht, dann wird es für die Fußgänger wieder schwieriger, über die Straße zu kommen“,meinte Klaus Czernitzki. Einen Zebrastreifen anzulegen, sei in einer Tempo-30-Zone sowieso nicht möglich, machte er deutlich. „Und ein Meinungsbild für ein Projekt, das nicht möglich ist, brauchen wir nicht“, erteilte er einem weiteren SPD-Antrag, die Verwaltung solle eine Meinungsbildung unter den Haldenslebern zu diesem Thema initiieren, eine Absage.

Da die Stadt vor dem Jahr 2030 sowieso nichts ändern könne, ohne dass es Geld koste, sprach sich auch Anja Reinke (Grüne) gegen einen Kreisverkehr aus. Eine Bürgerbeteiligung sei zwar generell richtig, aber nicht für ein Vorhaben, dass vielleicht erst in zehn Jahren umgesetzt werden könne, meinte sie.

Auch die Stadtverwaltung hatte sich im Vorfeld der Stadtratssitzung mit dem Thema Kreisverkehr beschäftigt. Ihr Fazit: „Eine Minikreisverkehrsanlage ließe sich (...) nach erster Prüfung, wenn überhaupt, nur mit einem erheblichen Aufwand umsetzen. Die jetzige Straßenführung mit Verkehrsregelung ist 2005 gebaut worden, seitdem sind die Unfallzahlen rückläufig. Die Baumaßnahme ist mit Mitteln aus der Stadtsanierung gefördert worden. Eine bauliche Änderung ohne Rückzahlung der Förderung wäre erst nach 2030 möglich.

Die Einrichtung eines Kreisverkehrs würde die Verkehrssicherheit durch das Überfahren der Fahrbahnteiler, durch entstehende Engstellen in den Bereichen Gehweg Markt und Bülstringer Straße sowie durch Konflikte mit dem Liefer- und Ladeverkehrs der Hagenstraße erheblich beeinträchtigen. Eine Zustimmung der Verkehrsbehörden ist nicht zu erwarten.“