Zur Person

Carsten Stahl ist Schauspieler, Kampfsportler und Gewaltpräventions-Berater. Vielen ist er als Privatdetektiv aus einer RTL2-Sendung bekannt.

Im Jahr 2014 hat Carsten Stahl seine eigene Initiative „Camp Stahl“ gegründet. Mit dem Präventionsprogramm tourt er durch Deutschland und spricht mit Schulklassen über Mobbing, Gewalt und Drogen. Das Credo: mit Respekt und Toleranz gegen Gewalt.

Die Reality-TV-Serie „Stahl: hart gegen Mobbing“ auf dem Sender RTL 2 begann im Jahr 2018. Dort besucht Carsten Stahl wöchentlich eine Schule. (jj)

Haldensleben l Es gab heftige Diskussionen, als im Dezember eine Veranstaltung mit dem bundesweit bekannten Anti-Mobbing-Coach Carsten Stahl kurzfristig abgesagt wurde. Eltern und Schüler waren erbost. Die Meinungen zu den Methoden des Coaches sind umstritten. Doch nun haben sich Privatpersonen zusammengetan und organisieren die Veranstaltung in Eigeninitiative.

Am Mittwoch, 25. März, wird Carsten Stahl die Anti-Mobbing-Veranstaltung unter dem Motto „Haldensleben setzt ein Zeichen – jetzt erst recht!“ nachholen. Diese soll, wie auch für den Dezember geplant, in der Ohrelandhalle stattfinden. Der Landkreis bestätigt, dass die Nutzungsgenehmigung für die „Vorbereitung und Durchführung eines Workshops/Projektes – Prävention gegen Mobbing“ erteilt wurde.

Hauptorganisator ist Henning Schneider, bei dem auch schon im Dezember die Fäden für das Projekt mit Stahl zusammenliefen. „Die Eltern sind Feuer und Flamme für das Projekt“, sagt er. Ein sechsköpfiges Team habe sich mit zahlreichen Eltern und Schülern für das Projekt eingesetzt.

Neu im Team ist Dirk Lenz, seinerseits Einrichtungsleiter der Begegnungsstätte „Kids & Co.“ am Süplinger Berg. Er betont jedoch, dass er sich privat engagiere. „Wir wollten das Projekt trotz Absage unbedingt nach Haldensleben holen“, sagt er. Die Kinder und Jugendlichen hätten sich auf den Anti-Mobbing-Coach gefreut und seien sehr enttäuscht gewesen, dass die Veranstaltung abgesagt wurde.

Absage von Schulen

Der Hintergrund: Eine Woche bevor Carsten Stahl zu 900 Schülern aus dem gesamten Landkreis sprechen sollte, sagten plötzlich massenhaft Schulen ab. Als Grund für die Absage sollen einige Schulleiter im persönlichen Gespräch mit Henning Schneider von „Druck von oben“ gesprochen haben. Carsten Stahl wetterte beim sozialen Netzwerk Facebook über jene, die seine Arbeit kritisierten. Schneider betont, dass diese Polemik dieses Mal nicht erwünscht sei.

Der muskelbepackte und bis zum Hals tätowierte Carsten Stahl ist durchaus umstritten. Experten werfen ihm vor, dass er kein Sozialpädagoge ist, seine Methoden fragwürdig und seine Arbeit nicht langfristig angelegt sei. Stahl hält dagegen, dass der Erfolg seines Programm „Stoppt Mobbing“ ihm recht gebe: mehr als 54 000 Schüler habe er in den vergangenen sechs Jahren bereits gecoacht.

„Ich habe bereits im Dezember gesagt, dass ich gern nach Haldensleben komme, wenn ich gerufen werde“, sagt Carsten Stahl. Jetzt habe sich eine Kampagne von Bürgern für Bürger entwickelt, die er unterstützen will. Um das Engagement der Haldensleber zu würdigen, hat Carsten Stahl das Präventionsprojekt kostenlos angeboten.

Nun sollen drei Euro Unkostenbeitrag fällig werden, die für die Ordner und Rettungskräfte vor Ort genutzt werden. „Wenn von den Eintrittsgeldern etwas übrig bleibt, wollen wir dieses Geld für soziale Zwecke spenden“, sagt Henning Schneider. In der kommenden Woche wird mit der Werbung für die Veranstaltung begonnen, dann werden auch Anlaufstellen für den Kartenvorverkauf veröffentlicht.

Geht es nach Dirk Lenz, sollten nicht nur Kinder ab zehn Jahren die Veranstaltung besuchen, sondern auch Eltern, Lehrer und pädagogische Kräfte. Die Veranstaltung wurde auf 16 Uhr gelegt, damit auch Schüler sie besuchen können. „Ich sehe das als ganz wichtiges Werkzeug, um Mobbing-Situationen zu erkennen und zu bewältigen“, sagt der Erzieher. Er arbeite selbst in einem sozialen Brennpunkt, Mobbing sei nahezu jeden Tag Thema. Dass das Problem mit einem einzigen Auftritt von Stahl nicht gelöst werde, sei ihm bewusst, aber „wir müssen die Leute wachrütteln“.