Wedringen l Tiefe Furchen durchkreuzen das Feld an der B71 zwischen Wedringen und Vahldorf. Labyrinthartig reihen sich Erdhügel aneinander. Was für den Betrachter nach einem Durcheinander aussieht, ist für die Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine systematische Suche auf den Spuren der Menschheitsgeschichte. Und die Altertumsforscher sind fündig geworden – obwohl die Grabungen selbst noch gar nicht begonnen haben.

Im Oktober nahmen die Archäologen in einem sogenannten Dokumentationsabschnitt Proben des Bodens. Dabei wurden die oberen Bodenschichten bis zu einen Meter tief in verschiedenen Bahnen abgetragen und untersucht. „Wir haben knapp 200 Funde ausmachen können. Das ist sehr viel Material für eine solche Probe“, sagt Susanne Friederich, Abteilungsleiterin der Bodendenkmalpflege des Landesamtes.

Funde sind ein Novum

Zahlreiche Knochen und Teile von Gefäßen fanden die Archäologen im Untergrund von Wedringen. „Die Funde sind ein absolutes Novum. Es wurde noch nie ein Gräberfeld in dieser Größe aus dem vierten Jahrtausend gefunden“, erklärt Friederich. Demnach könnte in der Zeit der sogenannten Rössener Kultur ein Scheiterhaufen in Höhe der heutigen Feldküche für Feuerbestattungen genutzt worden sein.

Um die Hintergründe genauer zu erforschen, werden die Archäologen ab März auf der gesamten Fläche an der B71 nach weiteren Befunden graben. Für die Archäologen beginnt dann die spannendste Zeit ihrer Arbeit. „Wir erforschen ein neues Stück Menschheitsgeschichte durch die Grabungen in Wedringen“, so Friederich. „Die Funde lassen Großes erhoffen.“

Die Bauarbeiten zur Ortsumgehung Wedringen werden von den Altertumsforschern nicht beeinträchtigt. Der Straßenbau ist in diesem Bereich erst für das Jahr 2019 vorgesehen, wie die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt mitteilt. „Bis dahin wird das Feld den Archäologen überlassen. Der Zeitplan wird eingehalten“, sagt Susanne Friederich.

Ortschaft ist umgeben von historischen Gr

Die archäologischen Grabungen rund um Wedringen fördern bereits das zweite Gräberfeld zutage. Bereits im November wurden bei Grabungen zwischen Wedringen und Haldensleben Knochen gefunden, die auf ein Gräberfeld hinwiesen. Nun kommt der Scheiterhaufen am anderen Ende des Ortes hinzu.

Die Proben werden nun allesamt archiviert, gereinigt und markiert. Anschließend erhält die Baubehörde einen abschließenden Bericht darüber. Doch auch die Öffentlichkeit geht nicht leer aus, wie Susanne Friederich erklärt: „Wir könnten uns vorstellen, die Funde nach genauer Dokumentation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Bis dahin bleiben die seltenen Funde aus Wedringen in dem Hallenser Landesamt hinter verschlossenen Türen.