Coronavirus

Astrazeneca als Ladenhüter? Wie sich die  Impfstoff-Debatte im Landkreis Börde auswirkt

Das Hin und Her um den Impfstoff Astrazeneca hat viele Menschen verunsichert. Deswegen wurde das Präparat in der Börde nur noch auf freiwilliger Basis an über 60-Jährige verimpft. Nach einer Woche zieht das Impfzentrum in Haldensleben Bilanz.

Von Juliane Just

Haldensleben. Zuerst wurde das Präparat von Astrazeneca Mitte März 2021 nur für unter 65-Jährige freigegeben, zwei Wochen später nur für über 60-Jährige. Die Menschen sind zurecht verunsichert, wenn es um den schwedisch-britischen Impfstoff geht. Verkommt das Präparat von Astrazeneca nun zum Ladenhüter?

„Nein, definitiv nicht“, sagt Katrin Baier. Sie ist ärztliche Leiterin Impfen im Impfzentrum Haldensleben. Das Expertenteam entschied in der Woche vor Ostern, den über 60-Jährigen die Wahl zu lassen, ob sie mit Astrazeneca geimpft werden wollen oder nicht. „Wir wollen nicht festlegen, dass alle Personen über 60 Jahren mit Astrazeneca geimpft werden müssen. Wir wollen damit sensibel umgehen“, erklärte Katrin Baier die Entscheidung. Fazit: Von 3400 Dosen, die laut Baier an Ostern im Impfzentrum ankamen, wird eine Woche später keine Dose mehr im Kühlschrank sein.

„Die über 60-Jährigen sind für das Impfangebot dankbar und nehmen es gern an, unabhängig vom Impfstoff“, bilanziert die Ärztin die Beobachtungen. Zwar sei bei dem Impfstoff durch das Hin und Her in der Vergangenheit mehr Beratung notwendig, doch eine Abneigung dagegen habe sie nicht bemerkt – im Gegenteil.

Impfungen bei Hausärzten möglich

Nun werden auch mehrere Hausarztpraxen im Landkreis von dem Impfzentrum mit Impfstoff beliefert. Mit neun Ärzten in Wolmirstedt, acht in Oschersleben, neun in Wanzleben und 15 in Haldensleben werden die Präparate in der Bevölkerung verimpft. Des weiteren sind zahlreiche weitere Hausarztpraxen, die sich die Impfstoffe eigenständig besorgen, mit in die Impfungen eingestiegen. „Damit kann die Impfkampagne Fahrt aufnehmen“, so Baier. Doch der Unterschied zwischen den Dosen, die bestellt und wurden jenen, die tatsächlich ankamen, sei ernüchternd gewesen. „Da geht es den Hausarztpraxen wie dem Impfzentrum: Wir sind abhängig vom Impfstoff, der geliefert wird“, sagt sie.

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSA) wurden allein zum Start der Hausarztimpfungen am 7. April insgesamt fast 11.000 Patienten in Sachsen-Anhalts Praxen gegen das Coronavirus geimpft. Die KVSA bittet grundsätzlich darum, von Anfragen in den Hausarztpraxen abzusehen. „Da auch für die Praxen zunächst nur begrenzte Mengen Impfstoff zur Verfügung stehen, kann es noch ein bisschen dauern, bis alle Patienten ein Impfangebot ihrer Praxis erhalten können“, sagt Ulrich Apel, Facharzt für Allgemeinmedizin Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt für den Bereich Wolmirstedt.

Dezentrales Impfen in acht Gemeinden

Für die kommende Woche seien alle Impftermine gesichert. Das betrifft zum einen die Termine im Impfzentrum in Haldensleben als auch das dezentrale Impfen, bei dem über 80-Jährige in der Nähe ihres Wohnortes von einem mobilen Team geimpft werden. In der kommenden Woche sind die Teams zum einen in Wolmirstedt und Wanzleben, in denen bereits die Zweitimpfung auf dem Programm steht. Außerdem wird das dezentrale Impfen auch in Langenweddingen (Sülzetal), Samswegen (Niedere Börde), Colbitz (Elbe-Heide), Eilsleben (Obere Aller), Bornstedt (Hohe Börde) und Gröningen (Westliche Börde) vorgenommen.

Die ursprüngliche Überlegung, das dezentrale Impfen in einer zweiten Runde auch über 70-Jährigen anzubieten, ist laut Landkreis-Pressesprecher Uwe Baumgart vom Tisch. „Die Impfwilligen haben sich in dieser Zeit bereits beim Impfzentrum oder über die Hausarztpraxen Termine besorgt“, so Uwe Baumgart. Das dezentrale Impfen sei ein wichtiges Angebot für die Bevölkerung, aber auch ein logistischer Kraftakt für das Team des Impfzentrums.

Doch wie steht es um diejenigen unter 60 Jahren, die bereits die erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben? Die Ständige Impfkommission empfiehlt für die zweite Impfung auf ein anderes Präparat umsteigen. Doch auch das verunsichert viele Geimpfte. Dabei betont Katrin Baier, dass bei einer Impfung mit zwei unterschiedlichen Präparaten grundsätzlich keine Gefahr für den Geimpften ausgeht. Aber sie sagt auch: „Es gibt noch keine wissenschaftliche Grundlage, wie hoch der Impfschutz dann für die Personen ist.“ Die Ärztin betont jedoch, dass die zweite Impfung in jedem Fall „zwingend erforderlich“ ist – egal welches Präparat bei der Erstimpfung verwendet wurde.