Haldensleben l Ganz vorsichtig buddelt sie sich voran. Nur mit einem Spatel geht es tiefer in die Erdschicht – ein großer Spaten könnte antikes Material, das eventuell noch im Erdreich schlummert, zerstören. Als Grabungshelferin Kathrin Riesenberg auf einen Widerstand stößt, wird das Werkzeug noch kleiner. Sie gräbt sich langsam voran, bis eine Tasse zum Vorschein kommt. Das Archäologenherz schlägt höher.

Mehrere Keramikscherben konnte das sechsköpfige Grabungsteam am künftigen Wohngebiet Gänsebreite/Neuenhofer Straße zutage befördern. Dieses soll laut Stadtverwaltung voraussichtlich ab Mitte 2021 vermarktbar sein. Doch bis es soweit ist, können die Archäologen einige Monate auf dem Areal, das etwa drei Fußballfelder groß ist, graben. Stück für Stück arbeiten sie sich dabei voran.

Verfärbungen im Boden suchen

Dafür teilen sie das Gebiet in verschiedene Abschnitte, die jeweils abgearbeitet werden. Ist die Fläche von einem Bagger glattgezogen worden, schauen die Archäologen nach Verfärbungen des Bodens. „Sie geben uns Hinweise auf Befunde“, sagt Marcel Röder. Anschließend werden Quadrate ausgehoben, in denen weiter in die Tiefe gegraben wird. Ist ein Fund zutage befördert worden, wird er vorerst in einem Plastikbeutel gelagert. Später wird er gewaschen und gereinigt und zum Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle transportiert.

Zahlreiche solcher Fundstücke haben die Archäologen auf der Gänsebreite bereits gefunden. Dabei handelt es sich größtenteils um Keramik. „Wir haben viele grobe Scherben gefunden, die auf unverzierte Gebrauchskeramik hindeuten“, so der Grabungsleiter.

Doch nicht nur die kleinen bis mittelgroßen Gefäße weisen auf eine frühere Besiedlung des Gebietes hin, auch Pfostenstellungen wurden gefunden. Sie können später rekonstruiert werden. „Es ist eine Systematik erkennbar. Wahrscheinlich handelt es sich um Häuser“, erklärt Marcel Röder.

Früher schon bewohnt

Das bedeutet: In dem Gebiet an der Gänsebreite haben sich bereits früher Menschen niedergelassen. Die Funde zeigen sogar verschiedene Zeiten. Einige Scherben können auf etwa 2500 v. Chr. datiert werden, andere auf etwa 800 v. Chr. „Wir haben im westlichen und im östlichen Teil wahrscheinlich verschiedene Siedlungen entdeckt“, sagt Marcel Röder. Der Siedlungsraum wurde also mehrmals aufgesucht. Der Grund dafür könnte laut dem Grabungsleiter die günstige Lage zur Ohre sein.

Nachdem Kathrin Riesenberg ihren Fund gefeiert hat, ist die Arbeit jedoch nicht vorbei. So wird die Tasse, die sie gefunden hat, noch fotografiert, gezeichnet und genau dokumentiert, bevor sie aus der Erde kommt. Die Haldensleberin ist fasziniert von der Arbeit: „Ich habe auch schon rund um Wedringen die archäologischen Grabungen begleitet.“

Der Moment, in dem man auf etwas stößt, sei ein ganz besonderer, sagt sie. Rund um Wedringen haben die Archäologen bereits das zweite Gräberfeld zutage befördert. Zwischen Haldensleben und Vahldorf handelte es sich um einen Scheiterhaufen, auf dem Leichen zur Bestattung verbrannt wurden.