Schackensleben l Die Schau der Reisevereinigung Haldensleben ist schlichtweg der Anlaufpunkt für Taubenfreunde in der Region. „Früher waren das natürlich viel mehr“, sagt Flugleiter und Preisrichter Klaus-Dieter Kuno aus Nordgermersleben. „Nachwuchs haben wir leider keinen mehr.“ Er und die Richter Werner Jasper (Schermcke) und Christian Grossi (Nachterstedt) gehören zu den sechs Aufrechten, die in Sachsen-Anhalt noch offiziell befähigt sind, die Tiere entsprechend zu bewerten.

„Nachwuchs suchen wir auch auf diesem Gebiet“, erklärt er. „Neulinge laufen erst einmal drei Jahre quasi bei den Veranstaltungen mit, ehe sie dann eine Prüfung in Nordrhein-Westfalen absolvieren müssen.“ Das schrecke doch schon etwas ab. Die drei Preisrichter nahmen die Tiere in Schackensleben unter die Lupe. Von den noch 96 Mitgliedern der Reisevereinigung haben 28 ihre Lieblinge präsentiert, das waren immerhin 216 Tauben in zehn Klassen.

Tausende Kilometer absolviert

Den schönsten Vogel stellte Wolfgang Sirek, das Weibchen Willfried Söder, bei den besten Leistungstauben zeigte Letzterer wiederum den besten Vogel , das beste Weibchen stellte die Schlaggemeinschaft (SG) Schenk. Übrigens war diese SG mit 12 Preisen bei 12 Setzungen genau so oft erfolgreich.

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Bester Gesamtaussteller in Schackensleben wurde Willfried Söder. Er wartete auch mit dem Vogel für die höchste Lebensleistung auf, der es auf 63 Preise in 21.535 Kilometern brachte. Die SG Schenk präsentierte eine weibliche Taube mit 43 Preisen in 13.874 Flugkilometern. „Die Entfernungen sind dabei nur relativ und auf dem Papier zu sehen, als mittlere Berechnung“, erläutert Kassenwart Jörg Schenk. „Eine Taube fliegt nicht einfach nur geradeaus, sie absolviert einen immer wieder abweichenden Kurs. So ergeben sich eigentlich noch ganz andere reale Weiten.“

Er muss es wissen, als Schlaggemeinschaft mit Sohn Thorsten, dem Vorsitzenden der Reisevereinigung, lassen die zum Start der Flüge zunächst 70 und dann 50 Tauben auf die Reise gehen. Dabei gibt es 12 Alttier- und sechs Jungtierflüge in der Saison. Diese zieht sich von Mitte April bis zum September.

Tierwohl im Fokus

„Da ist man praktisch jedes Wochenende unterwegs“, berichtet Jörg Schenk. „Die Auswertung verläuft inzwischen aber anders als früher. Alles ist elektronisch geregelt und wird auch so aufgezeichnet.“ Die Tiere wurden früher mit der Bahn zum Startort gebracht – heute geschieht das per Spezial-Lkw. „Auch die Art und Weise hat sich angepasst“, erzählt der erfahrene Züchter weiter. „Die Unterbringung erfolgt klimatisiert, es sind Pausen vorgeschrieben, die für die Versorgung vorgesehen sind.“

Kritik an der Verfahrensweise lässt er daher nicht zu. „Die Argumente von radikalen Tierschützern kann man so nicht stehen lassen, da diese oft die heute üblichen Verfahren und Gesetze völlig außerhalb ihrer Betrachtungen lassen“, äußert er sich. „Das Wohl der Taube steht absolut im Mittelpunkt.“

Zudem seien die Tiere in der heutigen Zeit nahezu handzahm. „Es gibt Fälle, da springen die Tauben schon auf den ausgestreckten Arm des Züchters“, sagt er. „Wir lieben unsere Tiere.“

Umso mehr wurmt ihn und seine Mitstreiter der doch merkliche Rückgang an Interessenten für diesen Taubensport. „Zu den Ausstellungen kommen vornehmlich Experten und echte Fans“, erzählt er. „Großeltern bringen ihre Enkel mit.“ Eine Taubenausstellung sei für den Laien nicht so spannend wie beispielsweise eine Kleintierausstellung. „Der Normalbesucher sieht einfach nur Tauben, wir sehen als Züchter natürlich gravierende Unterschiede in den Klassen“, merkt er schmunzelnd an.