Hochwasser

Autofreund aus Oebisfelde startet Aktion für Notfallsanitäter aus Nordrhein-Westfalen

Nach dem verheerenden Hochwasser in Nordrhein-Westfalen gibt es deutschlandweit Hilfsaktionen - so auch aus Oebisfelde. Weil der Geländewagen eines Gruppenmitglieds den Fluten zum Opfer fiel, haben Autofreunde eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Von Juliane Just 20.07.2021, 15:45 • Aktualisiert: 20.07.2021, 16:18
Der Geländewagen von Markus Sonn wurde bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen zerstört, als die Garage mit Wasser volllief.
Der Geländewagen von Markus Sonn wurde bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen zerstört, als die Garage mit Wasser volllief. Foto: Markus Sonn

Oebisfelde/Stolberg - „Es ist wie im Krieg, als hätte eine Bombe eingeschlagen“, sagt Markus Sonn und man hört ihm an, dass die letzten fünf Tage ihm in den Knochen stecken. Als Notfallsanitäter war er seit Beginn der Flutkastastrophe in seinem Heimatgebiet rund um Stolberg bei Eschweiler im Einsatz. Vollgelaufene Keller, hilflose Menschen, evakuierte Personen - und überall Schlamm und Schutt. „Es ist ein reines Funktionieren. Die Rettungskräfte und Kollegen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerks sind nur am Rennen“, beschreibt er die Krisenlage vor Ort. Seine Frau Claudia ist Rettungssanitäterin, auch sie ist seit fünf Tagen nahezu ununterbrochen im Einsatz.

Markus und Claudia Sonn wohnen in der Gemeinde Roetgen, an der Grenze zu Belgien. Ihr Haus blieb unversehrt, doch der Geländewagen, ein Terracan des südkoreanischen Automobilherstellers Hyundai, ist hinüber. Mit der riesigen Ladefläche ist es ihm möglich, seine Pferde, Hühner und weitere Tiere zu versorgen. Der ideele Wert seines „Terris“ jedoch liegt weitaus höher. Um das Fahrzeug vor Schäden zu bewahren, hat Markus Sonn im benachbarten Stolberg eine Garage angemietet. Dass diese bis zum Dach vollaufen und das Auto vollständig zerstören würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Überwältigt von der Spendenaktion

„Andere haben alles verloren, bei uns ist es nur ein Auto“, sagt Markus Sonn. Das Auto sei sein ein und alles, die Schadensumme beträgt 7000 Euro - trotzdem gebe es Menschen, die in den Fluten ihr Leben gelassen haben. Umso überwätigter sind er und seine Frau von einer Spendenaktion, die aus Oebisfelde gestartet wurde. Dort saß Karsten Schumann vor seinem Computer und sah in der 700 Mann starken Facebook-Gruppe „Hyundai Terracan Fahrer“, was Familie Sonn passiert ist und wollte helfen - und das, obwohl er die beiden nicht persönlich kennt.

Der Oebisfelder ist ein Terracan-Liebhaber und schraubt in seiner Freizeit an dieser Art Geländewagen. Einer davon steht ungenutzt auf seinem Hof, mit Hilfe aus der Gruppe könnte man ihn wieder in Schuss bringen und Familie Sonn zur Verfügung stellen. „Zuerst fragten wir die Gruppenmitglieder nach Autoteilen. Reifen, Zahnriemen oder Wasserpumpe waren schnell gefunden und sind mitunter sogar schon bei mir angekommen“, sagt Karsten Schumann.

Aktion zieht weite Kreise

Die Aktion wurde schnell größer und ging über die Facebook-Gruppe hinaus. Inzwischen gibt es eine Spendenaktion beim Online-Bezahldienst Paypal, aus dem Menschen aus ganz Deutschland für den „Terri“ spenden. Insgesamt 2400 Euro sind dort binnen vier Tagen zusammengekommen.

„Wir wollten den beiden als Gemeinschaft helfen, weil sie ihr Leben lang anderen helfen. So konnten wir etwas zurückgeben“, erklärt Karsten Schumann de Hintergrund der Aktion. „Der Zusammenhalt unter den Terracan-Fahrern ist enorm. Es ist absolut überwältigend.“ Die beiden Terracan-Fahrer sind gerührt von der Hilfe, wie Markus Sonn sagt: „Wir sind es nicht gewohnt, dass Menschen sich so für uns einsetzen. Es ist absolut unbeschreiblich.“

In den kommenden Monaten wird das Fahrzeug dann in der Oebisfelder Werkstatt von Karsten Schumann mit Hilfe der Spendengelder aufgepäppelt.