Landwirtschaft

Bauern in Uhrsleben und Hakenstedt werden innovativ

Landwirtschaft und Naturschutz - zwei Komponenten, die sich immer weniger ausschließen. Um den natürlichen Artenschutzreichtum zu erhalten, bemühen sich Landwirte um mehr Vielfalt auf und neben ihren Feldern.

Von Carina Bosse
Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen Vielfeld mit einem Pilotprojekt bei Hannover begonnen, das nun auch in der Börde angekommen ist.
Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen Vielfeld mit einem Pilotprojekt bei Hannover begonnen, das nun auch in der Börde angekommen ist. Foto: Vielfeld

Uhrsleben/Hakenstedt - Zur Förderung und zum Erhalt der Artenvielfalt setzt das noch sehr junge Start-up-Unternehmen Vielfeld aus Gehrden bei Hannover seit März 2021 bundesweit regionale Naturschutzprojekte in der Landwirtschaft um. Dazu kooperieren die fünf Gründer  unter anderem mit der Landwirtsfamilie von Graeve und schaffen auf 10 000  Quadratmetern blühende Felder als wertvollen Lebensraum.

Unter dem Motto „Bunte Börde“ soll ein Gemeinschaftsprojekt entstehen, das durch ein- und mehrjährige Blühpatenschaften ermöglicht wird. Dafür sucht das Vielfeld-Team jetzt auf verschiedenen Wegen und über ihre Online-Plattform nach unterstützungswilligen Paten und Unternehmen.  „Der massive Rückgang der Biodiversität begründet diesen neuen Ansatz in der Landwirtschaft“, sagt Janis Eickmeier, einer von fünf Gründern des Start-up. Die entstehenden Flächen bieten die nötige Nahrungsgrundlage für viele Insekten und Singvögel. Außerdem werden Rückzugsorte für zum Beispiel Feldhase, Rebhuhn oder Reh geschaffen.

Landwirtin Lena von Graeve, die das Familienunternehmen, derzeit geführt von Vater Andreas von Graeve, in der Zukunft übernehmen und erhalten möchte, betont: „Wir lieben das Arbeiten in und mit der Natur im Wechsel der Jahreszeiten.“

40 verschiedene Pflanzenarten

Mit über 40 verschiedenen Pflanzenarten sät sie mit der Familie ein hochwertiges und vielfältiges Saatgut aus, so dass Blumen über einen langen Zeitraum von Juni bis Oktober blühen und damit die Grundlage für Versorgung und Schutz vieler  Tiere legen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Naturschutzprojekten ist der Nutzen vergleichsweise schnell erreicht. Die Projekte sind in heimischen Regionen angesiedelt und direkt am Feldrain sichtbar.

Das Schöne an dem Projekt: Jeder kann sich beteiligen. Es kann unter www.bunteboerde.de mit einem Euro pro Quadratmeter unterstützt werden und eignet sich sogar als Geschenk. 

„Die Paten erhalten neben einem Zertifikat ganzjährig zur Entwicklung des,persönlichen Feldstücks’ eine Blühpost-Mail“, verspricht Janis Eickmeier. Im Sommer sei die blühende Fläche ein geeignetes Ausflugsziel für erholsame Spaziergänge oder Fahrradtouren, zumal ganz in der Nähe weiterer Naturschutz-Projekte wie der Weidelandwirtschaft im Seelschen Bruch zu finden sind. Lena von Graeve erzählt: „Das erstaunliche Wachstum einer Pflanze ist atemberaubend zu beobachten.“ Die Studentin möchte Paten nach Absprache gern auch persönlich am Feldrand treffen, um ihnen Einblicke in den landwirtschaftlichen Alltag zu bieten. „Wir müssen Früchte entdecken, die mit weniger Pflanzenschutz auskommen. Das größte Risiko für einen in Generationen denkenden Landwirt – wie viele - ist jedoch die ständige Richtungsänderung der Politik. Hierfür wünschen wir uns mehr Konstanz“, sagt Lena von Graeve. Es sei ihr ein Anliegen, mit den Verbrauchern selbst in Kontakt zu kommen und die Produkte auf diese Weise direkter zu vermarkten. Die Blühpatenschaften böten dafür einen guten Anlass.

Pilotprojekt aus Hannover

Die Idee des Start-up, einzelne regionale Projekte deutschlandweit anzustoßen und zu unterstützen, beruht auf einem im vergangenen Jahr gestarteten Pilotprojekt in der Region Hannover. Dort hat Mitgründer und Junglandwirt Helge Hische viele Menschen aus Stadt und Land für die Blühflächen auf seinem Hof verbinden und begeistern können.

Nun möchte er gemeinsam mit den weiteren vier Gründern in Regionen wie der Börde aktiv werden. Mit den gewonnenen Erfahrungen und weiteren Kompetenzen im Team aus den Bereichen Biologie, Kommunikation und IT vereinfacht „Vielfeld“ die Realisierung von Naturschutzprojekten für landwirtschaftliche Höfe enorm.

Zusätzlich soll durch einen eigenen Blog und die sozialen Medien über Themen aus der Landwirtschaft informiert und Zusammenhänge aufgeklärt werden. Als wissenschaftlichen Partner konnte die Georg-August-Universität Göttingen gewonnen werden. Zur Umsetzung der Maßnahmen steht diese sowie weitere Experten aus der Wissenschaft dem jungen Team beratend zur Seite. Die Gründer möchten mit Unterstützung auch langfristig den Nutzen der Maßnahmen messbar machen und den Naturschutz stärker in die Landwirtschaft integrieren.