Haldensleben l Wer eine Frage zu Kinderbüchern hat, der ist bei ihr richtig. Dann springt Herta Springborn auf und ist als Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek ganz in ihrem Element. Sie weiß, welches Buch zu welcher Leseratte passt. Zahlreichen Kindern in Haldensleben und Umgebung hat sie den Spaß am Lesen nähergebracht. Nun gibt sie ihr Amt nach fast 26 Jahren auf.

„Irgendwann muss man sich entscheiden und ich habe eine Entscheidung getroffen“, sagt die 62-Jährige. Eine Woche lang wird sie noch in den Bücherregalen wühlen, bis sie ihre letzten Sachen zusammenpackt und nach all den Jahren die Tür hinter sich schließt.

In Dresden studiert

Dass Herta Springborn Bibliothekarin geworden ist, nennt sie selbst einen „Glücksfall“. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, begann im Jahr 1976 dafür ein Studium in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Aufgrund von Krankheit musste sie das Studium abbrechen. „Der Direktor sagte damals zu mir: Sie lesen doch gern. Werden sie Bibliothekarin“, erinnert sich Herta Springborn. Und das machte sie dann auch. Vier Jahre studierte sie an der Hochschule in Leipzig. Mit dem Abschluss in der Hand bewarb sie sich im Jahr 1981 in der Haldensleber Bibliothek. Für ein Jahr vertrat sie eine Kollegin im Babyjahr, dann konnte sie bleiben. Drei Jahre später wurde Herta Springborn Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek.

Bis heute steckt sie viel Zeit in ihre Projekte, die sie mit Kindern und Jugendlichen angeht. Viele Lesungen, Wettbewerbe und Mitmachangebote hat Herta Springborn über die Jahre etabliert. „Ich liebe die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Jede Altersgruppe ist anders“, sagt sie. Sie schlüpfte in viele Rollen, spielte für die Kleinen auch den Clown und gewann damit ihr Vertrauen. „Ich habe immer gesagt, was wir hier besprechen, bleibt auch hier“, betont Springborn. Ihre liebevolle Art wissen viele kleine und große Nutzer der Bibliothek zu schätzen.

Den Beruf gelebt

„Ich habe viel Freizeit in meine Tätigkeit investiert und den Beruf wirklich gelebt“, sagt Herta Springborn. Man merkt ihr an, dass der Abschied ihr schwerfällt. Der Buschfunk war schneller, als sie gedacht hätte. Viele Nutzer wollen sich noch verabschieden und rühren sie mit ihren Worten zu Tränen.

Doch die Haldensleber müssen nicht auf Herta Springborn verzichten, einige Projekte begleitet sie trotzdem. „Ganz loslassen kann ich noch nicht, die Leser werden mich weiterhin sehen“, sagt sie und schmunzelt. Erst einmal möchte sie „herunterfahren“, wie sie sagt, und sich Zeit für ihre Enkelkinder nehmen. Sie bleibt also Vorleserin, so oder so.