Rätzlingen l „Was Gold, Kohle, Erdöl und Gas für die Staaten des 19. und 20. Jahrhunderts waren, sind Daten und Informationen für das 21. Jahrhundert. Jeder Mensch, der mit der neuen Zeit mithalten möchte und muss, braucht den ungehinderten Zugang zu diesem wertvollen Schatz“, sagte gestern Hans-Werner Kraul (CDU), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen. Er begrüßte Gäste zur feierlichen Inbetriebnahme des schnellen Internets in den Orten Rätzlingen, Kathendorf, Lockstedt, Everingen und Seggerde.

Kraul erinnerte an die Schwierigkeiten, die es in den letzten vier Jahren bei der Planung und Durchführung gab: „Die Kommune als Dienstleister hat in Ermangelung tatsächlicher Alternativen selbst das Zepter des Handelns in die Hand genommen.“ Dies hätte die Einheitsgemeinde – nach Ansicht des Bürgermeisters – aber nicht gekonnt und auch nicht gewagt, wenn sie nicht verlässliche Partner gefunden hätte.

„Unser Dank geht daher an die Menschen, die trotz einiger Turbulenzen nicht den Glauben an unser gutes Werk verloren haben“, sagte der Gemeindechef. Er lobte den Bund als Fördermittelgeber, der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) „Breitband Börde“ des Landkreises Börde, dem Projektsteuerer, dem Netzbetreiber, den bauausführenden Firmen, den Mitarbeitern der Verwaltung und den Mandatsträgern, die mit ihren Entscheidungen den Weg ermöglicht haben.

Daniel Knohr, Regionalleiter für Sachsen-Anhalt der atene KOM, dem Projektträger des Förderprogrammes, hob die Erschließung des Breitbandes im ländlichen Raum hervor. „Wir brauchen alle den Zugang zur digitalen Welt, nur dann können wir vom Wachstum profitieren“, betonte Knohr. Nach seinen Ausführungen investiert die Bundesregierung 4,1 Milliarden Euro, um Glasfaser in jeder Region Deutschlands anbieten zu können.

453 Häuser angeschlossen

Im Cluster eins wurden im Auftrag der Stadt Oebisfelde-Weferlingen in den Orten Rätzlingen, Kathendorf, Lockstedt, Seggerde und Everingen über 97 000 Meter Kabellänge verlegt. Dabei wurden im ersten Bauabschnitt 470 Kunden und damit 435 Häuser angeschlossen. Die Gesamtkosten betragen für das erste Cluster etwa 4 Millionen Euro.

Seit 2010 warten die Einwohner auf das schnelle Internet. Holger Haupt, Koordinator für den Breitbandausbau im Landkreis Börde, beschrieb die Inbetriebnahme als Abschluss eines langen Abschnittes. „Es ist ein einmaliges Projekt im ländlichen Raum“, betonte Haupt. Er erklärte, dass es in der Region eine Quote von unter 20 – teilweise sogar unter zehn – Einwohner pro Qua- dratmeter gebe. „Das sind hier finnische Verhältnisse. Es ist ein unwahrscheinlicher Anspruch, in den dünn besiedelten Regionen auch Glasfaser zu verlegen“, sagte der Koordinator und bezeichnet die Erschließung als eine Mammutaufgabe. Vier Jahre lang wurde um die beste Lösung gestritten und diskutiert. Dann wurde endlich gebaut. „Nun ist es da – das schnelle Internet“, triumphierte Haupt.

Erleichtert ist auch Wilhelm Behrens, der einstige Ortsbürgermeister von Rätzlingen, dass die Breitbanderschließung des Ortes nun Geschichte ist. Als Vertreterin der Jugend und damit als künftige Nutzer durfte die vierjährige Amelie, die zu den Kindern der Tagesstätte „Drömlingsspatzen“ gehört, mit auf den Buzzer drücken. Die Mädchen und Jungen sangen vom Licht im Advent. Kraul erklärte: „Wenn man die einzelnen Glasfasern vom ersten verlegten Cluster aneinander reihen würde, dann würde es 14,5 Mal um den Erdball reichen.“

In den nächsten Tagen sollen in Rätzlingen die Haushalte nacheinander zu geschaltet werden. „In der Regel gibt es bis zu 500 Megabit pro Sekunde“, sagte Haupt. Nach seinen Ausführungen sollen die letzten Orte der Einheitsgemeinde in den Jahren 2020/21 verbunden sein. Der nächste Bauabschnitt steht im Februar 2020 in Eickendorf, Klinze und Etingen auf dem Plan.