Tourismus

Calvörde möchte Naherholungsgebiet Grieps wieder beleben

Das Naherholungsgebiet Grieps soll lebendiger werden. Zur Erweiterung des touristischen Angebots ist ein gläserner Anbau, der mit Fördergeldern aus dem Leader-Programm errichtet werden soll, geplant. Groß ist die Hoffnung der Gemeinde Calvörde, dass die Förderung des Wintergartens für etwa 240.000 Euro genehmigt wird.

Von Anett Roisch
Still ruht wegen der Corona-Pandemie das Waldhotel am Grieps in Calvörde. Die Anzahl der Sitzplätze in der gemeindeeigenen Gaststätte soll durch einen Wintergarten erhöht werden. Groß ist die Hoffnung, dass es dafür eine LEADER-Förderung gibt.
Still ruht wegen der Corona-Pandemie das Waldhotel am Grieps in Calvörde. Die Anzahl der Sitzplätze in der gemeindeeigenen Gaststätte soll durch einen Wintergarten erhöht werden. Groß ist die Hoffnung, dass es dafür eine LEADER-Förderung gibt. Foto: Anett Roisch

Calvörde

„Unser Vorhaben, die Erweiterung des touristischen Angebots des Waldhotels Grieps, wird höchstwahrscheinlich über das Leader-Programm gefördert“, verkündete Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) bei der Gemeinderatssitzung am 6. Mai 2021. 

Leader ist ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden. Lokale Aktionsgruppen (LAG) erarbeiten vor Ort Entwicklungskonzepte. Schliephake berichtete, dass die LAG „Rund um den Drömling“ aufgrund der geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ihre Beschlüsse für die Prioritätenliste 2021/2022  im Umlaufverfahren durchgeführt hatte. Dabei sei über den finanziellen Orientierungsrahmen sowie über die einzelnen Projekte abgestimmt worden.

„Die ersten drei Vorhaben auf der Prioritätenliste könnten gefördert werden“, sagte der Bürgermeister. Seinen Ausführungen nach steht die Wiederherstellung und Sanierung der historischen Fassade der Kirche in Quarnebeck (Stadt Klötze) an erster Stelle, der Ausbau der Hofscheune in Etingen zum Begegnungsort an zweiter und das Waldhotel Grieps an dritter Stelle.

Gaststätte mit Anbau geplant

Geplant sei am Gaststättengebäude im Grieps, einen Anbau in Form eines Wintergartens zu errichten. Das kleine Waldhotel ist Eigentum der Kommune, die es an einen Gaststättenbetreiber verpachtet hat. „Der jetzige Gastraum ist sehr beengt. Und auch der Keller, der für größere Feiern genutzt wird, ist nicht gerade gastfreundlich. Mit dem Anbau würden wir mehr Sitzplätze im Innenraum bekommen. “ schilderte der Bürgermeister. So ein Wintergarten würde sich ins landschaftliche Gefüge im Grieps einpassen. Ein großer Veranstaltungssaal - wie ihn sich Bewohner von Calvörde in der Vergangenheit mal gewünscht hatten - sei hingegen nicht realisierbar.

Die Investitionssumme für den jetzt geplanten Anbau mit der LEADER-Förderung liegt bei insgesamt 240.000 Euro. Das Naherholungsgebiet liegt am Rand des Biosphärenreservates und soll in diesem Rahmen touristisch erschlossen werden. „Der Anbau wäre für die Aktivierung vom Grieps – so wie wir es uns vorgestellt haben – ein Schritt nach vorn“, beschrieb Schliephake und stellte mit Bedauern fest, dass die Corona-Pandemie der Gaststättenbranche mächtig zugesetzt habe.

„Jetzt muss erst mal der Förderantrag beim Landesverwaltungsamt gestellt werden. Die Realisierung soll bereits zum 30. Juni 2022 erfolgen. Wenn wir den Zuwendungsbescheid bekommen, müssen wir ordentlich Gas geben“, blickte Schliephake voraus.

Auf der Liste steht auch die parkseitige Bestandssicherung und Instandsetzung des Schlosses in Dorst. Nach gegenwärtigem Erkenntnisstand reiche der finanzielle Orientierungsrahmen aber nur für die ersten drei Vorhaben auf der Liste. „Das Schloss steht also in der Warteschleife“, erklärte der Gemeindechef.

Neue Struktur für LAG steht zur Diskussion

Gerhard Reinecke, Vorsitzender der LAG „Rund um den Drömling“, blickte auf die neue Förderperiode von Mitte 2021 bis 2027. Die LAG müsste sich - nach seinen Erläuterungen - in den folgenden Förderjahren neu strukturieren. Die Landesregierung habe vor etwa einem Jahr eine Diskussion entfacht, denn die Aktionsgruppen sollen einen Rechtsstatus bekommen. „Das heißt, es müssten eingetragene Vereine oder Genossenschaften sein. Es sollen also juristische Persönlichkeiten auf den Weg gebracht werden“, erklärte der Vorsitzende.

Der Knackpunkt dabei ist die Debatte um die sogenannte Gebietskulisse. Zielstellung sei, die gegenwärtige Zahl der Lokalen Aktionsgruppen – derzeit gibt es 23 dieser Gruppen in Sachsen-Anhalt – auf die Anzahl der Landkreise zu reduzieren.

Seit 15 Jahren besteht die Gemeinschaft aus Vertretern der Stadt Klötze, der Gemeinde Calvörde, der Einheitsgemeinde Stadt Oebisfelde-Weferlingen und aus dem nördlichen Teil der Stadt Gardelegen. Dazu gehören Vertreter der Biosphärenreservatsverwaltung  Drömling Sachsen-Anhalt, des Zweckverbandes Naturschutz Drömling, von Vereinen und Kirchengemeinden sowie Privatpersonen. „Die LAG hat gut gearbeitet. Wir haben eine Reihe von Projekten mit insgesamt vier Millionen Euro Förderung auf den Weg gebracht“, schilderte der Vorsitzende.

Verschiedene Strömungen hätten sich inzwischen entwickelt. Es gäbe zum Beispiel eine Initiative vom Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, Michael Ziche (CDU), der empfiehlt pro Landkreis eine LAG zu bilden. „Wenn sich der Gardelegener Teil verabschiedet, dann reichen die  Einwohnerzahlen eventuell nicht aus. Unsere LAG würde dann zerschossen werden“, erklärte Reinecke. Eine von vielen Alternativen, die derzeit diskutiert werden, sei es, eine völlig neue Aktionsgruppe mit der LAG „Flechtinger Höhenzug“ für die Verbandsgemeinde Flechtingen unter Einbeziehung von Oebisfelde-Weferlingen zu bilden.