Psyche

Corona hinterlässt Spuren bei Kindern und Jugendlichen: Wo Eltern im Landkreis Börde Hilfe finden

Kinder können wieder in die Schule, der Alltag normalisiert sich zunehmend. Trotzdem ist noch nicht absehbar, welche Spätfolgen die Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen hinterlässt. Damit Eltern mit Problemen nicht allein dastehen, gibt es mehrere Hilfsangebot im Landkreis Börde.

Von Juliane Just 01.07.2021, 15:47 • Aktualisiert: 01.07.2021, 16:00
Ängste, Bauchschmerzen, Rückzug: All das sind Anzeichen dafür, dass Kinder mit einer Situation überfordert sind.  Eltern stehen dem oft hilflos gegenüber, doch es gibt Hilfsangebote.
Ängste, Bauchschmerzen, Rückzug: All das sind Anzeichen dafür, dass Kinder mit einer Situation überfordert sind. Eltern stehen dem oft hilflos gegenüber, doch es gibt Hilfsangebote. Foto: dpa/Silvia Marks

Haldensleben - Monatelang kaum soziale Kontakte, Eigenverantwortung im Homeschooling, keine außerschulischen Unternehmungen – für einige Kinder und Jugendliche war der Lockdown eine seelische Belastung. Doch auch die Spätfolgen sind laut Experten nicht zu unterschätzen. Viele Erwachsene bemerken, dass sich ihre Kinder verändern. Doch liegt das am Alter oder ist es ein Anzeichen für ein seelisches Problem? Damit Eltern mit ihren Fragen nicht alleine gelassen werden, gibt es im Landkreis Börde mehrere Beratungs- und Hilfsangebote.

Beim Jugendamt des Landkreises Börde stiegen die Beratungen und konkreten Hilfen für Familien im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr kaum an. Knapp 500 Beratungen wurden 2020 durchgeführt, knapp 1000 Unterstützungsangebote unterbreitet. „Doch der Schein trügt, denn die Sozialarbeiter berichten, dass die Fälle und Problemlagen der Familien dafür intensiver sind“, sagt Matthias Wendt. Er ist Leiter des Jugendamtes im Landkreis Börde.

Eltern schrecken vor Anruf beim Jugendamt zurück

Von Schulproblemen über Konflikte in der Familie bis zur Sucht berät das Jugendamt Familien im Landkreis Börde. Darum kümmert sich der sogenannte Allgemeine Soziale Dienst (kurz: ASD), der Familien zum einen berät, zum anderen aber auch konkrete Hilfe vorschlägt. „Die Kollegen sind in Familien immer dann zur Stelle, wenns kriselt“, sagt Matthias Wendt.

Dass die Hürde für Eltern immens hoch ist, bei Problemen direkt beim Jugendamt anzurufen, ist dem Amtsleiter bewusst. „Oftmals schwingt beim Kontakt mit dem Amt die Angst mit, dass einem das Kind weggenommen wird“, räumt er ein. Er betont jedoch, dass die Mitarbeiter unterstützend, helfend und begleitend eingesetzt werden. „Man muss den Eltern diese Angst nehmen, denn das Kind muss nicht erst in den Brunnen fallen“, so Matthias Wendt.

Pandemie macht Eltern hilflos

Ist die Hemmschwelle, direkt beim Jugendamt anzurufen, zu groß, helfen unter anderem die sozialpädagogischen Fachkräfte auch der Kinderschutzbund Kreisverband Börde. „In dieser Pandemie sind selbst die studiertesten Leute hilflos und es ist wichtig, ihnen zuzuhören“, sagt Marlis Schünemann als Vorsitzende des Kinderschutzbundes. Seit Beginn der Pandemie bemerken sie und ihre Mitarbeiter, dass vor allem junge Familien zu kämpfen haben.

Das Wichtigste sei die Vertrauensarbeit mit den Familien. Bei einem Gespräch könne oft punktuell geholfen werden. Das kann beispielsweise eine psychische Beratung oder eine Vermittlung zum Kinderarzt sein. „Beim Kinderschutzbund finden Eltern immer diskret Rat, ohne Repressalien zu fürchten“, sagt sie.

Jugendamtsleiter Matthias Wendt ermutigt Eltern, sich Hilfe zu suchen, wenn sie nicht weiter wissen. „Es ist egal, bei wem sich die Familien Hilfe holen. Wichtig ist, dass sie es tun, auch wenn das Problem noch so klein erscheint“, sagt er. Die Hilfsorganisationen und das Jugendamt seien untereinander vernetzt und können damit eine große Bandbreite Hilfen anbieten.